Auch ein wichtiger Bestandteil des Katastrophenschutzes: Die Öffentlichkeitsarbeit - wie hier mit Gerd Klemusch (M.) und Marcel Kolbenstetter beim Katastrophenschutztag - soll deutlich intensiviert werden. Fotos: Reese-Winne
Auch ein wichtiger Bestandteil des Katastrophenschutzes: Die Öffentlichkeitsarbeit - wie hier mit Gerd Klemusch (M.) und Marcel Kolbenstetter beim Katastrophenschutztag - soll deutlich intensiviert werden. Fotos: Reese-Winne
Elf Zufluchtsorte in der Stadt

Wenn der Blackout kommt: So schnell wird es dunkel und still in Cuxhaven

von Maren Reese-Winne | 27.11.2023

Das Szenario, das Katastrophenschutz-Experten  für den Fall eines flächendeckenden Blackouts in Cuxhaven zeichnen, zeigte die Verwundbarkeit unseres Alltagslebens unmissverständlich auf. Innerhalb von Minuten ginge nichts mehr.

Aus dem Vortrag des von der Stadt Cuxhaven zur Erstellung des Katastrophenschutzkonzepts beauftragten externen Beraters Jürgen Kettler im Ausschuss für Feuerwehr, Sicherheit und Ordnung ging vermutlich niemand so heraus, wie er hineingegangen war. Denn er sprach Klartext. Die so selbstverständlich erscheinende  Infrastruktur wäre im Ernstfall innerhalb von Minuten lahmgelegt: Wasserver- und -entsorgung, Heizung, Lebensmittelversorgung, Beleuchtung der Häuser und Straßen und vieles mehr.

"Innerhalb der ersten 15 Minuten sind die Handy-Netze und das Festnetz tot", so Jürgen Kettler. Per Mobilnetz oder Fernsehen seien dann keine Informationen mehr zu erwarten, auch nicht über die Katastrophenschutz-Apps. Selbst Notrufe könnten nicht mehr abgesetzt werden. Umso dringlicher riet er dringend zum möglichst digitalen batteriebetriebenen Radio in jedem Haushalt, das sich bei Warndurchsagen von selbst laut stelle.

"Leuchttürme" müssen innerhalb von 30 Minuten zu Fuß erreichbar sein

Als erste Anlaufstellen sollen im gesamten Stadtgebiet elf so genannte "Leuchttürme" etwa in Turnhallen oder Schulen aufgebaut werden. Diese sollen von der Bevölkerung innerhalb von 30 Minuten zu Fuß erreicht werden können, um Informationen zu erhalten, sich aufwärmen zu können und vor allem, um Notrufe abzusetzen oder auf andere Notlagen aufmerksam zu machen. "Wo überall in Cuxhaven befinden sich Menschen, die von einem Heim-Beatmungsgerät abhängig oder auf Dialyse angewiesen sind?", fragte Jürgen Kettler. Diese müsste als erste Hilfe erhalten.

Vorräte und Notstromaggregate müssen bereitstehen

Mit dem Aufbau und der Wartung dieser "Leuchttürme" kommt auf die Stadt Cuxhaven eine echte Herkulesaufgabe zu, denn es muss nicht nur überall die Notstromversorgung und die Ausstattung mit Grundmobiliar sichergestellt werden, sondern auch die personelle Besetzung: Wer kocht und gibt Essen aus, wer stellt die Logistik, die Betreuung der Hilfesuchenden und die medizinische Versorgung sicher?

Unbequeme Themen müssen offen angesprochen werden

Der Katastrophenschutz alleine könne dies nicht bewältigen, so Jürgen Kettler und sprach als Beispiel eine Verpflichtung von Lehrkräften für Betreuungsaufgaben an: "Man muss offen über solche Möglichkeiten reden." Dabei müssten aber auch Absprachen über die Versorgung von Kindern und anderer Familienmitglieder der Einsatzkräfte getroffen werden, ergänzte Ausschussvorsitzender Michael Stobbe (SPD).  

Dort, wo die Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten nicht gegeben sei, könnten Linienbusse oder Feuerwehrfahrzeuge als Anlaufstellen zum Einsatz kommen, erklärte Kettler auf Nachfrage des Lüdingworther Ortsbürgermeisters Thomas Brunken (CDU). 

Appelle blieben lange Zeit ungehört

Michael Stobbe zeigte sich bewegt und nachdenklich: Nach vielen ungehörten Appellen zur Anschaffung von Notstromaggregaten werde deren Notwendigkeit nun immerhin auch von außen festgestellt.

Bürger müssen auch selbst Vorsorge treffen

Stobbe äußerte auch offen seine Sorge um Plünderungen und Aufruhr, wenn plötzlich der Nachschub von Treibstoffen und Lebensmitteln ausbleibt. Einen Notfallvorrat zur Überbrückung einiger Tage anzulegen, sei aber auch Sache aller Bürger: "Die Behörde kommt nicht mit einem Essenspaket an die Haustür."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Schulbau

Cuxhaven: Erster Blick hinter Fassade des neuen Hortgebäudes an der Abendrothschule

von Maren Reese-Winne

Das Gebäude entstand innerhalb eines Tages auf der Wiese vor der Abendroth-Turnhalle in Cuxhaven und die nüchterne Fassade lässt nicht auf den ersten Blick die sich dahinter verbergenden freundlichen Räume vermuten. CNV-Medien hat schon reingeschaut.

Baustelle Theodor-Heuss-Allee

Dauer-Baustelle in Cuxhaven: Asphaltdecke aufgetragen - kurz danach wieder entfernt

von Bengta Brettschneider

Erst gebaut, dann wieder aufgerissen: Die Baustelle an der Theodor-Heuss-Allee in Cuxhaven zieht sich seit Monaten. Nun wurde der Asphalt wieder entfernt - das wirft Fragen auf. Und die Arbeiten verzögern sich weiter.

In der Natur unterwegs

Cuxhavener Vogelguckerin: "Birding ist das neue Yoga"

von Wiebke Kramp

Silke Hartmann zeigt, dass Birding mehr ist als ein Hobby. Ihre Begeisterung für Vögel wirkt ansteckend. Vor allem möchte sie ermuntern, die Wunder der Vogelwelt zu entdecken und so sich selbst etwas Gutes zu tun.

Kommunaler Präventionsrat

"Liegt viel in der Luft": Expertenrunde in Cuxhaven gebildet nach Gewalt durch Kinder

von Maren Reese-Winne

Übergriffe auf Seniorinnen bewegten im vergangenen Sommer die Cuxhavener Bevölkerung, vor allem weil es sich bei den Tätern um Kinder gehandelt haben sollte. Erste Erkenntnisse wurden jetzt bekannt.