Oberschule in Cuxhaven möchte mit einem neuen Namen durchstarten
Die Bleickenschule in Cuxhaven möchte im Sommer einen neuen Namen bekommen. Mit der Person Max Bleicken persönlich hat das gar nichts zu tun, sondern mit einem Neuanfang zum Start der Oberschule nach den Sommerferien.
Wenn die Bleickenschule zum Sommer Oberschule wird, dann soll möglichst nichts mehr an die Hauptschulvergangenheit erinnern - auch nicht der Name. Das finden jedenfalls der Schulvorstand und Schulleiterin Clarissa Schröer, die am Dienstag im Schulausschuss die Position der Schulgremien vertrat. Die Ausschussmitglieder taten sich jedoch schwer damit, die Erinnerung an eine Person, die nicht irgendeine ist, einfach so zu abzulegen.
Keine große Verbindung zur Schule
"Wir möchten den Neustart mit einem veränderten Namen angehen", erklärte Clarissa Schröer. Bekanntlich wird die Bleickenschule ab dem 1. August als Oberschule weitergeführt. Bereits im März hatte unser Medienhaus über den Wunsch der eigenverantwortlichen Schule nach einer Namensänderung berichtet. Die Schulleiterin erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Schule, die schon die Namen Hermann-Göring-Schule (ab 1935) und Rathausschule trug, bevor sie 1949 nach dem ersten Bürgermeister der Stadt Cuxhaven Bleick Max Bleicken benannt wurde. "Bleicken war damals schon 80 Jahre alt und hat nichts wesentliches für unseren Schulbau getan", so Schröer.
In der Stadt hingegen sei der Name untrennbar mit der Schulform Hauptschule verbunden, fürchtet Clarissa Schröer. Die aber sei seit Jahren weiterbetrieben worden, ohne auf die veränderten Bedürfnisse einzugehen, und habe einfach keine Lobby gehabt. "Die Bevölkerung denkt bei dem Namen an eine Schule, auf die man sein Kind nicht schicken möchte." Das solle sich mit der Oberschule ändern, mit der auch neue Eltern angesprochen werden sollten. "Der Schlussstrich für einen Neustart fehlt", machte Clarissa Schröer deutlich.
Neues Selbstbild entwickeln
Der Wunschname "Oberschule Cuxhaven-Mitte" könne helfen, eine neue Corporate Identity, ein neues Selbstbild zu entwickeln; passend zum Platz in der Mitte der Gesellschaft.
Passt nicht zur Stärkung der Erinnerungskultur
Die Schulausschussmitglieder zeigten Verständnis für das Anliegen der Schule, jedoch erhoben sich erhebliche Bedenken dagegen, den Namen "Bleicken" vollends aus dem Schulnamen zu tilgen. Sowohl Lasse Weritz (CDU) als auch Henry Kowalewski (SPD) machten darauf aufmerksam, dass sich der Kreistag einstimmig für eine Aufwertung der Erinnerungskultur ausgesprochen habe und ausgerechnet nächste Woche eine Auftaktveranstaltung dazu plane. "Wir möchten die Erinnerung an Max Bleicken bewahren", stellte Lasse Weritz für die CDU fest. "Zumal dieser eine untadelige Persönlichkeit in der NS-Zeit war", ergänzte Henry Kowalewski.
Dieser Vorgang sei mit keinem anderen zu vergleichen, in dem Schulnamen wegen der unrühmlichen Vergangenheit der Namensgeber geändert worden seien. "Dieser Name könnte sogar dazu dienen, der Schülerschaft und der Bevölkerung zu erklären, wer dieser Max Bleicken war. Er taugt heute noch als Vorbild", so Kowalewski und ergänzte: "Ich hoffe auf einen Kompromiss. Frau Schröer, das geht überhaupt nicht gegen Sie oder Ihre Schule."
Politik und Kreis sind für einen Kompromiss
Es kristallisierte sich heraus, dass die Politik mit einem Kompromissvorschlag auf den Schulvorstand zugehen will. Dies ist auch die Landkreis-Position. Das Ganze soll schnell passieren, weil mit einer Entscheidung im kommenden Kreistag am 7. Juni der Schule genügend Zeit zur Umsetzung verschafft werden soll. "Der Name sollte die Begriffe ,Oberschule, Cuxhaven und Bleicken' enthalten", so Kreisrat Friedhelm Ottens.
Eine weitere Alternative kam Manfred Knust (Freie Wähler) in den Sinn, nämlich die Benennung eines anderen Ortes in der Stadt nach Bürgermeister Max Bleicken, um dessen Andenken zu bewahren.
Wer war Bleicken?
Bleik Max Bleicken (1869-1959) war von 1907, dem Jahr der Stadtgründung, bis 1931 Bürgermeister der Stadt Cuxhaven. Erbaute eine als mustergültig geltende Verwaltung auf, verfasste eine Städteordnung und wurde nach der Revolution vom Arbeiter- und Soldatenrat im Jahr 1919 für sechs Wochen seines Amtes erhoben, jedoch schnell durch den Magistrat und die Bürgervertretung der Stadt wieder eingesetzt. Unter der Ägide Bleickens, der 90 Jahre alt wurde und im Alter erblindete, jedoch das politische Geschehen rege weiter verfolgte, nahm die Stadtentwicklung einen enormen Lauf.

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