Es ist ein neuer Abschnitt für alle Beteiligten: v.l. Teris Machado Chatzieleftheriou, Johanna Chrapek, Ariane Toukem Mbapoundou, Mariana Oceane Metueno Fotue und Jörg Schulte vor dem Helios-Bildungszentrum. Foto: Reese-Winne
Es ist ein neuer Abschnitt für alle Beteiligten: v.l. Teris Machado Chatzieleftheriou, Johanna Chrapek, Ariane Toukem Mbapoundou, Mariana Oceane Metueno Fotue und Jörg Schulte vor dem Helios-Bildungszentrum. Foto: Reese-Winne
Bessere Perspektiven für alle

"Lassen alles hinter sich": Afrikanische Kräfte fangen an Helios-Klinik Cuxhaven an

von Maren Reese-Winne | 11.03.2026

15 junge Menschen aus Afrika beginnen in Cuxhaven ihre Pflegeausbildung und setzen auf interkulturelle Integration. Zum Start gibt es bewegende Einblicke in die Vergangenheit - und in den Start.

Es ist ein ganz besonderer Ausbildungslehrgang, der am 1. März 2026 seine Pflegeausbildung am Helios-Bildungszentrum Cuxhaven aufgenommen hat. Die 15 Schülerinen und -schüler kommen ausschließlich aus zwei afrikanischen Ländern: Marokko und Kamerun.

Angesichts der stetig steigenden Zahl von Bewerbungen aus dem Ausland sei die Idee für den zusätzlichen Ausbildungslehrgang entstanden, berichtet Pflegedirektor Jörg Schulte. Die Win-Win-Situation sei augenfällig: Einerseits helfe die Ausbildung von Fachkräften der Klinik, andererseits können sie hier jungen Menschen eine Perspektive geben.

Mit Motivation und Sprachkenntnissen den Platz ergattert

Zusammen mit dem Helios-Integrationsmanagement wurde das Angebot bekannt gemacht; das Echo war mit 200 bis 300 Bewerbungen geradezu überwältigend. Die Vorstellungsgespräche wurden per Video geführt. So wurde die Gruppe zusammengestellt. Wichtige Voraussetzung waren deutsche Sprachkenntnisse mindestens auf dem Niveau B2. Tatsächlich verfügen viele sogar über das noch hochwertigere C1-Zertifikat.

Mariana Oceane Metueno Fotue und Ariane Toukem Mbapoundou erzählen von ihrer Ankunft in Cuxhaven. Kennengelernt haben sie sich erst hier, aber beide haben lange vorher mit Praktika und Sprachkursen die Weichen für den Weg nach Deutschland gestellt.

"Ganzes Leben in zwei Koffer gepackt"

Die Tragweite des Schritts ordnet Johanna Chrapek, Integrationsbeauftragte der Helios-Klinik Cuxhaven, ein: "Sie lassen alles hinter sich, packen ihr Leben in zwei Koffer und fahren in eine Welt, in der alles komplett anders ist." Ein solches Ankommen sollte so gut wie möglich begleitet werden: Bewusst sei daher die Entscheidung getroffen worden, sich auf zwei Nationalitäten zu beschränken, um schneller ein Gefühl von Vertrautheit zu erzeugen.

Die Helios-Klinik in Cuxhaven ist der neue Arbeitsplatz für 15 afrikanische Kräfte. Foto: Kramp

Erfahrungen ganz unterschiedlich

Während Johanna Chrapek Einreiseformalitäten klärte und Arbeitserlaubnisse einholte, organisierte Bildungszentrum-Leiter Teris Machado Chatzieleftheriou den zusätzlichen Ausbildungsjahrgang und die damit verbundene didaktische Herausforderung. Die Neuankömmlinge bringen unterschiedliche Erfahrungen mit: Abitur, Ausbildung, Studium.

Zurzeit befinden sie sich noch im ersten sechswöchigen Theorieblock. Sobald die praktische Ausbildung beginnt, sollen sie an "Ankerstationen" gebunden werden, in denen sie den ersten und letzten Teil ihrer Pflegeausbildung verbringen sollen und auch zwischendurch Ansprechpartner finden. Jörg Schulte setzt auf seine Belegschaft, in der interkulturelles Miteinander täglich gelebt werde: "Diese Branche steht für eine hohe Willkommenskultur." 

Zweier-WGs sollen Geborgenheit vermitteln

Zu Hause sind die Auszubildenden in Zweier-WGs; ein Stück Geborgenheit gleich nach der Ankunft. Johanna Chrapek hilft bei Behördengängen und Bürokratie, zeigt den Neuen die Stadt, holt alle zum regelmäßigen Austausch zusammen und hat ihre Gefühlslage im Blick: Als Ariane bei der Schilderung ihrer Motivation die Tränen kommen, steht sie sofort auf, geht herüber, legt den Arm um sie und tröstet.

Schlüsselerlebnis war für Ariane eine schwere Erkrankung ihrer Mutter, bei der eine Krankenschwester der Familie auf unglaubliche Weise zur Seite gestanden habe. "Es ist weit mehr als ein Beruf", sagt sie. Vielmehr bedeute es auch, Menschen in ihren kritischsten Momenten zu begleiten. "Ich bin überzeugt, dass Helios mir dafür die Werkzeuge in die Hand geben wird", sagt sie.

Ein Weg, der später viele Türen öffnen kann

Auch Oceane hat ihre Entscheidung bewusst getroffen: Überzeugt habe sie neben dem hohen Praxisanteil in Deutschland (in Kamerun wird Pflege fast ausschließlich theoretisch gelehrt) der international angesehene Standard der Ausbildung, der weltweite Einsätze ermögliche. Außerdem schaut sie schon auf Weiterbildungsperspektiven, denn nach der Ausbildung möchte sie eine Qualifikation zur Pflegemanagerin oder Anästhesieschwester dranhängen.

Cuxhaven bietet das Umfeld, um Horizont zu erweitern

Der Neuanfang ist für sie auch ein Weg zur Unabhängigkeit: Ganz bewusst hat sie sich für Cuxhaven entschieden und nicht etwa für Salzgitter, wo ihre Mutter, ebenfalls Pflegefachkraft, und ihr kleiner Bruder bereits längerer Zeit leben. Sie freut sich auf das Leben hier am Meer: "Hier möchte ich meinen Horizont erweitern."

Fachkräfte selbst ausbilden

Die neue Ausbildungsgruppe ergänzt die beiden Klassen, die zuletzt am 1. August 2025 am Bildungszentrum mit 44 Schülerinnen und Schülern ihre Pflegeausbildung im Helios-Bildungszentrum begonnen haben. Helios bildet dort hauptsächlich eigene Fachkräfte für die Häuser in Cuxhaven und Nordenham sowie Kooperationspartner (ambulante Pflegedienste und Pflegeheime aus der Region) aus. Die generalisierte Pflegeausbildung hat die Ausbildung aller Pflegeberufe zusammengeführt. 

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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