Zolldrohung zurückgezogen: Cuxhaven blickt dennoch weiter besorgt auf Grönland-Pläne
Während Trump weiter seine Grönland-Pläne verfolgt, bleibt in Europa die Unsicherheit. Auch in Cuxhaven sorgt die Verbindung zur Insel für Besorgnis, vor allem in der Fischerei. Cuxhaven hatte bis 2011 eine Partnerschaft mit Grönlands Hauptstadt.

Donald Trump zieht überraschend die angedrohten Strafzölle gegen mehrere europäische Länder zurück. Nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte spricht der frühere US-Präsident von einem Rahmenabkommen zu Grönland, das die gesamte Arktis-Region umfassen soll. Erleichterung stellt sich in Europa dennoch kaum ein: Zu gering ist das Vertrauen in Trumps Aussagen, zu unberechenbar seine Drohpolitik. Auch in Cuxhaven, das enge Verbindungen zur grönländischen Hauptstadt hatte und teils noch hat, wächst die Sorge vor wirtschaftlichen Folgen.
Nur wenigen ist heute noch bekannt, dass zwischen Cuxhaven und Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, seit dem 20. Februar 1987 eine offizielle Städtepartnerschaft bestand. Sie endete im März 2011 infolge einer Gebiets- und Verwaltungsreform in Nuuk (dänisch Godthåb). Die Stadt ist nicht nur politisches Zentrum des Landes, sondern mit rund 20.000 Einwohnern auch mit Abstand die größte Stadt Grönlands.
Partnerstadt rund 2212 Seemeilen entfernt
Bereits 1986 berichtete die landesweit erscheinende grönländische Zeitung Atuagagdliutit/Grønlandsposten über die Anbahnung der Partnerschaft. Darin hieß es, Cuxhaven sei ein Zentrum der westdeutschen Fischerei, weshalb beide Städte nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich voneinander profitieren könnten. Dieses Thema spielte auch bei einem damaligen Besuch einer offiziellen Delegation aus Cuxhaven in Nuuk eine zentrale Rolle, wie die Cuxhavener Nachrichten berichteten.
Der Besuch dauerte aufgrund anstehender Kommunalwahlen in Cuxhaven lediglich drei Tage, dennoch wurden zahlreiche Punkte auf offizieller Ebene besprochen. Angeführt wurde die Delegation vom damaligen Oberbürgermeister Albrecht Harten und Oberstadtdirektor Dr. Hans-Heinrich Eilers. Ihr gehörten zudem Vertreter aller im Rat der Stadt Cuxhaven vertretenen Fraktionen an.
Die Erwartungen in Nuuk an die Partnerschaft waren hoch. Wie Harten und Eilers nach ihrer Rückkehr berichteten, hatte sich das Stadtparlament von Nuuk einstimmig für eine Partnerschaft mit Cuxhaven ausgesprochen. Auch in der Stadt an der Elbmündung lagen damit alle Voraussetzungen für die formelle Begründung vor. Cuxhaven war zu dieser Zeit die einzige Stadt in der Bundesrepublik Deutschland, die eine so enge freundschaftliche Beziehung zur rund 2212 Seemeilen entfernten Hauptstadt der größten Insel der Welt pflegte. Nuuks damaliger Bürgermeister Bjarne Kreutzmann bat die Delegation, allen Cuxhavenerinnen und Cuxhavenern herzliche Grüße zu übermitteln.
Ein zentraler Hintergrund der Partnerschaft war die Fischerei. Ende der 1980er-Jahre stand ein Abkommen zwischen Grönland und der Europäischen Gemeinschaft über Fangquoten zur Verlängerung an. Besonders die deutsche Hochseefischerei war darauf angewiesen, dass es ab 1990 weitergeführt wurde. Im Gegenzug konnte die deutsche Fischwirtschaft Know-how im Fischfang und in der Weiterverarbeitung anbieten.
Auch wenn die Städtepartnerschaft seit 2011 nicht mehr besteht, sind die Verbindungen bis heute eng - vor allem durch die Fischwirtschaft. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen rund um Grönland werden daher in Cuxhaven mit großer Sorge verfolgt.


"Die politischen Signale sind schwer zu greifen"
So bringt die Deutsche Fischfang Union (DFFU) insbesondere in ostgrönländischen Gewässern ihre Netze aus. Gefischt werden dort unter anderem Kabeljau, Schwarzer Heilbutt und Rotbarsch. Geschäftsführer Samuel Rodriguez Ortega verfolgt die Entwicklungen aufmerksam: "Für uns ist die Zugangsberechtigung zu den Gewässern Grönlands existenziell. Damit ist die Auslastung eines Fischereifahrzeugs gesichert", sagt er. Die aktuellen politischen Signale seien jedoch "sehr schwer zu greifen".
Der grönländische Fischereikonzern Royal Greenland mit Dependance in Cuxhaven äußert sich zurückhaltend. Auf Anfrage erklärte Merete Lindstrøm, verantwortlich für Globale Kommunikation: "Royal Greenland äußert sich grundsätzlich nicht zu geopolitischen Fragen oder politischen Entwicklungen. Wir konzentrieren uns auf unsere Rolle als in Grönland ansässiges Fischereiunternehmen, das durch Fischerei und hochwertige Produkte für Verbraucher auf der ganzen Welt Mehrwert schafft."
Doch nicht nur die Fischerei könnte von einer immer noch möglichen Eskalation betroffen sein. Auch die Wissenschaft blickt mit Sorge auf die Entwicklungen. "Was in Grönland passiert, kann unsere Forschung beeinträchtigen", sagte Dr. Volker Rachold, Leiter des beim Alfred-Wegener-Institut angesiedelten Deutschen Arktis-Büros, gegenüber der Nordsee-Zeitung. Welche Forschung unter einem möglichen US-amerikanischen Einfluss künftig noch möglich wäre, sei derzeit mit vielen Fragezeichen verbunden.
