In seinem Buch "Der Teufel muss mich geritten haben, erzählt Emil Vözmann von seinem Leben. Foto: Keck
In seinem Buch "Der Teufel muss mich geritten haben, erzählt Emil Vözmann von seinem Leben. Foto: Keck
Viele Anekdoten parat

Gewitzt und clever: Dieser Cuxhavener feiert heute seinen 100. Geburtstag

von Redaktion | 06.04.2023

Vor 100 Jahren, am 6. April 1923, wurde Emil Völzmann in Altenbruch geboren. Er erlebte Krieg, Gefangenschaft und Liebe. Am Donnerstag feiert er seinen 100. Geburtstag und hält so einige freche und amüsante Anekdoten parat.

Gewitzt, clever und charmant beschreibt den rüstigen Senior wohl am besten. Daneben ist Emil Völzmann jedoch auch für seine freche Art bekannt. Wenn ihm etwas nicht passt, bringt er das auch direkt zum Ausdruck - und hierbei ist es ganz egal, wer vor ihm steht. Nicht einmal vor Generälen beim Heer machte er Halt. Doch genau diese Eigenart hinterließ Eindruck bei den Vorgesetzten: "Das imponiert mir, dass Sie so clever sind", hieß es dann auch schon mal.

Seine Cleverness zeigte sich unter anderem, als der gelernte Maurer 1942 während des zweiten Weltkrieges in die Ukraine eingezogen wurde. Dort sollte er im tiefsten Winter zusammen mit anderen Handwerkern ein zersprengtes Warengleis reparieren. "Da gehst du gar nicht erst hin", dachte sich Völzmann und meldete sich als Zimmermann, um die Fabrikhalle, die für die Zeit als Unterkunft dienen sollte, wieder wohngerecht zu machen. "Ich bin nicht ein einziges Mal zum Gleisbau gegangen. Die anderen waren durchgefroren und ich saß schön im Trockenen."

Den deutschen Arzt überredet

1945 kam der Altenbrucher in Tschechien in Gefangenschaft. Dort sollte er im Bergbau arbeiten. Doch das wollte der damalige Mittzwanziger nicht. Er meldete sich bei einem deutschen Arzt, der ihn schachtuntauglich schreiben sollte. Dieser weigerte sich zunächst. Aber Völzmann überredete ihn schließlich.

So landete er bei einer Baufirma - und auch hier legte er sich mit einem Vorgesetzten an. Beim Bauführer beschwerte sich Völzmann lauthals über den Verpflegungsstand der zwölf Gefangenen: "Lassen Sie die Leute doch essen! Wissen Sie überhaupt, was Essen ist?" Daraufhin meldete sich der Bauführer: "Wie heißt du mit Vornamen? Du kannst meinen Stellvertreter machen. Ich hab noch einige Baustellen, da machst du mir dann die Aufsicht", erinnert sich Völzmann an die damaligen Worte. Das Angebot ließ sich der Maurergeselle nicht entgehen. "Dann hab ich gar nicht mehr gearbeitet", erzählt er schmunzelnd.

Er gesteht sich ein, dass die anderen Gefangenen vermutlich ein wenig böse auf ihn gewesen sein könnten. Lieber saß er auf der Arbeit herum und las Bücher. Heute hat er sogar ein eigenes Buch "Der Teufel muss mich geritten haben". Auf 600 Seiten hat seine Nichte die Anekdoten ihres Onkels niedergeschrieben.

Seiner Frau ein Angebot unterbreitet

Nach dem Krieg kehrte Völzmann zurück nach Altenbruch. Hier wollte er sein eigenes Haus bauen - mit gerade mal 500 Mark in der Tasche. Auch seine Freundin Gerda war dabei, gemeinsam mit ihrem Vater ein Haus zu bauen. Das Grundstück hatten sie bereits. Doch der heute Hundertjährige hatte eine andere Idee. Er machte seiner Gerda ein Angebot: "Du brauchst kein Haus bauen, du ziehst bei mir mit ein. Ostern verloben wir uns und im Sommer heiraten wir."

Ihr Vater durfte mit einziehen. Sein eigenes Haus war aber nicht das einzige, das Völzmann baute. "Wenn man alle Häuser, die ich je gebaut habe, abreißen würde, dann würde von Cuxhaven nicht mehr viel übrig bleiben", sagt das Geburtstagskind mit einem Lächeln im Gesicht.

1956 heiratete er seine Gerda im Deutschen Haus in Altenbruch. Gemeinsam verbrachten die beiden 46 schöne gemeinsame Jahre, ehe seine Frau 2002 starb. Gemeinsam adoptierten sie eine Tochter. Seit zwei Jahren lebt Völzmann nun im Pflegeheim - so lange pflegte ihn seine Tochter in seinem eigenen Haus - und feiert dort heute seinen 100. Geburtstag.

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