Bagger und Baufahrzeuge auf dem Gelände von Siemens Gamesa in Cuxhaven: Der Spatenstich für die neue Logistikhalle symbolisiert trotz wirtschaftlicher Herausforderungen Optimismus für die Zukunft der Offshore-Windenergie. Foto: Larschow
Bagger und Baufahrzeuge auf dem Gelände von Siemens Gamesa in Cuxhaven: Der Spatenstich für die neue Logistikhalle symbolisiert trotz wirtschaftlicher Herausforderungen Optimismus für die Zukunft der Offshore-Windenergie. Foto: Larschow
Ungewissheit in der Branche

Spatenstich trotz Stellenabbaus: Siemens investiert weiter in den Standort Cuxhaven

von Tim Larschow | 04.08.2026

Trotz schwächerer Auftragslage investiert Siemens Gamesa in Cuxhaven. Mit dem Spatenstich beginnt der Bau einer Logistikhalle. Gleichzeitig sorgt das Auslaufen von Hunderten Leiharbeitsverträgen für Spekulationen im Internet. Das steckt dahinter.

"Es ist ein Projekt mit einer kurzen Zeitschiene, aber großer Bedeutung für uns", sagte Siemens-Gamesa-Werkschef Christian Ettl am Dienstag (4. August 2026) beim Spatenstich für die neue Logistikhalle auf dem Cuxhavener Werksgelände.

"Das Projekt ist in der Realisierung durchaus anspruchsvoll. Auch die Rahmenbedingungen, unter denen wir arbeiten müssen, sind nicht immer einfach. Unter anderem stehen wir als Unternehmen unter wirtschaftlichem Druck, aber auch das Umfeld bringt Herausforderungen mit sich. Ich bin daher sehr dankbar, dass wir hier in Cuxhaven so unterstützt werden", so Christian Ettl.

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen: Spatenstich für die neue Logistikhalle auf dem Siemens-Werksgelände. Foto: Larschow

Das vor fünf Jahren errichtete Logistikzelt wurde inzwischen abgebaut. An seiner Stelle rollen nun die Bagger für eine dauerhafte Lösung. Die Bremer Nord GmbH realisiert das neue "Warehouse" - eine Logistikhalle mit einem sogenannten Mezzanin. Dabei handelt es sich um eine Lager- beziehungsweise Industriehalle, die über eine zusätzliche eingebaute Zwischenebene (ein Zwischengeschoss) verfügt.

Leiharbeiter werden nicht weiter beschäftigt

Die Geschossfläche beträgt 17.500 Quadratmeter. Die Bauzeit ist von Mai 2026 bis April 2027 angesetzt. Für die Halle wird eine Sondergründung durchgeführt. Dafür werden 1700 Betonsäulen zur Bodenverbesserung eingebracht. Es entsteht eine hochbelastbare Sohle für Gabelstapler mit einem Gesamtgewicht von bis zu 135 Tonnen.

"Bevor es für uns an den schlüsselfertigen Ausbau geht, montieren wir über 800 industriell vorgefertigte Stahlbetonfertigteile. Eine Besonderheit sind die 54 Meter langen Binder aus Spannbeton, die große Teile des Gebäudes stützenfrei überspannen und später die Dachkonstruktion tragen", erklärt Hubertus Schwanebeck, Geschäftsführer der Bremer Nord GmbH.

Doch Oberbürgermeister Uwe Santjer sprach trotz der Euphorie beim Spatenstich noch ein anderes Thema an, über das aktuell viel in den sozialen Medien diskutiert wird. Die Rede ist davon, dass rund 300 Leiharbeiter (genaue Zahl ist der CN/NEZ-Redaktion trotz Nachfrage nicht bekannt) keine Vertragsverlängerung erhalten haben. Viele Cuxhavener fragten sich, wie der Bau der neuen Lagerhalle und die Ertüchtigung der Schwerlastlagerfläche mit den auslaufenden Verträgen der Leiharbeiter zusammenpassen.

Zu dem Thema hat sich Siemens bisher nicht geäußert. Nach CN/NEZ-Informationen hat sich die Auftragslage nicht so entwickelt wie ursprünglich prognostiziert. Für 2028 sei schon länger eine "Delle" absehbar gewesen - diese ziehe sich nun jedoch in die Länge. Das habe jedoch eher mit dem Gesamtmarkt zu tun als mit Siemens selbst.

Siemens-Gamesa-Werkschef Christian Ettl. Foto: Larschow

Ungewissheit in der gesamten Branche

Dem Ausbau der deutschen Offshore-Windenergie an der Nord- und Ostsee droht unter anderem dadurch ein Rückschritt, dass der französische Energiekonzern "Total Energies" offenbar aus mehreren milliardenschweren Großprojekten aussteigen und bereits reservierte Flächen zurückgeben will. Dadurch gehen attraktive Ausschreibungsverfahren verloren. Zudem ist nicht eindeutig, welchen Kurs die Bundesregierung im Bereich der Onshore- und Offshore-Windenergie einschlagen wird. Auch ist unklar, ob der Markt in den USA wieder zurückkehrt.

Die zurückliegenden Jahre waren jedoch Rekordjahre. Da aktuell aber weniger Mitarbeitende benötigt werden, wurden die Verträge der Leiharbeiter nicht verlängert. Dennoch beschäftigt Siemens weiterhin 1150 Festangestellte, die das Unternehmen halten will.

Die Entwicklungen in Cuxhaven zeugen davon, dass der Konzern optimistisch in die Zukunft blickt und darauf vorbereitet sein will, wenn die Auftragsbücher wieder prall gefüllt sind. Zudem ist immer wieder von einer neuen Turbinen-Generation zu lesen. Siemens Energy beziehungsweise Siemens Gamesa entwickelt leistungsfähigere Turbinen für die Energiewende. Sie sollen die bisher in Cuxhaven gefertigte 14-Megawatt-Klasse deutlich übertreffen. An welchem Standort diese künftig gebaut werden sollen, ist noch nicht endgültig entschieden. Als aussichtsreichster Standort gilt derzeit Cuxhaven. Doch auch Dänemark ist weiterhin im Rennen.

Santjer betont: "Wir sollten aber keine Panik haben. Es sind immer noch 1150 Mitarbeiter, die hier dauerhaft arbeiten. Der heutige Spatenstich setzt das gegenteilige Signal. Er steht nicht für Abbau, sondern dafür, dass wir an den Standort glauben. Wir gehen davon aus, dass der Offshore-Bereich ab 2030 wieder deutlich an Fahrt aufnehmen wird."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Tim Larschow
Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Regional langfristiges Wachstum

⁠Unternehmen zieht nach: Weitere Investitionen in den Marinefliegerstandort Nordholz

Der strategische Wert des Flugplatzes an der Nordsee steigt weiter. Nachdem bereits 400 Millionen Euro für den militärischen Teil bestätigt sind, zieht ein Unternehmen nach und bestätigt sein weiteres Engagement im benachbarten Industriegebiet.

Nach gut einem Jahr wieder weg

Für Helgoland-Verkehr ab Nordholz geholt: OFD trennt sich von neu erworbenen Tecnams

von Redaktion

Unerwartete Wendung bei der OFD: Die Fluggesellschaft verkauft ihre neuen Flugzeuge, da die technischen Anforderungen für den Helgoland-Verkehr den wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machen.

Volksbank-Immobilientochter Brawo

Die Volksbank-Turbulenzen und die Auswirkungen auf Cuxhavens Alten Fischereihafen

von Kai Koppe

Die Krise bei der Volksbank Brawo wirft Fragen bis nach Cuxhaven auf. Schließlich ist deren Immobilientochter am Umbau des Alten Fischereihafens beteiligt. Welche Folgen die Entwicklungen für das Millionenprojekt haben könnten.

Liegeplätze 5 bis 7

Cuxhavens große Baustelle im Hafen: Was Bürger über die Riesen-"Sandkiste" erfahren

von Kai Koppe

Cuxhaven erlebt einen Wandel: Wo einst Wasser war, erhebt sich nun eine riesige Sandfläche. Der Bau der Liegeplätze 5 bis 7 im Hafen nimmt Gestalt an und verspricht neue Möglichkeiten für die Stadt und ihre Bewohner. Dazu gab es nun Infos.