Tornado und Starkregen über Nordholz: Aeronauticum muss Archivalien trockenlegen
Im Sekundentakt zuckende Blitze, Starkregen, Windhose: Das Wetterereignis in der Nacht zum Sonntag im Cuxland hat in Nordholz Spuren hinterlassen. Im Aeronauticum stand das Archiv im Wasser, bei der Sportfluggruppe wurden Flugzeuge verschoben.
Das Unwetter traf Cuxhaven und seine Umgebung schwer. Ein veritabler Tornado soll es gewesen sein, der gegen Mitternacht über das Gelände des Marinefliegerkommandos und dessen Nachbarschaft hinweggezogen ist. Die Schäden sind erheblich.
Schäden vom Dach bis zum Keller
Im Aeronauticum, dem Deutschen Luftschiff- und Marinefliegermuseum, hinterließ der Sturm einige Schäden im Dach zweier Gebäude. Doch das ist nicht die größte Sorge des Geschäftsführers Hans-Peter Weber: Aufgrund des Starkregens, der nicht mehr durch die Abflussrohre und Dachrinnen habe aufgenommen werden können, sei Wasser in die Archivräume im Keller geflossen und hätten sich dort in unterschiedlichen Höhen angesammelt, berichtet er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Bis zu 50 Zentimeter tief hätten die Archivalien im Wasser gestanden.

Seither seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums damit beschäftigt, alle Bücher und weiteren Papierakten aus dem Keller zu holen und zum Trocknen aufzustellen. Weber: "Dafür haben wir extra unsere Sonderausstellungshalle gesperrt." Aufgefächert stehen und liegen seither Chroniken, Zeitschriften, Briefe, Fotos und Plakate auf den Tischen.
Spezielles Verfahren erforderlich
Die Schadenshöhe sei noch nicht abzusehen. Für die Trocknung sei ein spezielles Verfahren erforderlich, berichtet der Geschäftsführer. Das Museum ist geöffnet; das Außengelände ist ohne Schäden davongekommen.

Veranstaltung Bike Navy gerettet
Bis zur letzten Minute schufteten die Helferinnen und Helfer bei der Großveranstaltung "Bike Navy" auf dem Gelände der Sportfluggruppe Nordholz/Cuxhaven am Sonntagmorgen, um die Folgen von Sturm und Regen fast unsichtbar zu machen: Der Wind habe kräftig nicht nur an den bereits aufgestellten Pagodenzelten gerüttelt, berichtet Dirk Wurzer aus dem Organisationsteam, gleichzeitig 2. Vorsitzender der Sportfluggruppe. Gegen 23.30 Uhr sei die Wetterfront in Nordholz eingetroffen und habe sämtliche bereits getroffenen Vorbereitungen zunichte gemacht. "So etwas habe ich hier noch nie erlebt", resümiert Dirk Wurzer.
Ein Zeltdach sei eingedrückt worden, ein Zelt gleich weggeflogen. Auch Technik und Absperrungen wurden abgeräumt. Mit geringer Verzögerung habe das Großereignis dann aber starten und planmäßig durchgeführt werden können. "Wir sind froh, dass wir das Gelände rechtzeitig in Gang bekommen haben und dass es zum Glück keine Personenschäden gegeben hat", sagt Dirk Wurzer.
Flugzeuge: Trotz Sicherung mit Gurten in Bewegung geraten
Kräftig habe der Sturm allerdings an einigen Flugzeugen gerüttelt, die unabhängig von der Veranstaltung auf dem Vereinsgelände der Sportfluggruppe geparkt gewesen seien. Trotz der Sicherung mit Gurten sei eines ins Rutschen geraten und habe andere Maschinen touchiert. Umgefallen sei jedoch kein Flugzeug, so Wurzer. Die Stoßschäden, die seiner ersten Einschätzung nach weniger schwerwiegend sein dürften, sollten in der kommenden Woche durch einen Gutachter bewertet werden. Eine während des Unwetters ebenfalls anwesende Gastmaschine habe das Gelände wie geplant verlassen können.
Bundeswehr will sich noch äußern
Besonders schwerwiegende Schäden sollen durch das Wetterereignis auf dem Marinefliegerstützpunkt entstanden sein. CNV-Medien liegen offiziell noch unbestätigte Meldungen von schwer beschädigten Hallen und umgestürzten Baustellenabsicherungen vor. Inwieweit auch Fluggerät oder andere Fahrzeuge und Anlagen beschädigt wurden, ist noch unklar. Die Bundeswehr will sich zum Stand der Dinge noch äußern.
Wie groß die Wucht der Böen gewesen sein muss, zeigen auch zwei große Bäume, die an der Wanhödener Straße (nahe dem Beginn der Landebahn) umgeknickt wurden. Nicht zuletzt waren die freiwilligen Ortsfeuerwehren der Wurster Nordseeküste ebenso wie die Kameraden und Kameraden aus dem sonstigen Cuxland nicht umsonst ab Mitternacht bis in den kommenden Vormittag hinein pausenlos im Einsatz.
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