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Andreas Green in seinem Atelier, umgeben von seinen abstrakten Kunstwerken, hält das Wesen seines kreativen Schaffens – Offenheit und Staunen – in den Händen. Foto: Potschka
Andreas Green in seinem Atelier, umgeben von seinen abstrakten Kunstwerken, hält das Wesen seines kreativen Schaffens – Offenheit und Staunen – in den Händen. Foto: Potschka
VHS-Kino zeigt Kurzfilm

Zwanzig Jahre für ein Meisterwerk: Schülerporträt von Andreas Green

von Jens Potschka | 22.10.2026

Jahre nach einem Zeichenkurs in Cuxhaven steht das Verhältnis auf dem Kopf: Der Schüler Florian Ropers beobachtet seinen Lehrer Andreas Green durch die Linse seiner Filmkamera. Entdecken Sie eine faszinierende Annäherung an die Kunst des Staunens.

Manche Geschichten brauchen zwanzig Jahre, bis sie sich runden. Diese beginnt in einem Porträtzeichenkurs in Cuxhaven. Ein Jugendlicher sitzt vor dem Papier und lernt, Gesichter zu sehen. Sein Lehrer heißt Andreas Green. Fast zwei Jahrzehnte später kehrt sich das Verhältnis um. Der Schüler von einst steht nun hinter der Kamera, der Lehrer davor.

Florian Ropers, gebürtiger Cuxhavener, Filmemacher und Fotograf mit Sitz in Münster, hat seinem früheren Lehrer einen Film gewidmet. "Aus der Nähe zur Weite" heißt das knapp 14 Minuten lange Porträt. Das VHS-Kino zeigt es am Mittwoch, 28. Oktober, um 20 Uhr im Bali-Kino-Center an der Holstenstraße 5 als Vorfilm zu "Vaterland". Beide Männer kommen zur Vorführung, ein kurzes Filmgespräch ist geplant.

Beobachter statt Biograf

Ursprünglich wollte Ropers nur ein kleines Künstlerporträt drehen. Daraus wurde ein Film über eine bestimmte Art, die Welt zu betrachten. In Greens Atelier fühlte er sich oft weniger als Filmemacher denn als Beobachter und Lernender, sagt Ropers. Das Atelier liegt heute an der Grimmershörnbucht. Dort sammelt Green Eindrücke, Materialien und Fundstücke. Aus Aufmerksamkeit und Spiel entstehen neue Arbeiten. Was Ropers fasziniert, ist Greens Haltung. Auch nach Jahrzehnten hat sich der Künstler eine seltene Neugier bewahrt, eine fast kindliche Offenheit für das Unerwartete.

Seine Werke entstehen weniger aus Gewissheit als aus dem Wunsch, sich überraschen zu lassen. Der Film ist deshalb keine klassische Künstlerbiografie, sondern eine Annäherung an Wahrnehmung, Freiheit und die Freude am Entdecken. Premiere feierte er im Januar bei den 36. Bamberger Kurzfilmtagen in der Sektion "Handgemacht". Schon ein Jahr zuvor hatte Ropers dort seinen 20-minütigen Dokumentarfilm "The Potter - Vessels of Exploration" gezeigt. Derzeit ist "Aus der Nähe zur Weite" beim Nordic Star Festival in Schweden als bester internationaler Kurzdokumentarfilm nominiert. 

Seemann, Hafenarbeiter, Weltenbummler

Wer Andreas Green kennt, weiß, dass sein Lebensweg selbst Stoff für einen Film böte. Der Künstler, Jahrgang 1954, lernte Fotograf, fuhr zur See, machte Abitur, arbeitete als Leichenfotograf, im Hafen und hinter dem Tresen. Von 1979 bis 1983 studierte er an der Hochschule für Künste in Bremen, seit 1984 arbeitet er freischaffend. 1991 gründete er das Künstlerhaus Cuxhaven. Dort empfing er Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt.

Stipendien führten ihn nach Island, Lettland, Cornwall und Irland. Seine Arbeiten waren im Rahmenprogramm der documenta 8 zu sehen, auf der Zugspitze und auf der Nordsee vor Helgoland. In Cuxhaven hinterließ er sichtbare Spuren. Zuletzt stellte er 2025 im Schloss Ritzebüttel aus. Mit dem Film schließt sich nun ein Kreis. Green brachte Ropers einst bei, Menschen zu zeichnen. Jetzt hat der Schüler den Lehrer gezeichnet, mit der Kamera.

Im Anschluss läuft der Hauptfilm "Vaterland". Pawel Pawlikowski schickt darin Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) in einem schwarzen Buick durch das zerfallene Nachkriegsdeutschland. Für das Schwarz-Weiß-Drama erhielt er in Cannes den Regiepreis. So bietet der Abend zwei Reisen: eine durch ein zerrissenes Land und eine in die Werkstatt eines Künstlers, der nie aufgehört hat zu staunen.

Künstler Andreas Green in seinem kreativen Element: Ein spannender Film von Florian Ropers beleuchtet die faszinierende Lehrer-Schüler-Dynamik und Greens lebenslange Neugier. Hier ein Archivfoto anlässlich seiner Jubiläumsausstellung "fast = anders" im Schloss Ritzebüttel. Foto: Potschka

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Jens Potschka

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