Organische Stoffe soll in der Vergärungsanlage, die drei Landkreise Cuxhaven, Verden und Osterholz sowie die Stadt Cuxhaven betreiben wollen, verarbeitet werden. Foto: Armin Wiegel / dpa
Organische Stoffe soll in der Vergärungsanlage, die drei Landkreise Cuxhaven, Verden und Osterholz sowie die Stadt Cuxhaven betreiben wollen, verarbeitet werden. Foto: Armin Wiegel / dpa
Gemeinsame Verwertung

Bioabfall: Drei Landkreise und die Stadt Cuxhaven ergreifen die Initiative

von Egbert Schröder | 16.05.2024

Sie ziehen gemeinsam an einem Strand: Drei Landkreise und die Stadt Cuxhaven wollen bei der Bioabfall-Verwertung gemeinsame Sache machen. Jetzt steht der Zeitplan. Aber was kostet das den Gebührenzahler?

Manchmal dauert es halt etwas länger: Bereits 2020 unterzeichneten die Landkreise Cuxhaven, Osterholz-Scharmbeck und Verden sowie die Stadt Cuxhaven eine Vereinbarung, um gemeinsam eine sogenannte "Vergärungsanlage" für Bioabfälle zu betreiben. Eine Anlage im großen Stil: Es geht um eine Menge von rund 40.000 Tonnen im Jahr. Ein Projekt, das auch dem Klimawandel Rechnung tragen soll. Doch vor 2027 wird es wahrscheinlich keinen "Regelbetrieb" geben.

Christof von Schroetter ist Chef von "KENN" (Kommunale Entsorgungsanstalt Nord-Niedersachsen). Seine zentrale Aufgabe ist es, das gemeinsame Projekt der drei Landkreise und der Stadt zu forcieren. Und dieses Ziel lautet: Der in diesen Regionen gesammelte Bio-Abfall soll in einer gemeinsam betriebenen Vergärungsanlage  behandelt werden, um daraus klimaschonend und nachhaltig Produkte herzustellen und zu vermarkten.

"Energetische Potenziale nutzen"

Bei der Vertragsunterzeichnung hieß es: "Statt der bisher verbreitet noch üblichen einfachen Kompostierung in offenen Mieten wollen die drei Landkreise und die Stadt Cuxhaven neben der Herstellung von hochwertigem Kompost zukünftig auch die energetischen Potenziale aus den Bioabfällen nutzen. Dazu bedarf es einer modernen Bioabfallvergärungsanlage. Das bei der kontrollierten Vergärung von Bioabfällen in einer solchen Anlage gewonnene Gas kann zu Bio-Erdgas aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden. In einem weiteren Schritt kann aus dem Biogas Bio-Wasserstoff, also grüner Wasserstoff, gewonnen werden." 

Die Absicht besteht immer noch, doch der Gesetzgeber hat vor der konkreten Umsetzung natürlich noch ein strikt einzuhaltendes Regelwerk hinsichtlich der Genehmigung gesetzt.  So mussten von Schroetter und sein Team zahlreiche Unterlagen liefern, um eine Betriebsgenehmigung zu erhalten.

Dort sieht er jetzt - so der Fachmann im Umwelt- und Finanzausschuss des Kreistages - aber Licht am Ende des Tunnels. Er geht davon aus, dass die prognostizierten Mengen von 40.000 Tonnen pro Jahr ab 2027 im Entsorgungszentrum in Pennigbüttel (Landkreis Osterholz-Scharmbeck) angeliefert und verarbeitet werden können.

Im Oktober Genehmigung?

Das Antragsverfahren habe rund zwei Jahre gedauert, bis nunmehr die Zielgerade erreicht sei. Er rechne mit der endgültigen Genehmigung im Oktober dieses Jahres: "Ende 2024 gibt es vielleicht schon den ersten Spatenstich", teilte er den Ausschussmitgliedern im Cuxhavener Kreishaus mit. Die vorläufige Inbetriebnahme sei - so der aktuelle Stand - im Laufe des Jahres 2026 angepeilt. Die Anlieferungen aus den vier Gebietskörperschaften könnten dann 2027 erfolgen.

Die Frage, ob denn die Kapazitäten der Anlage ausreichen würden, beantworte von Schroetter mit "Ja". Bis zu 50.000 Tonnen seien möglich und vor diesem Hintergrund auch eine mögliche Beteiligung des Landkreises Rotenburg prinzipiell (zumindest teilweise) noch möglich. Große Erweiterungsmöglichkeiten sieht er am vorhandenen Standort allerdings nicht.

Was bedeutet das für den Gebührenzahler?

Zugleich verwies er auf die bereits jetzt prognostizierten Potenziale einer solchen Anlage, die gerade im Bereich der Wasserstoffnutzung vorhanden seien. Er gehe von einer CO2-Entlastung in einer Größenordnung von 2700 Tonnen pro Jahr aus, wenn die Anlage in Betrieb genommen wird.

Bleibt die Frage, was das den Gebührenzahler kostet. Und diese Frage stellte Gunnar Böltes (SPD). Das ließe sich noch nicht im Detail beantworten, so von Schroetter und hänge von den Baukosten und den Ausgaben beim laufenden Betrieb ab. Böltes gab sich mit der Antwort zufrieden und sieht die Anlage als "gute Entscheidung" im Sinne des Klimaschutzes. Widerspruch gab es in den Ausschüssen nicht.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Super-Junior-Forscher

"Nehmt euer Leben in eure Hand"- Schüler im Kreis Cuxhaven für Arbeiten ausgezeichnet

von Märthe Werder

In Otterndorf wurden junge Talente bei der Preisverleihung "Cuxhaven sucht Super-Junior-Forscher" für ihre Projekte in den Mint-Fächern geehrt. Die Veranstaltung des Rotary Club mit der Leonhardt-Stiftung fördert Schülerinnen und Schüler.

Keine Verletzten

Brand an Sporthalle der Oberschule Bederkesa: Landkreis Cuxhaven nennt die Ursache

Ein Feuer in der Sporthalle der Oberschule Bederkesa hätte schlimme Folgen haben können, doch dank schneller Reaktionen blieb der Schaden minimal. Nun gibt es Neuigkeiten zur Brandursache.

Einsatz im Kreis Cuxhaven

Medikamente manipuliert? Mann aus Geestland unter Mordversuch-Verdacht

von Redaktion

Ein Polizeieinsatz mit Folgen in Geestland (Kreis Cuxhaven): Ein Mann steht unter Verdacht, seine Ehefrau töten zu wollen. Ermittlungen ergaben, dass er Medikamente manipuliert haben soll. Die Justiz ermittelt.

Private Paradiese

Offene Gartenpforte im Kreis Cuxhaven: Diese grünen Oasen begeisterten die Besucher

von Christian Mangels

Blühende Bauerngärten, weitläufige Parkanlagen und versteckte Gartenjuwelen hinter alten Mauern: Bei der "Offenen Gartenpforte" lassen sich kleine Paradiese entdecken. Der Auftakt am Sonnabend stand jedoch unter keinem guten Wetterstern.