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Beeindrucken ihr Publikum mit ihrer Musik: die jungen Solistinnen und Solisten des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine. Foto: Cordes
Beeindrucken ihr Publikum mit ihrer Musik: die jungen Solistinnen und Solisten des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine. Foto: Cordes
"Concert for Peace"

Ukraine-Jugendsinfonieorchester in Cuxhaven: Warum die jungen Musiker beeindrucken

21.10.2026

Solistinnen und Solisten des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine haben in der Cuxhaven ein tief beeindruckendes Konzert gegeben. Das Publikum erlebte Mozart, Beethoven - und ein eindringliches Zeichen für den Frieden.

Eigentlich sind Konzerte, die unmittelbare Begegnung mit der Musik und ihren Interpreten, immer etwas Besonderes. Dennoch gibt es Konzerte, die mehr sind als das, weil sie noch eine ganz andere Dimension haben. So ein Konzert war das der jungen Solisten des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine in der Kulturkirche Süderwisch. "Concert for Peace" war es betitelt - Konzert für den Frieden.

Und wenn man sie spielen sieht, in jeder Sekunde konzentriert auf die Musik, die so tiefernst und auch so vergnüglich sein kann, fragt man sich, ob da auch die anderen Gedanken mitschwingen. Gedanken an ihre Heimat, ihr Land, wo nun schon im fünften Jahr Krieg herrscht, wo tagtäglich Drohnenangriffe Zerstörungen anrichten und Menschen getötet und verletzt werden. Natürlich sind diese Gedanken immer präsent, aber vielleicht schafft Musik dennoch Momente der Freiheit von Belastendem.

Konzert mit Werken von Mozart und Beethoven

Und auch das Publikum, das die Kulturkirche füllt, hört dieses Konzert anders als sonst ein Konzert mit Werken von Mozart und Beethoven. Zu spüren war genau das mehr als deutlich. Ein Vorgeschmack auf kommende, größere musikalische Ereignisse sei dieses Konzert, sagte der Künstlerische Leiter der "Stadtklang"-Konzertreihe Mathias Christian Kosel bei seiner Begrüßung: der Auftakt zur großen Jubiläumstournee des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine im nächsten Jahr. Und zwar von Cuxhaven aus, wo dann für die Konzertreise geprobt wird, zudem ein Kammerkonzert, ein Kinderkonzert und ein Workshop stattfindet.

Kennzeichen des 2016 von Oksana Lyniv nach dem Vorbild des Bundesjugendorchesters gegründeten "Youth Symphony Orchestra of Ukraine" (YSOU) ist sein hoher Qualitätsstandard. Bejubelt bei internationalen Festivals und mit Musikpreisen gleich mehrfach ausgezeichnet, wird das Orchester seit 2023 von den Berliner Philharmonikern gefördert. Wie hoch die Ansprüche an das Können der Musikerinnen und Musiker des YSOU sind, ließen die acht jungen Solistinnen und Solisten ihr Konzertpublikum nun erahnen - die Geigerin Yelyzaveta Moroz, der Geiger Svyatoslav Tkachuk, die Bratschistin Kateryna Telina, der Cellist Andrii Klymonchuk, der Klarinettist Serhii Udod, die Fagottistin Sofiia Chornei, der Hornist Illia Ivanov und der Kontrabassist Kyrylo Kukhar.

Intensiver Kontakt untereinander während des Musizierens

Was an ihrem Spiel vor allem begeistert, ist der geradezu sichtbare intensive Kontakt untereinander während des Musizierens. Kammermusik verlangt aufeinander hören - das ist das A und O. In Mozarts Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello, im September 1789 für den befreundeten Klarinettisten Anton Stadler geschrieben, ist genau das gleichfalls unerlässlich, um den eigentlichen Reiz der Komposition zur Geltung zu bringen. Das überaus homogen musizierende Streichquartett und die so farbig agierende Klarinette, der Mozart gewissermaßen verhalten Solistisches zugesteht, gerade so viel wie das kammermusikalische Werk verträgt. Und Serhii Udod, der Klarinettist, hält sich daran, fügt seinen wandlungsfähigen, schönen Klarinettenton wie selbstverständlich in den Gesamtklang ein und bringt sich nur ab und an einmal solistisch in Erinnerung.

Nur gut zehn Jahre später komponiert Ludwig van Beethoven sein Septett für Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Es-Dur op. 20. Bei Bläsern wie bei Streichern sind hier solistische Akzentsetzungen durchaus erlaubt, ja sogar gewollt. Das Werk ist Serenade und klassische Sonate zugleich, abwechslungsreich in Farbe und Form, tiefsinnig auch und fantasievoll in seinen Variationen im Andante-Satz. Für die Spieler ein wahres Fest, das sie jeweils mit ihrem Instrument genießen können. Und man merkt es ihnen an - der jungen Fagottistin beispielsweise, die ihren Part wahrhaft sprechend gestaltet; auch der 1. Geige, die sich gelegentlich mit der Viola in ein hintersinniges Gespräch vertieft, in dem auch das Cello Gewichtiges anzumerken hat. Was der ganzen Sache gewissermaßen die Krone aufsetzt, ist bekanntlich das so wunderbare Miteinander von Bläser- und Streicherklang - mal kontrastierend, mal sich mischend. Und alle spielen sie mit einer Intensität, Präzision und Empathie, wie sie unmittelbarer nicht sein könnte. Viel, viel Beifall am Ende von einem sichtlich beeindruckten Publikum.

Von Ilse Cordes

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