Warum Albert Ballin für Cuxhaven so wichtig war: Schüler auf Spurensuche in Hamburg
Schülerinnen und Schüler zweier Gymnasien aus Cuxhaven besuchten eine Synagoge, BallinStadt und Hapag-Lloyd in Hamburg. Die Exkursion machte jüdisches Leben, Auswanderung und die Bedeutung Albert Ballins für Cuxhaven unmittelbar erlebbar.
Geschichte wird greifbar, wenn sie dort erlebt wird, wo sie geschrieben wurde. Genau das stand im Mittelpunkt einer gemeinsamen Exkursion des Amandus-Abendroth-Gymnasiums Cuxhaven und des Lichtenberg-Gymnasiums. Schülerinnen und Schüler aus Geschichts- und Religionskursen des 12. Jahrgangs begaben sich auf die Spuren des jüdischen Unternehmers Albert Ballin und setzten sich zugleich mit jüdischem Leben in Hamburg heute auseinander.
Im Rahmen des Semesterthemas "Jüdisches Leben in Deutschland im langen 19. Jahrhundert" führte die Tagesfahrt Ende Juni zu mehreren außerschulischen Lernorten. Auf dem Programm standen die Hamburger Synagoge, das Auswanderermuseum BallinStadt sowie Hapag-Lloyd. Ziel war es, historische Entwicklungen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu verbinden.
Unternehmer mit großer Bedeutung für Cuxhaven
Albert Ballin gilt als einer der bedeutendsten Unternehmer der deutschen Schifffahrtsgeschichte. Als Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) machte er das Unternehmen zur größten Reederei der Welt. Millionen Auswanderer reisten mit Hapag-Schiffen von Europa nach Amerika.

Auch für Cuxhaven spielte Ballin eine entscheidende Rolle. Unter seiner Führung entwickelte sich der Hafen zu einem der wichtigsten Auswandererhäfen Deutschlands. Von hier aus gingen zahlreiche Hapag-Schiffe auf ihre Reise über den Atlantik. Der Ausbau der Hafenanlagen und die enge Verbindung zur Schifffahrt prägten die Entwicklung der Stadt nachhaltig und machten Cuxhaven zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt.
Geschichte wird vor Ort lebendig
"Besonders gefreut hat mich, wie eng sich Unterricht und außerschulisches Lernen miteinander verzahnen ließen. Für unsere Schülerinnen und Schüler wurde erlebbar, dass die im Unterricht behandelten Inhalte keine abstrakte Vergangenheit sind, sondern bis heute eine große gesellschaftliche Relevanz besitzen", sagt Lehrer Marten Grimke, dem die Initiative und Organisation der Exkursion besonders am Herzen lag.
Die Begegnungen in der Synagoge, im Auswanderermuseum und bei Hapag-Lloyd hätten Geschichte, Religion, Wirtschaft und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise miteinander verbunden. Grimke dankte der Jüdischen Gemeinde Hamburg, dem Auswanderermuseum BallinStadt und Hapag-Lloyd für die Einblicke.
Zugleich hob er die Zusammenarbeit zwischen dem Amandus-Abendroth-Gymnasium und dem Lichtenberg-Gymnasium hervor. Gemeinsam mit den Lehrerinnen Karin Behringer und Johanna Lange sei eine Exkursion entstanden, die verschiedene Perspektiven zusammenführe und nachhaltige Lernerfahrungen ermögliche.

Schülerinnen und Schüler ziehen Bilanz
In BallinStadt sind der 18-jährigen Geeske Schulz (LiG) besonders die kleinen übereinander gestapelten Betten in den Unterkünften der Auswanderer in Erinnerung geblieben. "Dadurch wurde mir erst richtig bewusst, unter welchen engen Bedingungen die Menschen lebten", erklärt sie. Ein Fakt überraschte Fritjof Badorrek (AAG): "Mich überraschte, dass alleine zwischen 1830 und 1840 schätzungsweise 7000 bis 8000 Menschen aufgrund von Unfällen, Krankheiten oder mangelnder Nahrung ihr Reiseziel nicht erreicht haben", sagt er. In dem Museum gab es zudem eine interaktive Station, bei der man Entscheidungen für eine auswandernde Person treffen musste. Geeseke fand dabei spannend, wie stark diese Entscheidungen das Leben der Person verändern konnten.
Besonders der Besuch der Synagoge blieb bei den Schülerinnen und Schülern hängen, da es für sie eine neue Erfahrung war. Zudem konnten sie dort ihr Wissen über das jüdische Leben vertiefen. "Vor Ort wurde mir die Heterogenität dieser Religion nochmals stärker bewusst. Es hat mir gezeigt, wie komplex das Judentum sein kann und wie individuell es ausgelegt werden kann", schildert Maja Werner (LiG). Doch auch ein anderer Aspekt rückte in den Fokus: "Jüdisches Leben in Deutschland ist nur noch sehr schwach. Das ist ein sehr trauriger Umstand", findet Louis Dammrose vom AAG.

Nach der Rückkehr hielten die Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke in Berichten und Tagebucheinträgen fest. "Mich freut es ausdrücklich zu sehen, mit welchem Engagement die Lernenden ihre Eindrücke reflektiert haben. Das zeigt, dass solche außerschulischen Lernorte einen wichtigen Beitrag zu historischer Bildung, Demokratiebildung und gesellschaftlichem Verständnis leisten", sagt Grimke. Die Exkursion habe deutlich gemacht, wie eng die Geschichte jüdischen Lebens, der Schifffahrt und der Region Cuxhaven miteinander verbunden sind.
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