"Omas lesen vor" in Cuxhaven: Wie Kinder spielerisch Demokratie kennenlernen sollen
In Cuxhaven bringen "Omas gegen Rechts" Kindern spielerisch Demokratie nahe. Die Veranstaltungsreihe feierte ihren Auftakt in der Stadtbibliothek Cuxhaven. Anpassungen sollen folgen.
"Der Löwe brüllt. Wer von euch kann wie ein Löwe brüllen?", fragte Marion Jeske-Woitzik. Sieben Kinder saßen ihr gegenüber und lauschten der Geschichte. Die "Oma gegen Rechts" las aus dem Kinderbuch "Genug gebrüllt, Löwe" vor.
Bunte Sitzkissen lagen auf dem Boden verteilt, Marion Jeske-Woitzik saß auf einem kleinen Hocker. Vor ihr lagen auf einer Decke verschiedene Kuscheltiere. In der Stadtbibliothek Cuxhaven fand am Donnerstag (26. Februar 2026) der Auftakt der Veranstaltung "Omas lesen vor" statt.

Geschichte zum Leben erweckt
In der Geschichte geht es um einen Löwen, der über die anderen Tiere bestimmt. Dann wird der Löwe krank und zieht sich in seine Höhle zurück. Die Tiere machen plötzlich, was sie wollen: Die Erdmännchen malen die Zebras bunt an und alle ärgern sich gegenseitig. Die "Oma gegen Rechts" las die Geschichte nicht einfach nur vor: Sie erweckte die Geschichte mit den Kuscheltieren zum Leben. Die ganze Zeit über bezog sie die Kinder mit in das Geschehen ein.
Es brauche Regeln, meinte die Maus in der Geschichte. "Kennt ihr Regeln?", fragte Jeske-Woitzik die Kinder. "Augen auf im Straßenverkehr", sagte ein kleiner Junge. Die Tiere in der Geschichte einigten sich auf eigene Regeln und passten diese nach Bedarf an. Als der Löwe wieder gesund ist, muss auch er sich an die neuen Regeln halten.
Zum Ende der Geschichte konnte sich jedes Kind einen Stein mit der Aufschrift "Gerechte Regeln für Alle" aussuchen. Außerdem nahmen sich die Kinder einen Stock und einen Zettel mit. "Da könnt ihr zu Hause eine Regel aufschreiben, die bei euch gilt", sagte die Oma gegen Rechts.

Kinder früh an Demokratie heranführen
Die Veranstaltung war für Kinder von vier bis sieben Jahren gedacht. "Das Thema wäre für Jüngere noch nichts gewesen", erklärte Jeske-Woitzik. Die Idee hinter der Veranstaltung: Kinder schon früh an die Demokratie heranzuführen. Es ging auch um den Austausch mit den Eltern. Für die gab es im Nachbarraum Kaffee und Kuchen und ein Angebot an Kinderbüchern, die sich mit den Themen Demokratie, Mitbestimmung oder Gerechtigkeit auseinandersetzen. Beim Lesen der Geschichte sollten die Eltern nicht dabei sein. "Die Kinder haben ihren eigenen kleinen Raum verdient", meinte die Vorleserin.

Durch ein Plakat vor der Stadtbibliothek sei Christiane Brinkmann auf das Angebot aufmerksam geworden. "Ich finde es gut, dass sie die Möglichkeit schaffen, den Kindern die Demokratie spielerisch beizubringen", erklärte die Mutter. Es sei ihr wichtig, dass ihre Kinder gewisse Werte früh mitbekämen.
"Omas lesen vor" sei für einmal im Vierteljahr angedacht - nach dem Auftakt werden sich die Omas gegen Rechts jetzt erstmal besprechen. Eventuell passen sie auch das Alter der Kinder an, da sich die älteren Kinder in der Runde schon stärker interagiert haben, meinte Jeske-Woitzik. Jedes Mal soll ein anderes Thema im Fokus stehen: Demokratie, Ich-Stärke, Gerechtigkeit oder Mitbestimmung. "Es wäre mein Wunsch, dass die Kinder etwas mitnehmen", sagte Marion Jeske-Woitzik.