Was für ein Abschluss des "Mare Musik Festivals" in Cuxhaven: Akkordeonist begeistert
Mit atemberaubendem Akkordeonspiel verzauberte Martynas Levickis das Publikum in Cuxhaven. Seine dynamischen und ausdrucksstarken Interpretationen ließen die Herzen höherschlagen und machten den Abschluss des "Mare Musik Festivals" unvergesslich.
Der Ausklang des "Mare Musik Festivals" scheint es in sich zu haben. 2024 hatte es in der Herz-Jesu-Kirche wahre Beifallsstürme für das "Kebyart Saxophon Quartet" aus Barcelona gegeben. Nun riss am gleichen Ort der litauische Akkordeonist Martynas Levickis mit seinem atemberaubendem Spiel das Publikum im wahrsten des Wortes von den Kirchenbänken; ein Festival-Abschluss, der in kommenden Jahren wohl kaum zu toppen sein wird.
Dass der Balte, 2023 mit dem Opus Klassik als "Instrumentalist des Jahres" ausgezeichnet, inzwischen am Akkordeon-Himmel ein internationaler Star ist, ist vielerorts nachzulesen. Ihn nun in Cuxhaven gehört und erlebt zu haben, darf man ohne Übertreibung ein ganz außergewöhnliches Geschenk nennen. Und den Dank dafür darf sich Mathias Christian Kosel, der Künstlerische Leiter des "Mare Musik Festivals", getrost ans Revers heften. Denn Martynas Levickis "zu bekommen", ist bei der langen Liste seiner Konzerttermine wahrlich nicht einfach.
Innigkeit nimmt Zuhörern nicht selten den Atem
Ein "Orchester in einer kleinen Box, die man in die ganze Welt tragen kann" - das ist das Akkordeon für Levickis. Und als dessen "Botschafter" schafft er es wie kein Zweiter, seinem Instrument den Nimbus des Verstaubten zu nehmen und ihm seinen Platz in den großen Konzertsälen zu sichern. Der im litauischen Tauroggen geborene und in Berlin lebende Martynas Levickis ist ein grandioser Interpret - voller Leidenschaft für die Musik, die er auf seinem Akkordeon zaubert. Sein Spiel ist von einer Expressivität und zugleich von einer Innigkeit, die seinen Zuhörern nicht selten den Atem nimmt.
Dass er mit seiner sagenhaften Technik und der absoluten Intensität seiner Interpretationen an Grenzen geht, zeigte er nun vor allem in "Flashing", einem Werk des Norwegers Arne Nordheim. 1986 original für Akkordeon geschrieben, testet es in Dynamik und Klang nahezu alles aus, was auf dem Instrument möglich ist, bis hin zu an elektronische Musik gemahnenden metallischen Klangwirkungen. Dagegen führt Levickis eigene Komposition, seine "Folk Song Suite No. 1", die Konzerthörer und -hörerinnen in ganz andere klangliche Welten - in sehr melancholische und sehr persönliche. Die Suite ist eine tiefgründige Hommage an des Interpreten litauische Heimat, an die Landschaft und an frühe Erlebnisse aus der Kindheit.
Sensibilisiert für Harmonien und Kantabilität
Von der Renaissance bis zur Moderne spannte sich der Bogen des Solo-Programms in der Herz-Jesu-Kirche. Dabei waren die englischen "Greensleves" wie die drei anderen Renaissance-Musiken, die Sonata von Domenico Scarlatti, Johann Sebastian Bachs Adagio und auch Mozarts "Andante F-Dur" für eine kleine Walze natürlich Bearbeitungen. Dass sie auch auf einem Akkordeon klingen, wird keiner bestreiten wollen. Vor allem dann nicht, wenn sie so gespielt werden wie von Martynas Levickis: so konturenreich, so fein, so sensibilisiert für Harmonien und Kantabilität und mit so viel Schattierungen.
Dennoch ist das alles kein Vergleich zu der Faszination, die Levickis eigene "Folk Songs", Nordheims "Flashings" und auch Philipp Glass' "Etude No. 6 & Mad Rush" (in einer Bearbeitung von Levickis) auf das Hörer-Publikum ausüben. Hier eröffnen sich ihm durch des Interpreten exzessives Spiel schier unendliche Klangräume. Es ist dieser seltsam schwebende Klang, der fasziniert - das zutiefst Meditative, dann wieder der urplötzlich wechselnde Takt und die Fülle der rhythmischen Verschiebungen. Schier unglaublich in der Virtuosität des Tastenspiels dann schließlich die "Dizzy Fingers" von Confrey (bearbeitet vm Akkordeonisten P. Deiro). Der Jubel am Ende kennt keine Grenzen und wird von Levickis mit einer unglaublich intensiv gespielten Piazzolla-Zugabe belohnt.
Von Ilse Cordes
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