"Fisch-Gipfel" in Cuxhaven: Für die deutsche Fischerei wird der Spielraum immer enger
Fangquoten, neue Vorschriften und zunehmende Bürokratie machen es Unternehmen zunehmend schwer im Wettbewerb mit Fischereierzeugnissen aus Drittstaaten mitzuhalten. Was das für den Fischereistandort Cuxhaven bedeutet, war Thema beim "Fisch-Gipfel".
Die Cuxhavener CDU hatte Vertreter der Fischwirtschaft eingeladen, darunter die Deutsche Fischfang-Union (DFFU), Kutterfisch, Appel und die Fischwirtschaftliche Vereinigung mit ihrem Vorsitzenden Michael Ditzer. Mit am Tisch saßen unter anderem der Europaabgeordnete David McAllister und Christoph Frauenpreiß (CDU), Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes.
Eine Perspektive für die Branche bis 2040
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie viel Regulierung die deutsche Fischerei noch verkraften kann und ob die politischen Rahmenbedingungen Unternehmen gegenüber Wettbewerbern aus anderen Ländern ins Hintertreffen geraten lassen. Gerade für Cuxhaven ist das eine zentrale Frage: Die Stadt zählt zu den verbliebenen bedeutenden deutschen Fischereistandorten, an dem nicht nur gefangen, sondern auch verarbeitet und vermarktet wird.

McAllister gab einen Einblick in die aktuelle Fischereipolitik der Europäischen Union. Seit Dezember 2024 ist Costas Kadis aus Zypern EU-Kommissar für Fischerei und Ozeane. Zu seinen Aufgaben gehören die Weiterentwicklung der gemeinsamen Fischereipolitik, eine Perspektive für die Branche bis 2040 und eine Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Markt.
"Die Gemeinsame Fischereipolitik hat dazu beigetragen, den Fischereidruck auf zahlreiche Bestände zu verringern. Gleichzeitig bestehen bei einzelnen Beständen weiterhin erhebliche Probleme. Hinzu kommen wirtschaftlicher Druck auf die Flotte, steigende Kosten und praktische Schwierigkeiten bei der Anwendung einzelner Vorgaben", so McAllister.
Deshalb sei für ihn entscheidend: "Ökologische Nachhaltigkeit bleibt die Grundlage unserer Fischereipolitik. Wirtschaftliche Tragfähigkeit, Ernährungssicherheit und die Zukunft unserer Küstenregionen müssen aber genauso berücksichtigt werden."
Die europäischen Fischer erfüllen hohe Anforderungen an Fangmethoden, Kontrolle, Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit. "Deshalb müssen wir bei Importen ebenso konsequent darauf achten, dass die geltenden Anforderungen auch von Fischern in Drittstaaten eingehalten werden", so McAllister.
Seit Januar dieses Jahres gilt dafür das digitale CATCH-System. Fangbescheinigungen für Fischereierzeugnisse aus Drittstaaten werden elektronisch erfasst und überprüft. Damit könne die Herkunft besser nachvollzogen und verhindert werden, dass Erzeugnisse aus illegaler Fischerei auf den Binnenmarkt gelangen.

Samuel Rodriguez Ortega, Geschäftsführer der DFFU, sprach die Themen aus der Praxis an. In diesem Sommer habe es eine ganze Reihe neuer Richtlinien gegeben. Regulationen seien wichtig, um die Bestände und die Natur zu schützen. Doch "CATCH" - so gut es gemeint ist - mache Probleme: Das System solle den Fischfang digitalisieren und Bürokratie abbauen - passiert sei nach seiner Einschätzung das Gegenteil.
Ein Nachsteuern in Brüssel ist notwendig
McAllister will die Erfahrungen mit dem neuen System aufnehmen und weitergeben. "Deshalb sitzen wir hier zusammen, um aus der Praxis zu erfahren, wo es hakt, damit wir genau da nachsteuern können", so McAllister.
Diese Bestände seien in gutem Zustand, dennoch erfahre die deutsche Fischerei Misstrauen. Neu seien eine Kontrollverordnung und eine Wiegeverordnung. Weitere Verordnungen seien auf dem Weg. Die Maschinenleistung werde überwacht und der Fang mit Kameras an Bord kontrolliert.
DFFU und Kutterfisch haben die modernsten Schiffe in Europa und über 100 Millionen Euro investiert. Regelmäßig fahren auch Wissenschaftler vom Thünen-Institut mit. Sie seien der Zeit voraus und würden gegenüber anderen Playern am Markt benachteiligt. Das dürfe nicht sein.
"Für die Betriebe ist diese Debatte sehr wichtig. Fischereifahrzeuge haben lange Investitionszyklen. Wer heute über ein neues Schiff, eine Modernisierung oder eine neue Antriebstechnik entscheidet, muss wissen, unter welchen Bedingungen er auch in zehn oder zwanzig Jahren noch wirtschaften kann", erklärte McAllister. Die zunehmende Digitalisierung dürfe zudem nicht dazu führen, "dass unsere eigenen Betriebe immer mehr Zeit mit Dokumentations- und Meldepflichten verbringen".

Island entscheidet sich gegen die EU
Die Cuxhavener Hochseefischerei ist auf Fanggebiete weit über die deutsche Küste hinaus angewiesen. Viele davon liegen im Nordatlantik. Deshalb können die Bestände nicht allein auf europäischer Ebene geregelt und bewirtschaftet werden. Ein wichtiger Rahmen für die Zusammenarbeit ist die Fischereikommission für den Nordostatlantik, die NEAFC.
Wie schwierig die Absprachen sein können, zeigt das Beispiel Makrele. Der Bestand im Nordostatlantik befindet sich in einem kritischen Zustand. Der Internationale Rat für Meeresforschung hat für 2026 eine Fangmenge von 174.000 Tonnen empfohlen. Norwegen, das Vereinigte Königreich, Island und die Färöer vereinbarten Ende 2025 jedoch eine Menge von 299.000 Tonnen - 72 Prozent mehr als wissenschaftlich empfohlen. Die EU kritisierte das deutlich.
Gerade die Beziehungen zu Island spielen für die Fischereipolitik eine Rolle. Am 29. August 2026 stimmten die Isländer über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen ab. Die Menschen in Island entschieden sich dagegen. Das Ergebnis des Referendums fiel mit 52,8 zu 47,2 Prozent der Stimmen allerdings knapp aus.
Cuxhaven und Island sind durch Städtepartnerschaft und Fischerei eng verbunden. Direkte Auswirkungen auf Cuxhaven hat das Ergebnis noch nicht. Die künftigen Verhandlungen dürften dadurch jedoch nicht einfacher werden. McAllister deutete bereits an, dass die Fischereipolitik bei einer Wiederaufnahme der Beitrittsverhandlungen zu den anspruchsvollsten Kapiteln gehört hätte.
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