Die Hauptschul-Jahrgänge der Altenbrucher Schule verteilen sich auf beide Orte. Wenn dort nach und nach die Hauptschule ausläuft, verbessern sich die räumlichen Bedingungen der Grundschulen. Fotos: Reese-Winne
Die Hauptschul-Jahrgänge der Altenbrucher Schule verteilen sich auf beide Orte. Wenn dort nach und nach die Hauptschule ausläuft, verbessern sich die räumlichen Bedingungen der Grundschulen. Fotos: Reese-Winne
 Neue Wege öffnen sich

Schulstruktur in Cuxhaven: Darum sind Tage der Hauptschule Altenbruch wohl gezählt

von Maren Reese-Winne | 15.11.2024

Beide CDU-Ortsbürgermeister finden es schade, können aber die Meinung des SPD-Landrats nachvollziehen: Diese politische Konstellation gibt es auch nicht alle Tage. Das sind die Neuigkeiten zur Hauptschuldiskussion in Cuxhaven. 

Beide Ortsbürgermeister wissen, dass es so kommen wird, und auch die Dorfgemeinschaften scheinen darauf eingestellt: In einigen Jahren wird es in Altenbruch keine Hauptschule mehr geben. Dennoch ist es Christoph Frauenpreiß und Thomas Brunken (beide auch CDU-Ratsherren) wichtig, die Verbindung beider Orte zur Hauptschule zu unterstreichen.

Auch Lüdingworth bedauert baldiges Ende dieser Institution

"Wir haben diese immer als Einheit mit unserer Grundschule, der Kindertagesstätte und den zwei Hortgruppen empfunden", betont Thomas Brunken. In Lüdingworth, wo sich die Grundschule seit 1961 am jetzigen Standort befindet und im Jahr 1980 die Außenstelle der Altenbrucher Hauptschule etabliert wurde, werde der Abschied mit Bedauern registriert.

Öffentliche Präsentation noch im November

Das schrittweise Auslaufen der Hauptschule ist Bestandteil des Schulentwicklungskonzepts einer Projektgruppe des Landkreises, das kürzlich den Schulen vorgestellt wurde und am Dienstag, 26. November, öffentlich im Schul- und Berufsschulausschuss (Beginn 16 Uhr im Kreishaus) diskutiert werden wird.

Die Ortsbürgermeister Christoph Frauenpreiß (l.) und Thomas Brunken haben die Hauptschule immer als Gewinn in ihrem Ort gesehen. Dennoch sei der Vorschlag des Landkreises, sich vom Hauptschulstandort Altenbruch/Lüdingworth zu trennen, nachvollziehbar, sagen beide. Foto: Reese-Winne.

Immer weniger Schülerinnen und Schüler, immer weniger Lehrkräfte - diese Entwicklung konnte den Mitgliedern der Projektgruppe nicht entgehen: "Im Grunde ist die Entscheidung 2011 mit der Einführung der Oberschule als neuer Schulform in Niedersachsen gefallen", erinnert sich Christoph Frauenpreiß, wohl wissend, dass dies eine  Entscheidung der damalige CDU-Landesregierung mit Kultusminister Bernd Althusmann war. Die Eltern hätten mit den Füßen abgestimmt; die Zahl der Hauptschulen in Niedersachsen sei seither stetig gesunken.

"Diese Schulform hat auch eine Menge zu bieten"

Wobei beide Politiker sich einig sind, dass die Hauptschule den Schülerinnen und Schülern eine Menge zu bieten habe. Diesen Eindruck hätten sie bei Besuchen jedes Mal wahrgenommen: "Hauptschule kann auch eine Chance sein. Eltern sollten ihre Kinder durchaus mit Überzeugung dorthin schicken", so Thomas Brunken. "Ich habe dort ganz tolle junge Menschen kennengelernt, die alle ihren Lebensweg gemacht haben", ergänzt Christoph Frauenpreis. Die Wirtschaft hätte jedem der Jugendlichen mit Freude eine Lehrstelle angeboten, wenn diese nicht auf einer der Berufsschulen ihre schulische Ausbildung fortgesetzt hätten.

"Krüger hat mit offenen Karten gespielt"

Dennoch seien die Gedankengänge des Landrats Thorsten Krüger nachvollziehbar, betonen beide Ortsbürgermeister, verbunden mit Anerkennung für den SPD-Mann, der mit allen im Gespräch gewesen und auch immer wieder auf sie zugekommen sei. "Er hat mit offenen Karten gespielt und wollte unsere Meinung auch hören." Die bestehenden Jahrgänge der Hauptschule werden bis zu ihrem Abschluss in Altenbruch und Lüdingworth bleiben.

Verbleibende Standorte ausbauen

Von einer Konzentration der Standorte verspricht sich die Landkreis-Projektgruppe den Erhalt und Ausbau eines zeitgemäßen und ausreichend großen Bildungsangebots. Dafür müssten die aufnehmenden Schulen - die Hauptschule Otterndorf und die Oberschulen Cuxhaven-Mitte - jedoch dringend räumlich ausgebaut werden. Die Orientierung der Eltern weist übrigens eindeutig ins Stadtgebiet, schon weil viele dort arbeiten und die Busanbindung besser ist.   

Noch stehen beide Schulträger auf einem Schild. Nach dem Auslaufen der Hauptschule verbliebe einzig die Stadt.

Chance für beide Grundschulen

Positive Auswirkungen hätte der schrittweise Abschied auf jeden Fall auf die Grundschulstandorte Altenbruch und Lüdingworth. Darauf gab es bereits kürzlich im Stadt-Schulausschusses kaum verhüllte Hinweise. Beide Grundschulen könnten - wahrscheinlich ganz ohne Baumaßnahmen - die einzigen Schulen in der Stadt sein, die zum gesetzlich vorgesehenen Beginn des Ganztagsbetriebs (aufsteigend ab dem Schuljahr 2026/27) räumlich optimal vorbereitet sind, inklusive Küche und Mensa. "Wir erwarten von der Verwaltung, dass sie den Start dann auch pünktlich auf den Weg bringt", so Christoph Frauenpreiß.

Lüdingworth bringt vorzeitig den Ganztag auf den Weg

In Lüdingworth sind die Weichen für den freiwilligen Start der offenen Ganztagsschule bereits zum kommenden Schuljahr gestellt. Der Antrag sei auf dem Weg, so Thomas Brunken. In beiden Orten stünden Bevölkerung und Vereine voll hinter dem Ganztag: "Alle wollen mitmachen."

Überlegungen reichen bis in die Kita

Christoph Frauenpreiß nennt eine weitere Chance: Könnten die beiden Altenbrucher Hortgruppen ins Schulgebäude verlagert werden, entstünde in der Kita Platz für eine dringend benötigte weitere Krippengruppe. Beide Repräsentanten hoffen, dass die Schulträger - Kreis und Stadt - diese Zusammenhänge gemeinsam betrachten und nutzen.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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