Familienstreit in Cuxhaven: Neue Details zu Brandanschlägen und Massenschlägerei
Nach einem Brandanschlag und einer Massenschlägerei in Cuxhaven stehen zwei Beschuldigte im Fokus. Die Hintergründe des Konflikts und die brisanten Details der Tat werfen neue Fragen auf.
Zwei Wochen nach der Massenschlägerei an der Brockeswalder Chaussee bleiben viele Fragen offen. Eines ist inzwischen klar: Die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Brandanschlägen in der Nacht zum 29. September richten sich gegen zwei Beschuldigte. Das teilt die Staatsanwaltschaft Stade auf Anfrage der CN/NEZ-Redaktion mit.
Einer von ihnen, ein 23-Jähriger, sitzt seit dem 8. Oktober in Untersuchungshaft. Er soll im Bereich der Küddowstraße zwei Molotow-Cocktails geworfen haben, einen auf das Fenster eines Wohnhauses, einen auf ein Auto. Beide Brandsätze entzündeten sich nicht, verletzt wurde niemand. Zum zweiten Beschuldigten macht die Behörde keine Angaben.
Heimtücke und gemeingefährliche Mittel
Der Haftbefehl lautet auf versuchten Mord. Staatsanwältin Julia Pirk, Pressesprecherin der Behörde, nennt die Grundlage: Er stütze sich auf die Mordmerkmale Heimtücke und gemeingefährliche Mittel. Heimtückisch handelt nach der Rechtsprechung, wer die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausnutzt. Als gemeingefährlich gelten Mittel, deren Wirkung der Täter nicht sicher beherrschen kann, etwa Feuer.
In Untersuchungshaft sitzt der 23-Jährige wegen der Schwere des Tatvorwurfs und wegen Fluchtgefahr. Von Gesetzes wegen bekommt er einen Pflichtverteidiger. Vorbestraft sind die Beschuldigten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nicht. Wann Anklage erhoben wird, kann Pirk noch nicht sagen. In Haftsachen gelte jedoch ein Beschleunigungsgebot, die Behörde bemühe sich um einen zeitnahen Abschluss. Und sie betont: "Auf die weiterhin unverändert geltende Unschuldsvermutung weise ich explizit hin."
Streit schwelt schon länger
Die Brandanschläge stehen im Zusammenhang mit Streitigkeiten zwischen zwei Cuxhavener Familien. Einen Tag später, am 30. September gegen 16 Uhr, gerieten an der Brockeswalder Chaussee rund 30 Männer aneinander. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, auch auswärtige Diensthundeführer kamen hinzu. Ein Mann wurde leicht verletzt.
Dass es zwischen den Familien nicht zum ersten Mal kracht, bestätigt die Polizei. "Es sind länger andauernde Streitigkeiten unter den beteiligten Familien bekannt", erklärt Polizeihauptkommissar Carsten Bode von der Polizeiinspektion Cuxhaven. Die Ermittlungen sollen nun die Motive aufhellen. Ob die Schlägerei eine Antwort auf die Brandsätze war, lässt die Polizei offen.
Keine Gefahr für Dritte
Den Fall der Schlägerei führt bislang allein die Polizei, bei der Staatsanwaltschaft ist er formell bisher nicht anhängig. Wie viele Beteiligte namentlich bekannt sind, ob Waffen im Spiel waren und ob es weitere Tatverdächtige gibt, dazu äußern sich die Ermittler nicht. Die Ermittlungen seien "bei weitem noch nicht abgeschlossen", so Bode.
Über das eigens eingerichtete Hinweisportal sind Hinweise eingegangen, ihre Auswertung dauert an. Auch vor Ort will sich bislang niemand öffentlich zu den Ereignissen äußern. Eine Sorge nimmt die Polizei Anwohnern und Passanten allerdings: "Es besteht keine konkrete Gefahr für Dritte."
Die Ermittler suchen weiterhin Zeugen. Fotos und Videos lassen sich über das Hinweisportal unter https://nds.hinweisportal.de/koerperverletzung_innenstadt hochladen, auch vollständig anonym. Weitere Hinweise nimmt die Polizei Cuxhaven unter (0 47 21) 57 30 entgegen.
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