Tim Pröse – der Münchner Autor und Publizist spürt Lebensgeschichten auf, die man nicht vergessen darf. Foto: Pröse
Tim Pröse – der Münchner Autor und Publizist spürt Lebensgeschichten auf, die man nicht vergessen darf. Foto: Pröse
Lesung zum Welttag des Buches 

Zwischen Verstecken und unerwartetem Glück: drei bewegende Lebensgeschichten

von Jens Potschka | 11.04.2026

Ein Abend in Cuxhaven verspricht mehr als nur eine Lesung: Tim Pröse nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch die bewegenden Geschichten von Hans Rosenthal, Jurek Rotenberg und Yehuda Bacon - zwischen Verstecken, Überleben und unerwartetem Glück.

Er war der Mann, dem ein ganzes Land applaudierte und der doch lange Zeit nur still und unsichtbar überleben musste. Hans Rosenthal, Quizmaster und Volksliebling, Erfinder des Kultsatzes "Das war … Spitze!", wäre in diesem Jahr 101 Jahre alt geworden. Dass er überhaupt je auf einer Bühne stehen durfte, verdankt er drei mutigen Berliner Frauen, die ihn als jungen Juden vor den Nazis versteckten. Der Münchner Autor Tim Pröse hat diese Geschichte aufgespürt, in Archiven gewühlt, mit Zeitzeugen gesprochen und in seinem Buch "Jahrhundertzeugen" so eindringlich niedergeschrieben, dass man beim Lesen kaum atmen mag.

Am Donnerstag, 23. April, um 19.30 Uhr ist Pröse zu Gast in der Stadtbibliothek Cuxhaven. Der Abend ist kein gewöhnlicher Leseabend.

"Das war … Spitze" - und das Leben auch

Was Pröse bietet, ist szenische Literatur mit dokumentarischer Kraft: Er liest nicht vor, er vergegenwärtigt. Der Zuschauer begleitet Rosenthal durch die Jahre zwischen Leben und Tod, durch Berliner Hinterhöfe und Kellerverstecke, durch Hunger und Angst. Und schließlich hinein in jenes Fernsehstudio, das Millionen von Menschen begeistern sollte. Rosenthal ließ, das sei eigens erwähnt, sämtliche Spielgewinne aus seiner Sendung "Dalli Dalli" bedürftigen Familien zugutekommen. Wer selbst Not gekannt hatte, vergaß das nie.

"Jahrhundertzeugen" - in diesem Buch gibt Tim Pröse Menschen das Wort, die das Unfassbare erlebt und überlebt haben. Foto: Heyne Verlag

Doch Pröse bleibt nicht bei Rosenthal. Er erzählt auch von Jurek Rotenberg, seinem Freund aus Israel, dessen Rettung er als geradezu wundersam beschreibt. Und er widmet sich dem Schicksal des Künstlers Yehuda Bacon, der als Kind Auschwitz überlebte und später mit seinen Zeichnungen Zeugnis ablegte. Drei Geschichten und alle drei enden gegen jede Wahrscheinlichkeit mit dem Leben.

Wenn Geschichte in die Schule kommt

Der Welttag des Buches 2026 ist in Cuxhaven diesmal mehr als ein Anlass für Lesefreude. Er wird zum Lernort. Bereits am Morgen empfängt die Bibliothek Viertklässler der Grundschule Nordholz; am Folgetag spricht Pröse mit Schülerinnen und Schülern der Oberschule Mitte über Sophie Scholl und ihre letzten Stunden. Ein Stoff, der nicht kälter werden darf, je länger er zurückliegt.

Im Januar 2023 war Autor Tim Pröse schon einmal in der Stadtbibliothek zu Gast. Seinerzeit las er aus seinem Buch "Jan Fedder Unsterblich". Foto: Potschka

Das Team der Stadtbibliothek freut sich, Tim Pröse erneut begrüßen zu dürfen. Unvergessen ist seine Lesung im Januar 2023 über Jan Fedder, den Hamburger Jung, dem Cuxhaven stets nah war. Veranstalter des Abends ist die Stadt Cuxhaven in enger Zusammenarbeit mit der regionalen Arbeitsgruppe des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.". Für Erfrischungen sorgt gegen Spende der Förderverein "Deine Bibliothek - Cuxhaven, Otterndorf, Bücherbus"; die Oliva-Buchhandlung stellt einen Büchertisch bereit. Die Veranstaltung wird gefördert durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!".

Karten sind direkt in der Bibliothek erhältlich, Kapitän-Alexander-Straße 1, Telefon (0 47 21) 700 70 800, sowie in der Kulturinfo im Schlossgarten. Normalpreis: 15 Euro; ermäßigt für Mitglieder von "Gegen Vergessen" und "Deine Bibliothek": 13 Euro; Schüler zahlen 5 Euro.

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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