Klare Meinung von einem Landwirt aus Wanna: "Der Wolf muss weg"
Die Angriffe auf Nutztiere im Kreis Cuxhaven feuert die Diskussion um den Umgang mit dem Wolf weiter an. Milchviehhalter Martin Filter ist selbst von Wolfsrissen betroffen und sagt: "Bleibt der Wolf, muss die Weidehaltung bald aufgegeben werden."
Die Erfahrungen, die der Milchviehhalter Martin Filter aus Wanna bisher mit dem Wolf gemacht hat, machen ihn traurig und wütend. 2017 wurden aus seiner Rinderherde erstmals zwei Tiere gerissen. Bis Frühjahr 2020 blieb es dann ruhig, ehe es wieder vermehrt Wolfsichtungen gab. Am 12. September dieses Jahres dann der nächste Wolfsangriff, bei dem ein Tier verendete, eines wurde verletzt. Nur wenige Tage später der zweite Angriff. Auch hier wurde ein Tier verletzt. Er macht sich Sorgen, wie es weitergehen soll.
Noch mehr Arbeit für Weidetierbesitzer
Martin Filter, dessen Familie seit Generationen den Milchviehbetrieb Lange am Rande des Ahlenmoores betreibt, ist im Besitz von circa 160 Milchkühen plus Nachzucht. 75 Prozent ihrer bewirtschafteten Fläche ist Grünland, davon sind etwa 50 Hektar nur durch Beweidung nutzbar. Diese Flächen sind derzeit mit einem Weidezaun mit einer Litze (elektrischer Leiter, der aus dünnen Einzeldrähten zusammengesetzt ist) umzäunt. "Das sind Zäune, an denen sich die Tiere nicht verletzen, wenn sie mal ausbrechen", erklärt Martin Filter und sagt weiter: "Wir hatten seit Jahrzehnten keine Probleme mit dieser Art Zaun - und jetzt wird verlangt, dass wir ihn erweitern, um unsere Tiere zu schützen. Wir haben hier überall Entwässerungsgräben - wie soll das mit den Zäunen da funktionieren?" Bei Martin Filter kommt bei der aktuellen Wolfspolitik immer mehr Unverständnis auf: "Es geht ja nicht nur um die Anschaffungskosten von Zäunen. Sie müssen aufgebaut und gepflegt werden. Das kostet Zeit und zusätzliche Arbeitskraft. Wir müssen also noch mehr arbeiten. Aber am Ende will keiner mehr Geld für seine Milch zahlen."
Bleibt der Wolf, muss Weidehaltung aufgegeben werden
Die bisherigen Angriffe auf seine Nutztiere verursachen bei dem 32-jährigen Landwirt Sorgen und großen Unmut. Jeden Tag gehe er zu seinen Tieren auf die Weide: "Wenn dann eins der Tiere bei lebendigem Leib angefressen wird und elendig stirbt, dann ist das auch eine emotionale Sache." Deshalb findet der Landwirt auch klare Worte: "Es ist definitiv nicht schön, wenn man die Tiere, um die man sich tagtäglich kümmert, zerfleddert auf der Weide findet. Der Wolf muss weg. Es kann doch nicht sein, dass Landwirte und Weidetierhalter an die Grenze der Belastung gebracht werden, damit andere die Idee einer heilen Welt mit dem Wolf ausleben können. Bleibt der Wolf, muss die Weidehaltung aufgegeben werden und die Tiere verschwinden in die Ställe." Dann wäre aber noch die Frage, was mit den Flächen passiert, wenn sie nicht mehr für die Weidehaltung genutzt werden.
Das Bundesumweltministerium hatte ein Verfahren für einen zeitlich (21 Tage) und räumlich (1000 Meter) sehr begrenzten Schnellabschuss vorgeschlagen - ohne deutsche und europäische Rahmenbedingungen ändern zu wollen. Claus Seebeck, Niedersächsischer Landtagsabgeordneter (CDU), sagt dazu: "Das ist ein Placebo. Wir brauchen dringend aktualisierte Zahlen, um den Bestand festzustellen, und ein regionales Wolfsmanagement. Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern schon vorher." Aktuell fordern die Ministerpräsidenten deshalb ein regional differenziertes, europarechtskonformes Wolfsmanagement. Darin soll unter anderem auch geregelt werden, dass es zulässig ist, Wölfe zu entnehmen, um Konfliktsituationen steuern zu können.
Zäune für die Wölfe, nicht für alle anderen Tiere
Der Wannaer Milchviehhalter Martin Filter hätte zudem einen weiteren Lösungsvorschlag: "Geld für Zäune scheint ja da zu sein. Wieso zäunt man also nicht die Wölfe ein. Man könnte dafür beispielsweise einen Truppenübungsplatz oder einen Nationalpark nutzen. Das wäre doch ein Kompromiss. So kann der Wolf hierbleiben und die öffentliche Hand kann sich darum kümmern. Die Parolen, wie die jetzige vom Umweltministerium, helfen nicht weiter." Dem stimmt auch Werner Strohsahl aus Neuenkirchen zu. Im August wurde nachweislich eine seiner besten Stuten vom Wolf angegriffen um schwer am Oberschenkel verletzt: "Der Staat muss sich drum kümmern. Man spielt gerade mit unserem Eigentum." Außerdem ärgere er sich darüber, dass die Entschädigungen nicht dem eigentlichen Schaden entsprechen würden. "Vorher hatte die Stute einen Wert zwischen zwölf und 15 Tausend Euro. Jetzt bekomme ich noch einen Schlachtpreis von 1500 Euro." Die Tierarztkosten hätten sich, nach Strohsahls Aussage, auf 20.000 Euro belaufen. Deshalb entschloss er sich, die Stute selbst zu pflegen. Mittlerweile ist das Tier wieder einigermaßen auf den Beinen. "Die Politik endlich muss aufwachen", appelliert Werner Strohsahl.
Das ist auch Martin Filters Ansinnen: "Mir ist wichtig, dass die Landwirtschaft ein attraktiver Arbeitgeber bleibt und für sichere Arbeitsplätze sorgt. Wir gehen gut mit den Tieren um und liefern gute, regionale Produkte. Und dann sollen wir Landwirte noch die Welt retten. Das funktioniert so nicht. Es muss dringend etwas getan werden."

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