Wenn der Blackout kommt: So schnell wird es dunkel und still in Cuxhaven
Das Szenario, das Katastrophenschutz-Experten für den Fall eines flächendeckenden Blackouts in Cuxhaven zeichnen, zeigte die Verwundbarkeit unseres Alltagslebens unmissverständlich auf. Innerhalb von Minuten ginge nichts mehr.
Aus dem Vortrag des von der Stadt Cuxhaven zur Erstellung des Katastrophenschutzkonzepts beauftragten externen Beraters Jürgen Kettler im Ausschuss für Feuerwehr, Sicherheit und Ordnung ging vermutlich niemand so heraus, wie er hineingegangen war. Denn er sprach Klartext. Die so selbstverständlich erscheinende Infrastruktur wäre im Ernstfall innerhalb von Minuten lahmgelegt: Wasserver- und -entsorgung, Heizung, Lebensmittelversorgung, Beleuchtung der Häuser und Straßen und vieles mehr.
"Innerhalb der ersten 15 Minuten sind die Handy-Netze und das Festnetz tot", so Jürgen Kettler. Per Mobilnetz oder Fernsehen seien dann keine Informationen mehr zu erwarten, auch nicht über die Katastrophenschutz-Apps. Selbst Notrufe könnten nicht mehr abgesetzt werden. Umso dringlicher riet er dringend zum möglichst digitalen batteriebetriebenen Radio in jedem Haushalt, das sich bei Warndurchsagen von selbst laut stelle.
"Leuchttürme" müssen innerhalb von 30 Minuten zu Fuß erreichbar sein
Als erste Anlaufstellen sollen im gesamten Stadtgebiet elf so genannte "Leuchttürme" etwa in Turnhallen oder Schulen aufgebaut werden. Diese sollen von der Bevölkerung innerhalb von 30 Minuten zu Fuß erreicht werden können, um Informationen zu erhalten, sich aufwärmen zu können und vor allem, um Notrufe abzusetzen oder auf andere Notlagen aufmerksam zu machen. "Wo überall in Cuxhaven befinden sich Menschen, die von einem Heim-Beatmungsgerät abhängig oder auf Dialyse angewiesen sind?", fragte Jürgen Kettler. Diese müsste als erste Hilfe erhalten.
Vorräte und Notstromaggregate müssen bereitstehen
Mit dem Aufbau und der Wartung dieser "Leuchttürme" kommt auf die Stadt Cuxhaven eine echte Herkulesaufgabe zu, denn es muss nicht nur überall die Notstromversorgung und die Ausstattung mit Grundmobiliar sichergestellt werden, sondern auch die personelle Besetzung: Wer kocht und gibt Essen aus, wer stellt die Logistik, die Betreuung der Hilfesuchenden und die medizinische Versorgung sicher?
Unbequeme Themen müssen offen angesprochen werden
Der Katastrophenschutz alleine könne dies nicht bewältigen, so Jürgen Kettler und sprach als Beispiel eine Verpflichtung von Lehrkräften für Betreuungsaufgaben an: "Man muss offen über solche Möglichkeiten reden." Dabei müssten aber auch Absprachen über die Versorgung von Kindern und anderer Familienmitglieder der Einsatzkräfte getroffen werden, ergänzte Ausschussvorsitzender Michael Stobbe (SPD).
Dort, wo die Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten nicht gegeben sei, könnten Linienbusse oder Feuerwehrfahrzeuge als Anlaufstellen zum Einsatz kommen, erklärte Kettler auf Nachfrage des Lüdingworther Ortsbürgermeisters Thomas Brunken (CDU).
Appelle blieben lange Zeit ungehört
Michael Stobbe zeigte sich bewegt und nachdenklich: Nach vielen ungehörten Appellen zur Anschaffung von Notstromaggregaten werde deren Notwendigkeit nun immerhin auch von außen festgestellt.
Bürger müssen auch selbst Vorsorge treffen
Stobbe äußerte auch offen seine Sorge um Plünderungen und Aufruhr, wenn plötzlich der Nachschub von Treibstoffen und Lebensmitteln ausbleibt. Einen Notfallvorrat zur Überbrückung einiger Tage anzulegen, sei aber auch Sache aller Bürger: "Die Behörde kommt nicht mit einem Essenspaket an die Haustür."