Aus Expertensicht bergen Cuxhavener Dächer viel Potenzial: für die Strom-, aber auch die Wärmeversorgung. Foto: Reese-Winne
Aus Expertensicht bergen Cuxhavener Dächer viel Potenzial: für die Strom-, aber auch die Wärmeversorgung. Foto: Reese-Winne
Wärmepotenziale vor Ort

Wärmeversorgung im Fokus: Theoretisch wird in Cuxhaven niemand frieren müssen

von Kai Koppe | 11.03.2024

Angst davor, den Wärmebedarf nicht decken zu können, braucht man in dieser Stadt nicht zu haben: Bei einer Bürgerveranstaltung äußerten sich die mit der Erstellung eines kommunalen Wärmeplans betrauten Projektierer zu lokalen Wärmepotenzialen.

Es war ein Zwischenbericht, der in der Bürgerhalle im Rathaus vorgetragen wurde und sich zunächst um schon heute gegebene Möglichkeiten zur Wärmeversorgung (aber auch um mögliche Defizite) drehte. Als "Sorgenkind" könnte man demnach allein den recht großen Anteil an Bestandsgebäuden aus den Jahren 1949 bis 1978 bezeichnen. Sofern diese Immobilien nicht zwischenzeitlich energetisch saniert wurden, verbraucht  jedes Objekt rund 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das ist eine Menge und lässt den Gesamtbedarf an Wärme in dieser Stadt in die Höhe schnellen.

Geothermie und Solar sind ein Riesenthema

Geht es um die lokal vorhandenen Potenziale, erwähnen die mit der Analyse beauftragten Fachleute zuallererst die im Stadtgebiet vorhanden Dachflächen. In diesem Bereich gebe es "noch viel Luft nach oben", betonte Joachim Schmidiger, Produktmanager bei Enersis, der sich dabei nicht nur auf den Bereich Photovoltaik, sondern auch auf die Möglichkeiten der Solarthermie bezog: 377 Gigawattstunden pro Jahr könnten vor Ort allein durch die Heizkraft der Sonne generiert werden. Ergänzend ließe sich die bei Produktionsprozessen anfallende Abwärme nutzen: Rund 70 Cuxhavener Unternehmen bezeichnen die Planer in diesem Kontext als durchaus geeignet.

Ein veritables Wärmereservoir bildet ferner die vor der Haustür liegende Nordsee. Gerne vernachlässigt (so nahm Schmidiger das Thema "Wasser als Wärmespeicher" auf)  werde im Übrigen das Potenzial, das unsere Haushaltsabwässer bergen: Mit einer Temperatur zwischen 12 und 20 Grad Celsius eignet sich das Grauwasser aus Küche oder Bad nämlich durchaus als Wärmelieferant.

Ergiebiger fallen Versorgungschancen aus, die sich vor Ort durch Geothermie ergeben. Auszunehmen, so hieß es,  wären lediglich Bereiche zwischen Sahlenburg und Spieka sowie Altenbruch und Westerwanna: Bedingt durch im Boden schlummernden Salzstöcke soll die oben erwähnte Technologie dort nicht anwendbar sein. Das restliche Stadtgebiet wurde in Sachen Geothermie aber als "sehr interessant" beschrieben; Experten prophezeien in diesem Zusammenhang ein Potenzial von jährlich 500 Gigawattstunden. "Das ist sehr beruhigend für Leute, die an Stellen wohnen, wo es vielleicht keine Wärmenetzanbindung geben wird", merkte der Referent an.

Strauß von Möglichkeiten, die genutzt werden wollen

Zu den Individuallösung jenseits von Fernwärme könnte auch die Brennstoffzellenheizung gehören. Eine Wärmepumpe sei jedoch allein aus Effizienzgründen einer Gebäudebeheizung via den Energieträger Wasserstoff vorzuziehen, erläuterte der Enersis-Repräsentant, aus dessen Sicht sich unter dem Strich ein Strauß von Möglichkeiten ergibt. 

Ähnlich äußerte sich während des Info-Abends Cuxhavens Stadtbaurat Andreas Eickmann. Schwachpunkte wie die als Wärmeschleudern einzustufenden Gebäude aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts werden durch quantifizierte Wärmequellen aufgewogen, die nach seinen Worten vor Ort in hinreichender Form vorhanden sind, um positiv in die Zukunft blicken zu können. Zumal es nach wie vor noch Randtechnologien gebe, deren Nutzung noch gar nicht eingehender diskutiert wurde. "Es sind also Lösungen da", fasste der Dezernent zusammen. Wie sich die Stadt in Versorgungsfragen in den künftigen 20 bis 30 Jahren aufstellt, ist aus seiner Sicht allerdings nicht mit einem Satz zu beantworten. "Das wird ein Prozess bleiben."

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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