Otterndorfer Daniel Schneider verlässt das Thünen-Institut - was er nun plant
Vor genau einem Jahr stand der gerade aus dem Bundestag ausgeschiedene ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Deichbrand-Organisator an der Schwelle einer neuen Aufgabe. Nun gehen das Thünen-Institut und er getrennte Wege.
Auf den Tag genau vor einem Jahr berichtete Daniel Schneider, bis Februar 2025 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter der SPD im Wahlkreis Cuxhaven-Stade II, in einem Interview mit unserem Medienhaus über seine neue berufliche Herausforderung. Beim Thünen-Institut sollte er die neu geschaffene Informations- und Koordinierungsstelle Transformation Fischerei, kurz IKTF, in Hamburg aufbauen und leiten. Nun hat er die IKTF verlassen.
Zu lesen ist diese Information auf der Homepage des Thünen-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Weiter heißt es: "Wir danken ihm für seinen engagierten Einsatz und seinen wertvollen Beitrag zum Aufbau der IKTF und wünschen ihm für seinen weiteren beruflichen und persönlichen Weg alles Gute." Auf Nachfrage hebt Andrea Bayerlein - Öffentlichkeitsarbeitsbeauftragte und jetzt auch kommissarische Leiterin der IKTF - Daniel Schneiders maßgeblichen Beitrag zum Aufbau der Koordinierungsstelle hervor, insbesondere den Aufbau von Kontakten und die Bekanntmachung in der Region.
Erst am 13. März war die Koordinierungsstelle eröffnet worden. Sie soll deutsche Fischerinnen und Fischer auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Küstenfischerei unterstützen, Förderprogramme vermitteln oder Innovation fördern. Mit seiner Erfahrung im Bereich Meerespolitik - einer seiner erklärten Schwerpunkte in der parlamentarischen Arbeit - im Rücken und vom Sinn der Aufgabe überzeugt hatte der Otterndorfer Daniel Schneider sich erfolgreich beworben.
Neuausrichtung wohl nicht beiderseits mitgetragen
Am Freitag resümierte er: "Wir haben die IKTF aufgebaut und eine sehr erfolgreiche Eröffnung gefeiert. Unsere inhaltliche Arbeit war fast noch am Anfang, da stand schon aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Neuausrichtung zur Debatte." In der Mitteilung des Instituts ist ebenfalls von einer Neuaufstellung an der Schwelle zum Beginn der inhaltlichen Umsetzung die Rede.
In einigen relevanten Politik-Bereichen habe sich unter der amtierenden Bundesregierung der Wind gedreht, bemerkt Daniel Schneider und spricht konkret die Energiepolitik an: "Im Hinblick auf die Finanzierung der Transformationsprojekte mit Geldern aus den Auktionen der Offshore-Windparkflächen ist das von hoher Relevanz." Persönlich sei er von der ursprünglich geplanten Ausrichtung der IKTF als eigenständige Transformationsagentur der deutschen Küstenfischerei voll überzeugt gewesen. Dieses Konzept sowie die Empfehlungen der Zukunftskommission Fischerei (ZKF) hätte er inmitten des radikalen Strukturwandels in der deutschen Küstenfischerei gerne umfassend umgesetzt gesehen.

"Ich hoffe, dass es dem Thünen-Institut trotz Neuausrichtung gelingen wird, zusammen mit den Fischern an Nord- und Ostsee und allen an der ZKF beteiligten Organisationen und Personen aus Politik, Wissenschaft, Fischerei- und Umweltverbänden an einem Strang in Richtung Zukunft zu ziehen. Ich verfolge die Entwicklungen weiter und stehe mit einigen meerespolitischen Stakeholdern (Interessensgruppen, d. Red.) auch weiterhin im Dialog", sagt der Otterndorfer. Persönlich wünsche er sich und allen eine zukunftsfähige, ökologisch verantwortungsvolle, wirtschaftlich tragfähige und gesellschaftlich anerkannte deutsche Küstenfischerei: "Unsere Fischer verdienen das auch."
Politisch zurzeit auf lokale Ebene fokussiert
Nach neuen beruflichen Plänen befragt - womöglich auch einer Rückkehr in die Politik -, äußerte sich der 49-Jährige, der in der Region als "Deichbrand"-Macher bekannt wurde, so: "Derzeit befasse ich mich unabhängig von meinem politischen Engagement mit einer wahrscheinlichen Rückkehr in meinen alten Beruf als Event- und Kulturmanager. Für eine mögliche neue berufliche Herausforderung in der Region laufen gute Gespräche. Also vielleicht könnte ich so meiner Heimatverbundenheit gerecht werden. Ansonsten habe ich einige Themen und Projektideen auf dem Schreibtisch und bin wieder im Artist Management aktiv."
Politisch konzentriert sich der Otterndorfer derzeit auf die kommunale Ebene. Er ist 2. Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Land Hadeln und wurde bei der Kommunalwahl am 13. September wieder direkt in den Stadtrat gewählt. Auf höherer Ebene sieht er seine politische Zukunft derzeit eher nicht: "Auf der einen Seite ist mein persönliches Bedürfnis auf Politik in Vollzeit gering. Auf der anderen Seite gibt es ja kaum etwas Wichtigeres. Ich werde auch regelmäßig gefragt - gerade gestern erst wieder. Allerdings gibt es in meiner Partei auch andere interessierte und interessante potenzielle Kandidierende. Also lange Rede, kurzer Sinn: Es bleibt spannend!"
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