Sie schauen nicht weg: "Omas gegen Rechts" in Cuxhaven starten ihre ersten Aktionen
"Wir sehen, was geschieht und schauen nicht weg!" Mit dieser Intention starten die neu gegründeten "Omas gegen Rechts" in Cuxhaven in ihre ersten öffentlichen Auftritte. Ein erklärtes Ziel ist auch der Kontakt zur Jugend.
Ende Mai hatten sich Interessierte zum ersten Mal im Begegnungszentrum des Stadtteilvereins "Wir in Süderwisch" getroffen. Über 40 Personen informierten sich; viele sind geblieben. Am Sonnabend ging erstmals eine Gruppe auf die Straße.
Elf Personen, neun Omas und zwei Opas, gingen auf Passanten zu, erklärten die Gründe für das Engagement und übergaben Postkarten, auf denen die Werte der Omas festgehalten sind: für den Erhalt einer demokratischen, rechtsstaatlich organisierten, freien Gesellschaft, für Respekt und Achtung, für die Rechte der vor Krieg und Not geflüchteten Menschen, für soziale Standards, die bereits von Eltern und Großeltern erkämpft worden sind.
Die Resonanz war beflügelnd: Viele Menschen zeigten sich aufgeschlossen, signalisierten Unterstützung und machten bei einem Menschenrechte-Quiz mit.
Viele Premieren für die Aktiven
"Für viele von uns ist es das erste Mal, dass wir so etwas organisieren", erklärt Initiatorin Karin Ottens-Spargel. Das erste Mal bei der Stadt nachfragen: Was ist bei welcher Veranstaltung zu beachten? Welche Genehmigung ist erforderlich? Das erste Mal Förderanträge stellen. Das erste Mal selbst draußen stehen ... Bei allen Gremien, ob Stadt oder Polizei, träfen die "Omas" auf große Hilfsbereitschaft.

Unlängst ist die Initiative auch ins Bundesprogramm "Demokratie leben!" (gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) aufgenommen worden. Die Fördergelder können zum Beispiel für Schulungen und Informationsmaterial verwendet werden.
Wie die Nazis so groß werden konnten
Die nächste Veranstaltung ist für den 8. November, einen Freitag, vorgesehen. Ab 14 Uhr möchte die Gruppe an einem Infostand vor dem Begegnungszentrum in Süderwisch mit Plakaten, Kaffee und Kuchen mit der Bevölkerung in Kontakt kommen; gegen 16 Uhr schließt sich eine Lesung von Ingrid Rauner an. Der Titel ihres Buches: "Im Nationalrausch - Wie Oma und Opa den Nazis auf den Leim gegangen sind".
Erfahrungen aus der eigenen Familie
Die Erzieherin, Pädagogin, Berufsschullehrerin, Mediatorin und Mitbegründerin der "Omas gegen rechts"-Gruppe in Hagen (Landkreis Cuxhaven) hat festgestellt, dass nach dem Zweiten Weltkrieg eine traumatisierte Generation ihren Kindern und Enkelkindern den Weg in die Katastrophe größtenteils nicht erklären konnte. Anhand eines erhalten gebliebenen Briefwechsels ihrer Großeltern hat sie die Verführungen des Nationalismus dokumentiert - damit Geschichte sich nicht wiederholt.
Voraussichtlich am Sonnabend, 7. Dezember, möchten die "Omas gegen rechts" dann mit einer überraschenden Weihnachtsmann-Aktion auf den Kaemmererplatz zurückkehren.
Unbedingt auch junge Menschen erreichen
Parallel läuft die Ideensammlung innerhalb der Gruppe weiter, wie und wo die Omas sich beim Kampf gegen das Erstarken der Rechtsextremen einbringen könnten. Bei der Inspiration hilft auch der rege Austausch mit anderen Oma-Gruppen. Kürzlich trafen sich die Gruppen aus dem Norden für ein ganzes Wochenende. Ebenfalls in vollem Gang ist die Vernetzung mit anderen Institutionen in Cuxhaven.
"Uns ist klar, dass wir auch die jungen Menschen erreichen wollen", erzählt Karin Ottens-Spargel. Sie wünschten sich eine Zusammenarbeit mit den Schulen und planten auch, in den Stadtteilen in Erscheinung zu treten. Für den Jahresanfang ist ein weiterer Austausch zur Jahresplanung vorgesehen.
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