Denkmalschutz: Ist der Marstall neben dem Schloss Ritzebüttel noch zu retten?
Drei visionäre Nutzungskonzepte könnten das historische Juwel des Marstalls am Schloss Ritzebüttel aus seinem Dornröschenschlaf erwecken. Doch ob Café, Ausstellungsfläche oder Mischform: Die Uhr tickt, bevor die Schäden irreparabel werden.




Der historische Marstall am Schloss Ritzebüttel ist ein Gebäude von großer kultureller Bedeutung und von ebenso großem Sanierungsbedarf. Nun kommt Bewegung in die Debatte um dessen Zukunft. Im Kulturausschuss der Stadt Cuxhaven stellte Diplom-Ingenieur Dr. Stephan Strauß dieser Tage drei mögliche Nutzungskonzepte für das denkmalgeschützte ehemalige Wirtschaftsgebäude vor.
Die Initiative dazu ging ursprünglich vom Verein für das Schloss Ritzebüttel aus, dessen Vorstand sich seit Jahren für den Erhalt und eine sinnvolle Nutzung des Marstalls einsetzt. Vereinsvorsitzende Melanie Eitzen-Fischer zeigte sich erfreut über die konkreten Pläne und sieht jetzt eine echte Chance, den Marstall zu neuem Leben zu erwecken. Die Kasse des Schlossvereins ist gut gefüllt.
Gebäude mit Geschichte und Herausforderungen
Der Marstall, einst Unterbringung von Pferden und Gerätschaften, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses Ritzebüttel. Das Fachwerkgebäude ist stark in die Jahre gekommen. Während das Innere überwiegend intakt scheint, weist die äußere Bausubstanz zahlreiche Schäden auf: Risse im Fachwerk, Feuchtigkeitsprobleme an den Mauern und teils beschädigte Holzstrukturen. Dr. Strauß betonte jedoch, dass diese Mängel gut reparierbar seien, wenn man nicht zu lange wartet.
Die besondere Struktur des Gebäudes bringt zugleich Einschränkungen und Möglichkeiten mit sich. Der Grundriss ist durch Treppen und Installationen wie Heizung und Sprinkleranlage stark gegliedert, was größere, zusammenhängende Nutzungsflächen erschwert. Auch die niedrige Raumhöhe im Dachgeschoss und die fehlende Barrierefreiheit stellen Herausforderungen dar. Dennoch bietet der Marstall genügend Potenzial, um als kultureller und gesellschaftlicher Ort etabliert zu werden.
Um diesem Potenzial gerecht zu werden, präsentierte Stephan Strauß im Sitzungssaal Rügen in Cuxhavens Rathaus drei Nutzungskonzepte, die den Charakter des Gebäudes berücksichtigen und zugleich den Bedürfnissen der Stadt Cuxhaven entgegenkommen.
Variante 1: Museumscafé - Die wohl publikumswirksamste Idee ist die Einrichtung eines Museumscafés. Die kleine Version der Variante 1 ohne größere Veränderungen im Schloss könnte folgendermaßen aussehen: Im Erdgeschoss des Marstalls könnte ein Café als Erweiterung der bestehenden Schlossgastronomie fungieren. Der Gastraum ließe sich zusätzlich mit einer Reihe von Exponaten zur Schlossgeschichte kombinieren. Auch ein Museumsshop wäre denkbar. Außerdem sollten weitere Toiletten geschaffen werden, da im Schloss zu wenige vorhanden sind.
Für Melanie Eitzen-Fischer ist diese kleinere Version besonders reizvoll: "Viele Besucher des Schlossgartens suchen nach einem Ort, an dem sie in schönem Ambiente verweilen können. Ein Café mit historischem Flair wäre die perfekte Ergänzung. Die Stadtgärtner, die bereits im Marstall untergebracht sind, könnten ihren Arbeitsplatz dort behalten."
Variante 2: Erweiterte Ausstellungsfläche - Eine zweite Möglichkeit sieht vor, den Marstall als zusätzliche Ausstellungsfläche für die Stadtgeschichte zu nutzen. In Kombination mit der bereits bestehenden Ausstellung in der Alten Wache könnte hier ein attraktiver, modular gestalteter Museumsbereich entstehen. Allerdings gibt es zwei wesentliche Hürden: die eingeschränkte Barrierefreiheit und den damit verbundenen Denkmalschutz. Eine Ausstellung über zwei Etagen wäre nur schwer realisierbar, da der Einbau eines Fahrstuhls tief in die historische Bausubstanz eingreifen würde.
Variante 3: Gemischte Nutzung mit komprimiertem Café und Ausstellung - Die dritte Variante kombiniert Elemente der ersten beiden Vorschläge. Im Erdgeschoss könnte ein kleinerer Café-Bereich entstehen, ergänzt durch sanitäre Anlagen und Lagerräume. Im Obergeschoss bliebe Platz für eine kleinere Ausstellung, die sich mit der Geschichte des Schlosses und des Marstalls beschäftigt. Diese Lösung würde den Spagat zwischen gastronomischer Nutzung und kultureller Vermittlung ermöglichen, allerdings bliebe auch hier die Barrierefreiheit ein ungelöstes Problem.
Nächste Schritte: Finanzierung und Entscheidung
Unabhängig von der gewählten Variante ist klar, dass die Sanierung des Marstalls mit erheblichen Kosten verbunden sein wird. Die Stadt Cuxhaven wird daher auf Fördermittel angewiesen sein. Erste Gespräche mit potenziellen Geldgebern wie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung wurden bereits geführt.
Auch der Verein Bürger für das Schloss Ritzebüttel könnte mit seiner gut gefüllten Kasse einen großen Teil zur Finanzierung beisteuern. Auf der Sitzung wurde zudem ein Weg angedeutet, der eventuell ohne städtische Mittel auskäme. In diesem Fall könnte der "kommunale Eigenanteil" von mehreren Förderern oder eben dem Schlossverein übernommen werden. Dies bedarf allerdings einer genauen Prüfung der unterschiedlichen Förderkulissen.
Bevor es jedoch zu Anträgen und Baumaßnahmen kommt, müssen die Kosten präziser ermittelt werden. Hierfür schlägt Dr. Strauß eine detaillierte Schadenskartierung vor. "Die Bausubstanz hat Schwächen, aber die Schäden sind gut reparierbar. Je früher wir handeln, desto besser."
Ein Appell an den Zusammenhalt
Die Bedeutung des Marstalls für das Ensemble Schloss Ritzebüttel steht außer Frage. Doch ob er als Café, Ausstellungsfläche oder in einer Mischform genutzt wird, muss gut durchdacht und finanziert werden. "Es geht nicht nur um die Instandsetzung des Gebäudes, sondern auch um seine langfristige Nutzung und den Betrieb", betont Eitzen-Fischer.
Die Cuxhavener Politik steht nun vor der Aufgabe, eine Entscheidung zu treffen, die den historischen Wert des Marstalls bewahrt und zugleich eine zukunftsfähige Nutzung sichert. Dass die Zeit drängt, ist allen Beteiligten bewusst. "Wir dürfen den Marstall nicht noch zehn Jahre dem Verfall preisgeben", mahnt Melanie Eitzen-Fischer, deren aktiver Vorstand in den zurückliegenden Jahren eine stattliche Summe von Spendern aus der Stadt für das Projekt Marstall beiseitegelegt hat.
Die Hoffnung bleibt, dass zeitnah nicht nur ein Sanierungskonzept, sondern auch ein lebendiger Ort entsteht, der Geschichte, Kultur und Gastfreundschaft vereint. Der Marstall hätte es verdient.
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