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Luftaufnahme der Sahlenburger Küste: Der geplante Deich in der Wolskermarsch soll die letzte Lücke im niedersächsischen Deich-Netz schließen. Foto: CN-Archiv
Luftaufnahme der Sahlenburger Küste: Der geplante Deich in der Wolskermarsch soll die letzte Lücke im niedersächsischen Deich-Netz schließen. Foto: CN-Archiv
Gesprächsrunde mit Bürgern

Überraschende Bunkerfunde auf Helios-Gelände verzögern Bauprojekt in Sahlenburg

von Jens Potschka | 22.07.2026 Zuletzt aktualisiert: 02.08.2026 09:45 Uhr

Minister Tonne, der seit fast einem halben Jahrhundert in Sahlenburg urlaubt, trifft auf Bürgerfragen zu Deichbau und Wohnprojekten. Überraschende archäologische Funde werfen nun neue Fragen auf.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant-Hendrik Tonne stellte sich am Montagabend in Sahlenburg den Fragen der Bürger. SPD-Ratsherr Andreas Wichmann hatte zum Gespräch geladen. Dazu kamen Oberbürgermeister Uwe Santjer, Deichverbands-Vertreter Dr. Frank Oehne und rund ein Dutzend Bürger. Tonne verbringt seinen Urlaub seit 49 Jahren in Sahlenburg, nächstes Jahr feiert er Jubiläum. Deshalb kennt der Minister die Situation vor Ort gut. Zwei Themen bewegten die Runde besonders: der geplante Deichbau und die Zukunft des Helios-Areals.

Drei Wege für den Deich

Ausführlich ging es um den geplanten Deich in Sahlenburg. Dr. Frank Oehne vom Deichverband Cuxhaven erklärte, der Bauantrag solle noch in diesem Winter gestellt werden. Offen ist die Route für rund 15.000 Baufahrzeuge, die den Sand an die Küstenlinie bringen. Ursprünglich hatte der Verband auf eine Aufspüllösung gesetzt, wie sie an der Weser üblich ist. Die nächste geeignete Spülstelle liegt jedoch zu weit entfernt. "Fünf Kilometer Rohrleitung sind zu weit", fasste Oehne die Einschätzung der Fachfirmen zusammen.

Damit bleiben zwei Alternativen: eine Route durch den Wernerwald über die frühere Panzerstraße oder der Treibselweg am Wasser, der laut Oehne den Tourismus empfindlich stören würde. Für das Verfahren wird eine eigene Entwicklungsgesellschaft gegründet, nach dem Vorbild der Hamburg Port Authority. Andreas Wichmann warnte zudem vor den Folgen für die Nordheimstraße, sollte der Deich fertig und das Baugebiet Wolskermarsch weiter wachsen: "Dann wird die Nordheimstraße den Verkehr nicht mehr bewältigen können."

Wirtschaftsminister Grant-Hendrik Tonne im Dialog: Intensive Diskussionen über Deichbau und Wohnprojekte in Sahlenburg, während archäologische Funde neue Herausforderungen mit sich bringen. Neben ihm SPD-Ratsherr Andreas Wichmann, der zu der Gesprächsrunde eingeladen hatte. Foto: Potschka

Streit ums Helios-Areal

Auch das brachliegende Helios-Gelände beschäftigte die Runde. Ein von Sahlenburgern gewünschtes medizinisches Versorgungszentrum lehnte der Investor bislang nicht offiziell ab, bezeichnete es aber laut Santjer als "schwierig". Der Investor plant stattdessen rund 80 Ferienwohnungen und ein Hotel, ein Vorhaben, das im Ortsrat auf Widerstand stößt.

Verzögert wird das Projekt zusätzlich durch unerwartete archäologische Funde: Auf dem Gelände wurden Bunkeranlagen entdeckt, von denen selbst der frühere Bauamtsleiter nichts wusste, wie SPD-Ratsherr Michael Stobbe berichtete. Minister Tonne zeigte Verständnis für die Verzögerungen durch den Denkmalschutz, auch wenn Niedersachsen die entsprechenden Vorgaben derzeit lockert: "Ich bin wirklich dankbar, dass das stattgefunden hat", sagte er mit Blick auf ähnliche Grabungen in seiner eigenen Heimatgemeinde.

Zukunftsvision für Sahlenburg: Ein belebter Deich lädt Einheimische und Touristen zum Verweilen und Entdecken ein, während im Hintergrund Drachen im Wind tanzen. Foto: Horeis + Blatt Partnerschaft mbH

Sozialer Wohnungsbau im Fokus

Beim Neubaugebiet Blumenkamp sollen 30 Wohnungen entstehen, 15 Prozent davon als Sozialwohnungen. Ein Bürger kritisierte die Quote als zu niedrig. Santjer verteidigte den Kompromiss: Höhere Sozialbindungen schmälerten die Wirtschaftlichkeit für Investoren, ohne die kein Bauprojekt zustande komme. Minister Tonne verwies auf die Landesebene. Niedersachsen habe die Bauordnung vereinfacht, etwa bei Brandschutz- und Barrierefreiheitsvorgaben, den Wohnraumförderfonds aufgestockt und mit "Wohnraum Niedersachsen" eine neue Landesgesellschaft gegründet, die in dieser Wahlperiode 1600 bis 1800 Wohnungen bauen soll. "Anständigen Wohnraum zu haben, ist kein Nice-to-have, sondern unsere verdammte Pflicht", so der Minister.

Sorgen um Radwege und A27

Weitere Themen kamen kürzer zur Sprache. Ein Bürger beklagte den schlechten Zustand der Radwege zwischen Sahlenburg und der Cuxhavener Innenstadt. Santjer räumte ein, die Zuständigkeiten zwischen Stadt, Kreis und Land seien für die Bevölkerung oft nicht nachvollziehbar.

Wichmann forderte den Minister auf, sich für die Sanierung der A27 einzusetzen, die seit rund zehn Jahren streckenweise auf 80 bis 100 Kilometer pro Stunde gedrosselt ist. Tonne sagte zu, das Anliegen mitzunehmen, verwies aber auf die Zuständigkeit des Bundes. Beim Nahverkehr kündigte er zusätzliche zehn Millionen Euro jährlich für die Verkehrsverbünde an. Zum Abschluss dankte Wichmann dem Minister für seinen Besuch während seines Urlaubes und rief alle Bürgerinnen und Bürger zur Kommunalwahl am 13. September auf.

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Jens Potschka

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