Scherben verzögerten die Planung: Neubaugebiet Blumenkamp in Sahlenburg kann kommen
Nach fünf Jahren Wartezeit und unerwarteten archäologischen Funden sieht sich das geplante Wohngebiet Blumenkamp in Cuxhaven einer entscheidenden Wende gegenüber. Was bedeutet das für zukünftige Bewohner und die historische Bedeutung des Ortes?
Es war ein langer Weg. Jahre haben die Sahlenburger auf diesen Moment gewartet. In der letzten Sitzung des Ortsrates vor der Kommunalwahl am 13. September in der Aula der Grundschule war die Erleichterung mit Händen zu greifen. Ortsratsmitglied Jörg Itjen (CDU) brachte die Stimmung auf den Punkt: "Vielen Dank, dass der Mut nicht verloren gegangen ist, auch wenn zwischenzeitlich noch mal Scherben gefunden worden sind. Wir sind ganz froh, dass wir jetzt eine Entscheidung haben."
Bereits am Nachmittag hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität, Bau und Demografie im Rathaus einstimmig den Weg freigemacht. Wenige Stunden später folgte der Ortsrat Sahlenburg. Beide Gremien stimmten dem Bebauungsplan Nr. 105, Teilbereich 2, "Westlich der Spanger Straße", und seiner ersten Ergänzung zu. Das künftige Wohngebiet trägt bereits einen Namen: Blumenkamp.
Scherben verzögerten das Verfahren
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, war lange nicht sicher. Im Frühjahr hatten Begehungen der Stadtarchäologie auf dem Acker archäologische Oberflächenfunde zutage gebracht, sogenannte Tonscherben. Das Verfahren wurde gestoppt, der geplante Satzungsbeschluss im Juni fiel aus. Eine Spezialfirma rückte an, legte Prospektionsschnitte an und untersuchte das Gelände systematisch. Ausschussvorsitzender Enak Ferlemann erklärte dazu nüchtern: "Man hat untersucht und man hat auch etwas gefunden. Jetzt sind die durch und deswegen können wir jetzt den Satzungsbeschluss fassen." Was die Scherben genau bedeuten, blieb offen. Der Spanger Berg in unmittelbarer Nähe gilt als archäologisch bedeutsamer Ort. Dort wurden einst Funde aus der Bronzezeit gemacht. Für das Baugebiet selbst steht nun fest: Es kann gebaut werden.

Wohnraum für verschiedene Zielgruppen
Das rund 2,8 Hektar große Plangebiet am südöstlichen Ortsrand ist im Flächennutzungsplan bereits seit Jahren als Wohnbaufläche ausgewiesen. Vorgesehen ist ein allgemeines Wohngebiet mit sechs Teilbereichen und unterschiedlichen Bebauungsformen. Im Norden und in der Mitte sollen dichtere Wohnformen entstehen, im Südwesten kleinere Einzelhausgrundstücke. Ferienwohnungen werden ausgeschlossen, um dauerhaften Wohnraum zu sichern. Die Erschließung erfolgt über eine neue Verbindungsstraße, ergänzt durch Fuß- und Radwege. Für den Schallschutz zur angrenzenden Kreisstraße sind bauliche Maßnahmen festgesetzt. Die Wallhecken, die das Areal umrahmen, werden im Wesentlichen erhalten. Wo Eingriffe unvermeidlich sind, wird intern kompensiert. Lutz Richter vom Büro Planungsgemeinschaft Nord (PGN) fasste zusammen: "Die grundsätzliche Zielsetzung und Umsetzbarkeit des Bebauungsplans sind bestätigt."
Bus und Querung bleiben offen
Kritische Töne kamen von Ortsratsmitglied Manfred Wendl (Grüne), der die geplante Bushaltestelle hinterfragte. Eine neue Haltestelle allein sei noch keine Verbesserung des Nahverkehrs, sagte er, und verwies darauf, dass die bestehenden Haltestellen an der Stettiner Straße und am Lerchenweg bereits heute nur vier bis fünf Fahrten täglich anbieten, ausgerichtet auf den Schülerverkehr. Er forderte Klarheit darüber, welches Busangebot das neue Gebiet tatsächlich erhalten werde und ob eine Querungshilfe an der Spanger Straße geplant sei. Die Antwort der Verwaltung war ehrlich: Der Bebauungsplan schaffe Möglichkeiten, er regele aber weder Fahrpläne noch Zebrastreifen. Die Buswendeschleife sei vorsorglich eingeplant für den Fall, dass künftige Ausschreibungen des Nahverkehrs eine solche Lösung erfordern. Was kommt, wird die Zeit zeigen.
Dank an die IDB
Ungeachtet dieser offenen Fragen überwog am Dienstagabend die Freude. Der Ortsrat dankte ausdrücklich der IDB Cuxhaven, der Entwicklungsgesellschaft hinter dem Projekt, die trotz unerwarteter Mehrkosten durch die archäologischen Grabungen an dem Vorhaben festgehalten hatte. "Ein tolles Wohngebiet", kommentierte Enak Ferlemann nach der Abstimmung im Bauausschuss knapp und zufrieden. Die finale Abstimmung des Stadtrates steht nun als nächster Schritt an. Dann kann aus dem Blumenacker endgültig der Blumenkamp werden.
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