Cuxhavener Schlossverein leitet Rettungsmission für den Marstall in Ritzebüttel ein
Der Verein Bürger für das Schloss Ritzebüttel hat sich viel vorgenommen in Cuxhaven. Der engagierte Vorstand rückt erneut den sanierungsbedürftigen Marstall in den Fokus. Einen Ortstermin mit Architekten und Stadtverwaltung hat es bereits gegeben.
"Wenn Du ein Schiff bauen willst, beginne nicht damit, Holz zusammenzusuchen, Bretter zu schneiden und die Arbeit zu verteilen, sondern erwecke in den Herzen der Menschen die Sehnsucht nach dem großen und schönen Meer." Dieser Satz von Antoine de Saint-Exupéry aus dessen postum erschienen Buch "Die Stadt in der Wüste" trifft es wohl ganz gut, wenn man das neueste Vorhaben des aktiven Vorstandes des Vereins Bürger für das Schloss Ritzebüttel in den Fokus nimmt.
Auf der jüngsten Jahresversammlung referierte dieser Tage Lutz Rothermundt von der Cuxhavener Bauverwaltung über den Marstall. 1821 erbaut steht das lang gezogene Gebäude zur Linken des Schlosses und wird derzeit zum Teil als Lager- und Aufenthaltsraum genutzt. Auch an dieser städtischen Immobilie nagt der Zahn der Zeit.
"Wir haben den Marstall zusammen mit einem ausgewiesenen Architekten und Lutz Rothermundt genau unter die Lupe genommen", erklärte Melanie Eitzen-Fischer, die nicht müde wird, den Verfall des zum Schlossensemble gehörenden Seitengebäudes immer wieder öffentlich anzusprechen. Die Schlossvereinsvorsitzende und ihr Team zeigten sich denn auch im großen Festsaal vor ihren zahlreich erschienenen Mitgliedern zuversichtlich. Sie wollen die Stadt Cuxhaven als Eigentümer bei dieser baulichen Großaufgabe in den kommenden Jahren mit ideellen und finanziellen Mitteln unterstützen und den Marstall vor dem Verfall bewahren.
Schlossverein lässt Worten auch Taten folgen
Der engagierte Schlossverein, der es nicht nur bei frommen Worten belässt, hat es schon einmal bewiesen: Die Sanierung des am Eingang zum Schlossgarten befindlichen Gärtnerhauses hat er maßgeblich vorangetrieben. Heute ist der Verein Pächter des Hauses und vermietet es zum Teil an Hochzeiter und andere Gäste. Damit erwirtschaftet er einen kleinen Überschuss, der wiederum in den Schlossgarten und das Gebäudeensemble gesteckt wird.
Der lang gestreckte zweigeschossige Marstall besteht im Bereich des Erdgeschosses aus massiven Backsteinen. Das Obergeschoss ist als Fachwerk mit Backsteinausfachung gestaltet. Das sogenannte Krüppelwalmdach ist mit Ziegeln eingedeckt. Mittig in der westlichen Traufseite gibt es einen schmucken Aufzufgserker, der nach Meinung der Schlossvereinsvorsitzenden unbedingt erhalten werden sollte. Ein Hingucker ist er allemal. Im Erdgeschoss des 1821 als Wirtschaftsgebäude gebauten Marstalls waren ursprünglich Ställe untergebracht. Das Obergeschoss diente zur Getreidelagerung.
Erhalt des Gebäudes von öffentlichem Interesse
Der Marstall steht als Teil des Schlossensembles heute unter Denkmalschutz. "Sein Erhalt ist wegen der geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung von öffentlichem Interesse", erklärte Lutz Rothermundt vor der Versammlung. Doch bevor es zu einer wie auch immer gearteten Sanierung kommen kann, müssen eine ganze Reihe von Untersuchungen an dem Gebäude vorgenommen werden. Nach der Bestandsanalyse gilt es eine Kostenschätzung abzugeben und sich auf die Suche nach entsprechenden Fördertöpfen zu begeben. Denn aus der Kasse des Schlossvereins wird das Projekt alleine nicht zu finanzieren sein, auch das machte der Schatzmeister Bernd Kreft bei der Präsentation der aktuellen Kontostände deutlich.
Letzte größere Reparaturarbeiten am Marstall wurden vor 20 Jahren 2004 durchgeführt. Wie der Leiter vom Fachbereich Gebäude und Grundstückswirtschaft mitteilte, wurde seinerzeit unter anderem ein Teil des Fachwerks saniert. Zudem wurde auch die zur Ostseite gelegene Außenwand im Bereich des Erdreichs erneuert.
Ein Nutzungskonzept steht noch aus
Lutz Rothermund informierte zudem im April 2022 schon einmal die Mitglieder des städtischen Kulturausschusses über die Möglichkeiten einer Instandhaltung. Eine echte Sanierung des Marstalls kommt aus Sicht des Baufachmannes nur dann infrage, wenn ein "sinnvolles Nutzungskonzept" für den Marstall auf dem Tisch liegt. Die Mitglieder des Kulturausschusses beauftragten die Verwaltung seinerzeit damit, ein geeignetes Nutzungskonzept zu erarbeiten. Vielleicht könnte eine Kombination aus Wohnnutzung in Verbindung mit Ausstellungs- und Lagerräumen ein Weg in die richtige Richtung sein.
Wie auch immer das noch ausstehende Nutzungskonzept aussehen wird, der eingangs zitierte Rat von Antoine de Saint-Exupéry kann alle Beteiligten auf ihrem Weg zum Erhalt des Marstalls sicherlich beflügeln, denn die Sehnsucht kann bekanntlich Berge versetzen.





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