Jeremy Allan White (Mitte) verkörpert Bruce Springsteen in „Deliver me from Nowhere" – ein Biopic über die Entstehung des legendären Albums „Nebraska" in einer entscheidenden Lebensphase des „Boss". Foto: ©Disney
Jeremy Allan White (Mitte) verkörpert Bruce Springsteen in „Deliver me from Nowhere" – ein Biopic über die Entstehung des legendären Albums „Nebraska" in einer entscheidenden Lebensphase des „Boss". Foto: ©Disney
Immer mittwochs im Bali-Kino-Center

VHS-Kino Cuxhaven startet mit Springsteen ins neue Jahr

von Jens Potschka | 24.01.2026

Das VHS-Kino Cuxhaven eröffnet das Jahr mit einem einzigartigen Blick auf Bruce Springsteen. Doch das Programm birgt noch weitere filmische Überraschungen, die die Zuschauer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnehmen.

Seit über zwei Jahrzehnten kuratiert Dorothea Kittlitz das Programm des VHS-Kinos Cuxhaven mit untrüglichem Gespür für anspruchsvolle Unterhaltung. Für das erste Halbjahr 2026 hat sie erneut 15 Filmperlen zusammengestellt, die mittwochs um 20 Uhr im Bali-Kino-Center an der Holstenstraße 21 zu sehen sind. Mit durchschnittlich hundert Besuchern pro Vorstellung im vergangenen Halbjahr beweist das kommunale Kino seine feste Verankerung in der Kulturlandschaft der Stadt.

Den Auftakt macht "Springsteen: Deliver me from Nowhere" (28. Januar), ein Biopic über einen entscheidenden Moment in der Karriere von Bruce Springsteen. Jeremy Allan White verkörpert den "Boss" mit 32 Jahren, nach der "The River"-Tour auf dem ersten Höhepunkt seiner Karriere, aber gleichzeitig verloren und kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Er zieht sich zurück und schreibt "Nebraska". Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch und richtet sich nicht nur an Fans.

Schwarzer Humor aus dem Norden

"Als ich aus dem Kino kam, habe ich gedacht, das kannst du keinem vorsetzen", erinnert sich Kittlitz an ihre erste Begegnung mit "Therapie für Wikinger" (4. Februar) beim Filmfest Lübeck. Nach ein paar Tagen kam die Erkenntnis: "Doch gerade." Die dänisch-schwedische Krimikomödie mit Mads Mikkelsen erzählt von zwei Brüdern auf der Suche nach vergrabener Beute. Anker kehrt nach 15 Jahren Gefängnis zurück, doch sein Bruder Manfred, der das Versteck kennt, leidet an einer Identitätsstörung und kann sich nicht erinnern. Das Regie-Dreamteam Anders Thomas Jensen und Mads Mikkelsen schleudert Pointen im Sekundentakt und schafft eine hinreißend unberechenbare, bösartig witzige Komödie.

Mit "Mit Liebe und Chanson" (11. Februar) folgt die auf einer Autobiografie basierende Geschichte der Pariserin Esther Perez, die 1960 ihren sechsten Sohn Roland zur Welt bringt. Trotz einer Fehlbildung am Fuß und der ärztlichen Prognose, er werde nie richtig laufen können, kämpft die sture Mutter mit Hingabe und Kraft für ihr Kind. Eine zutiefst berührende Familiensaga über die größte Liebe, die es geben kann.

Geschichten von Helden und Hochstaplern

Wolfgang Beckers letzter Film "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" (18. Februar) erzählt mit augenzwinkernder Satire vom Berliner Videothekenbesitzer Micha Hartung, gespielt von Charly Hübner. Als ein Journalist ihn zum 30. Jahrestag des Mauerfalls zum Drahtzieher der größten Massenflucht der DDR stilisiert, wird der Verlierer ungewollt zum gesamtdeutschen Helden. Ein vergnügliches Lehrstück über die Hierarchie der Geschichtsschreibung und die Kraft des Geschichtenerzählens.

Die 80-jährige Marie in "Bon Voyage - Bis hierher und noch weiter" (25. Februar) hat den Termin für die Sterbehilfe in der Schweiz bereits vereinbart, rettet sich aber in die Notlüge einer angeblichen Erbschaft. Mit Sohn Bruno, Enkelin Anna und dem hilfsbereiten Rudy vom Pflegedienst macht sie sich im alten Wohnmobil auf den Weg. Herausragend besetzt mit Hélène Vincent und Pierre Lottin.

Abenteuer am Amazonas

"Ich fand den Film sehr beeindruckend", sagt Kittlitz über "Das tiefste Blau" (4. März), auf den sie sich besonders freut. Die 77-jährige Tereza erhält die offizielle Anweisung, in eine Seniorenkolonie zu ziehen, damit sich die junge Generation auf Produktivität konzentrieren kann. Doch sie widersetzt sich und begibt sich auf eine transformative Reise durch den Amazonas. Ein hinreißend fotografierter Abenteuerfilm der besonderen Art über das Streben nach Freiheit.

In "Rental Family" (11. März) spielt Brendan Fraser einen US-Schauspieler in Tokio, der für eine "Rental Family"-Agentur in unterschiedliche Rollen als Sohn, Ehemann oder Vater schlüpft. Während er seinen Kunden hilft, ihre familiären Lücken zu füllen, verschwimmen die Grenzen zwischen Schauspiel und Realität. Eine berührende Geschichte über Zusammengehörigkeit und zwischenmenschliche Beziehungen.

Familienbande und Literaturverfilmungen

Joachim Triers "Sentimental Value" (18. März) ist ein vielschichtiges Meisterwerk über die Schwestern Nora und Agnes und ihren Vater Gustav, der nach Jahren der Funkstille plötzlich vor der Tür steht. Wenig sentimentales, ergreifendes skandinavisches Kino, getragen von einem großartigen Ensemble mit Stellan Skarsgård und Renate Reinsve.

"Dann passiert das Leben" (25. März) erzählt von der in Routine erstickten Ehe zwischen Hans und Rita, gespielt von Ulrich Tukur und Anke Engelke. Ein dramatischer Unfall mischt die Karten neu. Mit warmem Humor und poetischer Leichtigkeit erkundet der Film die großen Fragen in den leisen Momenten des Alltags.

Internationale Perspektiven

Der Gewinner der Goldenen Kamera in Cannes 2025, "Ein Kuchen für den Präsidenten" (1. April), begleitet die 9-jährige Lamia im Irak der frühen 1990er-Jahre. Sie muss für den Präsidenten einen Geburtstagskuchen backen und begibt sich mit ihrem Klassenkameraden Saeed und ihrem Hahn Hindi auf die Suche nach den Zutaten. Eine abenteuerliche Reise voller Entbehrung, aber auch voller kleiner Wunder, Freundschaft und Hoffnung.

Francis Meletzky bringt mit "Der Schimmelreiter" (8. April) Theodor Storms Novelle in moderner Interpretation auf die Leinwand. Die Legende um den Deichgrafen Hauke Haien wird in den Kontext der aktuellen Klimadebatte gesetzt. Max Hubacher und Olga von Luckwald überzeugen in den Hauptrollen, die Nebenrollen sind mit Annette Frier und Christoph Glaubacker hochkarätig besetzt.

Zeitreisen und Familiengeschichten

In "Die progressiven Nostalgiker" (15. April) katapultiert ein Kurzschluss der neuen Waschmaschine das Ehepaar Michel und Hélène aus den 1950er-Jahren ins Jahr 2025. Während sie sich als Powerfrau schlägt, muss er sich als Hausmann im Smart-Home bemühen. Doch Michel will zurück in die gute alte Zeit - wenn er nur wüsste, wie man die smarte Waschmaschine auf Zeitrückreise programmiert.

Jim Jarmuschs "Father Mother Sister Brother" (22. April), ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen in Venedig, ist ein behutsam als Triptychon komponierter Film über erwachsene Kinder und ihre distanzierten Eltern. Der hochkarätige Cast um Tom Waits, Adam Driver, Charlotte Rampling, Cate Blanchett und Vicky Krieps lotet die Untiefen familiärer Beziehungen aus. Eine ruhige, beobachtende Charakterstudie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.

Zwischen Tanger und Camus

"Calle Malaga - Ein Zuhause in Tanger" (29. April) erzählt von der 79-jährigen María Ángeles, gespielt von Carmen Maura, die seit Jahrzehnten im spanischen Viertel von Tanger lebt. Als ihre Tochter die Wohnung verkaufen will, stellt sie sich quer. Mit Witz, List und Herz kämpft sie um ihr Zuhause und entdeckt dabei neue Begegnungen und eine längst verloren geglaubte Liebe.

Den Abschluss bildet François Ozons virtuose Neuinterpretation von Albert Camus' Literaturklassiker "Der Fremde" (6. Mai). In betörenden Schwarz-Weiß-Bildern und getragen von einem erlesenen Ensemble um Benjamin Voisin, Rebecca Marder und Pierre Lottin erzählt der Film von Meursault, der ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teilnimmt. Der Film feierte seine umjubelte Weltpremiere in Venedig.

"Es sollte gewissermaßen berühren und es sollte auch was zu lachen geben", fasst Dorothea Kittlitz ihre Programmphilosophie zusammen. "Wenn die Leute nach Hause gehen, dann sollen sie nicht so einen schweren Rucksack mittragen." Mit ihrer Mischung aus anspruchsvoller Unterhaltung, literarischen Verfilmungen und internationalen Perspektiven hat sie erneut ein Programm geschaffen, das Flucht aus dem Alltag und cineastischen Genuss verspricht.

Mittwoch, 28. Januar, 20 Uhr im Bali-Kino-Center: Das VHS-Kino startet mit dem Springsteen-Biopic "Deliver me from Nowhere" in die neue Spielzeit. Der Spielfilm ist nicht nur etwas für Fans. Foto: Foto: ©Disney

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jpotschka@no-spamcuxonline.de

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