Entwarnung in einer Wohanlage im Bereich Gorch-Fock-, Hermann-Allmers-Straße und Feldweg: Unter Umgehung einer mahnungsresistenten Eigentümerin haben Bewohner und Versorger eine Lösung gefunden. Foto: Koppe
Entwarnung in einer Wohanlage im Bereich Gorch-Fock-, Hermann-Allmers-Straße und Feldweg: Unter Umgehung einer mahnungsresistenten Eigentümerin haben Bewohner und Versorger eine Lösung gefunden. Foto: Koppe
Gorch-Fock-Quartier

Wassersperre dank Solidarität unter Mietern vom Tisch

von Kai Koppe | 18.11.2023

Neuerliche Appelle wurden gehört: Nachdem die EWE Netz und auch der OB abermals dazu aufgerufen hatten, einem gemeinsamen Lösungsmodell beizutreten, haben weitere Bewohner bekundet, Abschläge direkt an den Trinkwasserversorger zu überweisen.

"Der Aufruf hat richtig gezündet", betonte EWE-Netzregionsleiter Torsten Wüstenberg, als er am Freitag Bilanz zog: Von circa 130 Mietparteien, die es in den im Besitz einer Fondsgesellschaft befindlichen Mehrfamilienhäusern gibt, hätten sich nun 107 (noch ein,mal 30 Prozent mehr) zu besagtem Modell bekannt. Für die EWE Netz ist damit eine Quote erreicht, die Sperrandrohungen hinfällig macht: Wie mehrfach berichtet, hatte der Konzern angekündigt, im Gorch-Fock-Viertel die Wasserzufuhr einzustellen, die  - wie es hieß - Ultima Ratio, um einer mahnungsresistenten Eigentümerin etwas entgegenzusetzen: Die Nord Wohnen Portfolio 1 GmbH soll über einen langen Zeitraum hinweg kein Geld mehr an die EWE weitergeleitet haben, obwohl Mieterinnen und Mieter ordnungsgemäß ihre Nebenkosten abgeführt hatten. Letztere wollen Bewohner ab sofort kürzen - um einen einmaligen Sockelbetrag von 100 Euro und einer monatlichen Trinkwasserpauschale in Höhe von zehn Euro. Beides (das ist das Lösungsmodell) wird dann ohne Umwege auf ein Konto des Versorgers eingezahlt.

Die gefundene Lösung ist keineswegs branchenüblich

Kostendeckend ist dieser Kompromiss wohlgemerkt nicht. "Aber das Defizit ist dabei klein genug, dass wir guten Gewissens sagen können: Wir machen das so!", erläuterte Wüstenberg, nach dessen Worten die nun getroffene Lösung gut und gerne ein halbes Jahr, möglicherweise auch länger, Bestand haben kann. Wichtig sei dabei selbstredend, dass alle, die einer Direktzahlung zugestimmt haben, nun auch ihrer Zusage nachkämen.  Unter dieser Prämisse ist für den Netzregionsleiter das angstbesetzte Thema Wassersperre definitiv vom Tisch. Und zwar in sämtlichen zuvor betroffenen Hauseingängen. 

So weit zu kommen, war kein Selbstgänger gewesen. Wüstenberg dankte unter anderem der Stadt und dem Jobcenter für die dabei geleistete Unterstützung, den Mieterinnen und Mietern aber für das seinem Hause entgegengebrachte Vertrauen. Intern bedeutet der nun eingeschlagene Weg erheblichen Mehraufwand: Branchenüblich sei diese Lösung keineswegs, betonte der EWE-Mann, der sich umso mehr über eine in den eigenen Reihen bewältigte Lernkurve freut. "Wir sind aber auch dankbar, weil die jetzige Entwicklung die EWE als lösungsorientiert arbeitendes Unternehmen darstellt."

Neues Miteinander in der Mieterschaft  

Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer sprach von einem gelungenen Beispiel für respektvollen Umgang und vergaß nicht, die (bei allem Verdruss) positiven Effekte für das Miteinander in der Mieterschaft hervorzuheben. "Ich appelliere noch einmal an die restlichen Mieter, sich dem Modell anzuschließen, aber jetzt ist die Quote erreicht, mit der sich die Sperre verhindern lässt", sagte der OB und derweil die Hoffnung, dass sich die zurückliegenden Erfahrungen mit der Immobilieneigentümerin nicht auf anderen Ebenen wiederholen. Santjer dachte dabei nicht nur an andere Versorgungsleistungen, sondern auch Dienstleistungen wie den Hausmeisterservice, für welche Mieterinnen und Mieter ebenfalls im treuen Glauben über die Nebenkosten Gelder an die Vermieterin abführen. Für ihn sei entscheidend, dass ein lebensnotwendiges Gut wie das Trinkwasser niemandem in seiner Stadt versagt bleibe. Dennoch müsse man sich fragen, wie man weiterhin mit dem Immobilieneigentümer umgehe. "Die EWE-Zentrale wird alle Möglichkeiten nutzen, um mit dem Vermieter wieder in Balance zu kommen", antwortete Wüstenberg betont diplomatisch. Falls das nicht gelinge, werde sein Haus  versuchen, eine (Dauer)-Lösung mit den Bewohnern der betroffenen Häuser zu entwickeln. 

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Kai Koppe

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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