Standort-Aus für Geti Wilba in Bremervörde - Produktion künftig nur noch in Cuxhaven
Die Geti Wilba GmbH steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt: Der Geflügelspezialist will seinen Standort in Bremervörde schließen und Produktion sowie Schlachtung vollständig nach Cuxhaven verlagern.
Die Geti Wilba GmbH wird ihre Werkstore in Bremervörde schließen. Die Geschäftsführung des Geflügelspezialisten will künftig nur noch am Standort Cuxhaven schlachten und produzieren lassen, um so das Unternehmen und einen Teil der Jobs zu retten.
Der aktuelle Geti-Geschäftsführer Michael Hermanns und der Generalhandlungsbevollmächtigte Erwin Werner, Letzterer seit 2. Januar im Unternehmen und hauptverantwortlich für die Ausarbeitung eines tragfähigen Sanierungskonzeptes, machten die Pläne am Donnerstag im Rahmen eines Pressegespräches öffentlich. Er selbst sei von Haus aus Wirtschaftsprüfer und begleite in diesem Rahmen seit 30 Jahren Firmen in schwierigen Situationen, so Hermanns, der auf Wunsch des Gesellschafters in die Geschäftsführung eingestiegen ist.
Belegschaft weiß seit Mittwoch Bescheid
Am Mittwoch war die Geti-Belegschaft auf einer Betriebsversammlung über die aktuelle Lage und die künftigen Pläne informiert worden. Und die Lage ist ernst. Weder der Bremervörder noch der Cuxhavener Standort sind aktuell in der Schlachtung ausgelastet. Ineffizienzen und Kosten entstehen durch notwendige Transportwege zwischen den beiden Standorten und Doppelbesetzungen. Seit der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft CMP Capital Management-Partner aus Berlin im Jahr 2020 hat das Unternehmen jährlich Verluste im niedrigen Millionenbereich verzeichnen müssen. Man habe nie eine Position erreicht, Geld zu verdienen, erläutert Hermanns gegenüber der BZ-Redaktion. Eigentlich seien die Investitionen der CMP dazu gedacht gewesen, den technisch in die Jahre gekommenen Bremervörder Produktionsstandort zukunftsfähig zu machen. In den vergangenen Jahren habe es jedoch immer wieder extern verursachte Einschläge gegeben, betont Hermanns und nennt die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine und die zwischenzeitlich extrem gestiegenen Gaspreise sowie zuletzt die Vogelgrippe-Pandemie. Mit den Geldern mussten Verluste gedeckt werden.
Auch Management hat Fehler begangen
Doch neben externen Faktoren haben auch Managementfehler zu der Misere beigetragen, räumt Hermanns ein. Erwin Werner spricht in diesem Zusammenhang von einem "Investitionsstau". "Man hätte - mit dem heutigen Wissen - das Unternehmen bereits vor vier oder fünf Jahren deutlich klarer am Markt positionieren müssen", so Werner. Entsprechende Bemühungen seien jedoch nicht über Ansätze hinausgegangen. Die Folgen seien ein nicht ausgelasteter Schlachtbetrieb und ein zu breites Sortiment gewesen, in dem viele Aufträge nicht kostendeckend bedient werden konnten. Nun bleibt Geti Wilba keine andere Wahl als die Verlagerung an den moderneren Standort in Cuxhaven, um das Unternehmen zu retten. Die einzige Alternative wäre die komplette Schließung beider Standorte und der damit einhergehende Verlust sämtlicher Arbeitsplätze gewesen, verdeutlichte Werner den Ernst der Lage.

Gläubiger bewilligen weitere Investition
Jüngst hat der Gläubigerausschuss den Plänen einstimmig zugestimmt. Ein Großteil der benötigten Infrastruktur wie Baukörper und Kühlung ist laut Geschäftsführung am Cuxhavener Standort bereits vorhanden. Um den Cuxhavener Standort für die künftigen Aufgaben zu ertüchtigen, erklärten sich die Gläubiger sogar dazu bereit, noch einmal eine niedrige Millionensumme aus der Insolvenzmasse zur Verfügung zu stellen. Keine Selbstverständlichkeit, wie Werner und Hermanns betonen. Dementsprechend groß sei allerdings auch der Zeitdruck. Bis April soll der gesamte Umzug abgeschlossen sein, damit spätestens ab Mitte des Monats in Cuxhaven produziert werden kann. Bis dahin laufen die Schlachtung in Cuxhaven sowie die Kochung in Bremervörde parallel weiter. Klar ist jedoch: Die Kochung wird in Cuxhaven nicht im selben Umfang stattfinden wie bislang in der Ostestadt. Gespräche mit den Kunden laufen zurzeit, so Werner.
Es wird betriebsbedingte Kündigungen geben
Eine zentrale Frage ist die, nach der Zukunft der 380 Beschäftigten. Aktuell sind in Cuxhaven rund 100 Personen sowie 280 Personen in Bremervörde tätig. "Wir wissen noch nicht, wie viele Arbeitsplätze wir retten können", sagt Michael Hermanns offen. Wir werden nicht um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen", betont Erwin Werner. In der kommenden Woche sollen Gespräche mit dem Betriebsrat stattfinden. "Die Geschäftsführung ist sich der persönlichen Tragweite bewusst und wird den Prozess offen, respektvoll und unter Berücksichtigung sozialverträglicher Lösungen gestalten", verspricht die Geschäftsführung in einem vorbereiteten Pressestatement. Ein Teil der Bremervörder Belegschaft soll künftig am Cuxhavener Standort tätig sein. "Um vorhandene Expertise im Unternehmen zu halten und die operative Kontinuität zu sichern", heißt es weiter. In Bremervörde soll lediglich eine verschlankte Verwaltung im angemieteten Gebäude Hansestraße 2 verbleiben. Unberührt von den Veränderungen bleibt übrigens der Bremervörder Standort des Fertiggerichteherstellers Uniqfood in der Industriestraße. Das Fertiggerichtewerk wurde bis vor wenigen Jahren ebenfalls unter dem Geti-Label geführt.
Werner: "Der Markt braucht Geti Wilba."
Daran, dass Geti Wilba mit einer neuen Struktur eine Zukunft hat, glaubt die Geschäftsführung fest. Werner ist sich sicher: "Der Markt braucht Geti Wilba." Als eines von deutschlandweit lediglich zwei Unternehmen sei Geti auf die Schlachtung und Weiterverarbeitung von Legehennen spezialisiert und damit Teil einer weitreichenden Wertschöpfungskette für den norddeutschen Raum. "Wir konzentrieren uns künftig auf das, was wir gut können", verspricht Werner. Das bedeutet: Legehennen aus der Eier produzierenden Industrie werden bei Geti Wilba geschlachtet, zerlegt, gekocht und für die Lebensmittelindustrie weiterverarbeitet. Zu den klassischen Kunden gehören etwa Feinkostsalathersteller, Fertiggerichthersteller oder Großhändler für Kantinen.
Hannebacher: Schlechte Nachricht für Bremervörde
Vorab über die Schließung des Bremervörder Werkes in Kenntnis gesetzt wurde ebenfalls der Bremervörder Bürgermeister Michael Hannebacher. "Für den Standort Bremervörde ist es eine schlechte Nachricht - insbesondere natürlich für die Beschäftigten", sagt der Verwaltungschef auf Anfrage der Redaktion. Zwar handele es sich bei der Geti Wilba GmbH schon länger nicht mehr um ein Familienunternehmen, der Name Geti sei natürlich eng mit dem Standort Bremervörde verbunden, führt der Bürgermeister aus. Die Stadtverwaltung wolle nach Möglichkeit zeitnah das Gespräch mit dem Investor (CMP) suchen, um über mögliche Nachnutzungsmöglichkeiten für das Werksgelände und die Gebäude zu reden, in denen die Geti Wilba GmbH zuletzt lediglich als Pächter beheimatet war.
"Geti Wilba" mit Hauptsitz in Bremervörde entstand 1984 durch die Fusion der Geti-Feinkost Georg Timmermann GmbH (gegründet 1952 in Heeslingen) und der Wild Bargmann GmbH (gegründet 1961 in Bremervörde) von Heinz-Wilhelm Bargmann.
Von Theo Bick