Heiko Mützelburg - der neue Chef des Monopile-Herstellers Titan Wind Energy - kommt von Rostock nach Cuxhaven. Foto: Polgesek
Heiko Mützelburg - der neue Chef des Monopile-Herstellers Titan Wind Energy - kommt von Rostock nach Cuxhaven. Foto: Polgesek
Neuer Chef, neue Chance

Offshore-Branche im Wandel: Was der neue Chef von Titan Wind Energy in Cuxhaven plant

22.10.2024

Heiko Mützelburg, der neue Chef von Titan Wind Energy, plant in Cuxhaven Großes: 600 neue Arbeitsplätze und eine Produktionsstätte, die das Unternehmen zum Schlüsselspieler im Offshore-Markt machen soll.

Nach zwölf Jahren an der Ostsee an die Nordsee: Der neue Chef des Monopile-Herstellers Titan Wind Energy kommt von Rostock nach Cuxhaven. Heiko Mützelburg will an der Elbe 600 neue Arbeitsplätze schaffen. Wer ist der neue Offshore-Manager?

Auf seinem Schreibtisch liegt das Abschiedsgeschenk aus Rostock - ein Monopile im Miniaturformat. In kleinen Buchstaben ist vermerkt, was der neue Chef der Titan Wind Energy (https://titan-wind.com/de/) in Cuxhaven, Heiko Mützelburg, an Erfahrung mitbringt: 42 Windkraft-Projekte, mehr als 2.500 Fundamente aus 1,4 Millionen Tonnen Stahl, 2,6 Milliarden Euro Umsatz. Die Bilanz aus zwölf Jahren als Geschäftsführer des Konkurrenten und Monopile-Herstellers EEW Spec.

Das Ziel: wesentlicher Spieler im europäischen Markt

Auf 750.000 Quadratmetern Fläche will der Offshore-Manager in Cuxhaven bis 2026 eine Produktionsstätte für Monopiles aufbauen. "Wir wollen ein wesentlicher Spieler im Bereich der Fundamentherstellung im europäischen Markt werden", sagt der 49-Jährige. Dafür will Mützelburg in Cuxhaven bis zu 600 Mitarbeiter rekrutieren. "Das wird in den nächsten zwei Jahren eine Riesen-Herausforderung sein", sagt er.

Titan Wind benötigt Mechatroniker, Elektriker, Schweißer, Maschinenführer, Transporteure, die schwere Fahrzeuge bedienen können. In den Büros sollen 100 Verwaltungsangestellte arbeiten, bislang haben 26 ihre Arbeit aufgenommen. Einer davon ist Mützelburg selbst, seit vier Wochen.

Bei ihm ging alles ganz schnell. Ende Juli nahm ein Headhunter Kontakt zu ihm auf. Am 25. August flog er nach Shanghai, um bereits einen Tag später den Vertrag mit Titan Wind zu unterzeichnen. Chinesisch spricht er nicht. "Das lässt sich alles in Englisch regeln", sagt er. Auch die Gespräche mit dem Gründer der Titan Group, dem chinesischen Investor Junxu Yan, führt er in englischer Sprache. "Wir sind eine deutsche GmbH mit einem deutschen Management", erklärt Mützelburg, der Betriebswirtschaft in Münster studierte. "Unser chinesischer Inhaber besitzt in China 15 Firmen im Offshore-Bereich, die unter anderem auch Türme und Rotorblätter produzieren.

Mitarbeiter überwiegendregional rekrutieren

Die neuen Mitarbeiter für das Cuxhavener Werk will Mützelburg überwiegend regional rekrutieren und dabei eng mit Arbeitsagentur und Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten. "Wir wollen auch ausbilden", kündigt der Manager an. Neben EEW in Rostock und Steelwind in Nordenham wird die Titan Wind Energy einer von drei Monopile-Herstellern in Deutschland sein.

Bis 2026 sollen weitere vier Hallen für den Bau der Monopiles auf dem ehemaligen Gelände des Turmherstellers Ambau stehen. Als der Turmhersteller 2019 in die Insolvenz rutschte, übernahm Titan Wind das Unternehmen. Während der Corona-Pandemie lag alles still. Jetzt will Titan Wind einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in Cuxhaven investieren.

Mützelburg ist seit 2009 in der Offshore-Branche tätig. Dass er dem Rostocker Fundamente-Bauer EEW - einer auf Windkraft spezialisierten Tochterfirma der Erndtebrücker Eisenwerke (EEW) - lange Zeit verbunden war, ist kein Zufall. Der Sitz der EEW-Holding befindet sich in Erndtebrück, einer Gemeinde im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen. 20 Kilometer von Bad Berleburg entfernt, wo der 49 Jahre alte Offshore-Manager 1995 sein Abitur machte.

Wer das Gelände von Titan Wind in Cuxhaven betritt, muss sich entlang gelber Linien bewegen. "Sicherheit ist bei uns das Allerwichtigste, damit es nicht zu Arbeitsunfällen kommt", sagt Mützelburg. 2026 soll hier der erste Monopile fertiggestellt werden.

Die Monopiles vergleicht Mützelburg gerne mit Autos: "Was kostet ein Auto? Na ja, welches? Wie schnell fährt ein Auto? Na ja, welches? Das ist bei den Monopiles genauso." Im Schnitt werden wohl drei und mehr pro Woche produziert. "Ein durchschnittliches Monopile wird in den nächsten Jahren einen Durchmesser von 11,5 bis 12,5 Metern haben und etwa 100 Meter lang sein - das ist abhängig vom Design", sagt Mützelburg.

Pro Jahr sollen bis zu 150Monopiles produziert werden

Die Fundamente sind echte Schwergewichte und können bis zu 2800 Tonnen pro Stück auf die Waage bringen. Zwischen 120 und 150 Monopiles im Jahr sollen ab 2026 produziert werden, das sind 300.000 bis 350.000 Tonnen. Potenziell kommen als Kunden alle Energiekonzerne in Betracht, produziert wird für Offshore-Windparks weltweit. "Der Fokus liegt auf dem europäischen Markt, primär Nordsee, Ostsee und alles rund um England", sagt Mützelburg. "Cuxhaven ist der perfekte Standort für das, was wir machen wollen. Der Offshore-Hafen ist für die Nordsee-Projekte ideal gelegen, die Fläche groß genug. Diese Bedingungen hätten wir andernorts nicht vorgefunden." Dass es in Cuxhaven bereits eine Offshore-Industrie gebe, sei für die Rekrutierung der Fachkräfte von Vorteil.

Dennoch eine große Aufgabe für einen großen Mann: Der Schreibtisch für den Zwei-Meter-Mann hat noch nicht die richtige Höhe. Den Blick auf die Elbe von seinem Büro aus liebt er aber jetzt schon.

 

Von Denise von der Ahé

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