Auf dem Deichbrand zum Lebensretter werden: Typisierung auf dem Festival in Wanhöden
Bjarne Recht registriert sich zufällig als Stammzellspender auf dem Deichbrand Festival in Wanhöden und erhält drei Jahre später einen überraschenden Anruf: Seine Spende könnte einem jungen Leben aus Frankreich eine zweite Chance geben.
Bjarne Recht steht auf dem Gelände des Deichbrand-Festivals. Gegenüber des Eingangs zum Campingplatz, an dem er auf seine Kumpels wartet, befindet sich der DKMS-Stand. "Ich habe einfach die Zeit genutzt und mich da angemeldet", sagt der 23-Jährige. Dass er mit diesem Schritt einem Jungen das Leben retten wird, ahnt er nicht. Denn seine Freunde und Bekannten, die bereits registriert sind, erzählten ihm: "Die Chance, dass da was passiert, ist sehr gering." Mit dem Anruf, der 2025, also etwa drei Jahre nach seiner Typisierung folgt, rechnet Bjarne also nicht.
Mit dem Thema Stammzellspende hat er sich bis dahin nicht wirklich beschäftigt. "Ich wusste, dass man damit Krebs heilen kann, aber ich wusste nicht mal welchen", sagt er. Mit dem Thema Krebs hingegen kennt Bjarne sich ein wenig mehr aus. Seine Schwester Fenja war an Blutkrebs erkrankt, ist inzwischen aber wieder gesund.
DKMS steht für Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Sie ist eine gemeinnützige Organisation, die weltweit Menschen als Stammzellspender registriert, um Patienten mit Blutkrebs oder anderen schweren Erkrankungen eine zweite Lebenschance zu ermöglichen.

Überraschender Anruf kam erst drei Jahre später
An dem Stand beim Deichbrand geht alles ganz schnell. "Stäbchen rein, Spender sein", heißt es in dem DKMS-Werbeslogan. Und viel mehr war es laut Bjarne auch gar nicht. Später wurde ihm dann per Post noch eine Bestätigung zugesendet.
Eines Tages klingelt dann sein Handy. "Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, mir Blut abnehmen zu lassen", erzählt Bjarne. Es gäbe einen Patienten, der vielleicht seine Hilfe benötigt. Nach ein paar Tests und Gesprächen war es dann so weit. Eigentlich wollte Bjarne die Weihnachtstage mit seiner Familie in Dänemark verbringen. Doch der Termin für die Operation wurde ausgerechnet auf kurz vor Weihnachten gelegt. Für die OP blieb er in Deutschland und stieß ein paar Tage später zu seiner Familie.
"Es wird immer gesagt, dass man so viel tut. Aber eigentlich tue ich gar nichts, außer meinen Körper zur Verfügung zu stellen", meint Bjarne. "Der Rest wird von anderen gemacht." Aus seiner Stammzellspende macht er keine große Sache. "Ich habe mich in den OP schieben lassen und bin dann irgendwann wieder aufgewacht", sagt er. Angst hatte Bjarne nicht. "Ich war eher aufgeregt - und habe mich auch gefreut."

Nur wenige Informationen zum Empfänger der Stammzellspende
Nach der Entnahme des Knochenmarkes hatte Bjarne über längere Zeit Rückenschmerzen. "Sobald man den Rücken beansprucht, mit Sport oder indem man etwas hebt, merkt man es", erzählt er. "Aber inzwischen ist alles wieder weg." Für wen Bjarne die langen Wege und die Schmerzen auf sich genommen hat, weiß er nicht genau. Ihm wurden nur ein paar grobe Informationen gegeben. Männlich, zwischen drei und fünf Jahren alt, aus Frankreich. Mehr weiß Bjarne über den Jungen, dem er vermutlich das Leben gerettet hat, nicht.
Für den Jungen hat er sogar noch ein zweites Mal gespendet, am 16. Juni dieses Jahres. Dieses Mal aber ohne OP. Es war eine periphere Stammzellspende. Periphere Stammzellen werden meist genommen, weil sie einfacher zu gewinnen sind und viele Stammzellen enthalten. Knochenmark wird eher genommen, wenn es für den Empfänger, etwa bei Kindern oder bestimmten Erkrankungen, medizinische Vorteile hat. Die Ärzte entscheiden je nach Patient. Zwei Tage vorher musste Bjarne sich Spritzen in den Bauch injizieren, damit sich das Knochenmark ablöste. Am linken Arm wurde das Blut entnommen, dann wurde es gefiltert, um an das Knochenmark zu kommen, und es wurde über seinen rechten Arm wieder in Bjarnes Körper befördert.
Bjarne appelliert an alle, sich typisieren zu lassen
"Ich fühle mich gut, aber ich habe nicht dieses 'Ich habe es geschafft!‘-Gefühl", sagt er. Die Freude, etwas Gutes getan zu haben, ist dennoch groß. "Und ich hoffe, dass es sich auch lohnt und der Junge wieder gesund wird", sagt Bjarne. "Es ist ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass man jemandem das Leben gerettet hat."
An Menschen, die noch nicht registriert sind, hat Bjarne eine klare Botschaft: "Auf jeden Fall machen." Vor allem, weil es dem Spender keine großen Umstände bereite, appelliert er daran. "Man tut etwas Gutes, muss fast nichts opfern und kann sehr viel helfen", meint der 23-Jährige. Auch in diesem Jahr gibt es den DKMS-Stand beim Deichbrand. Auf dem Playground, im Bereich beim Eingang zum Infield. Wer also ein paar Minuten Zeit findet, kann sich hier typisieren lassen - und wird vielleicht irgendwann selbst zum Lebensretter.
Von Feenke Hornbostel
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.