Hemmoor feiert sein erstes Festival für Kinder und Jugendliche auf dem Rathausplatz
In Hemmoor gehörte der Rathausplatz einen Tag lang den jungen Menschen. 400 Gäste kamen zum ersten Kinder- und Jugendfestival. Musik, Aktionen und viele Gespräche zeigten, wie lebendig Beteiligung sein kann - und was der Jugendbeirat bewegt hat.
Der Platz vor dem Hemmoorer Rathaus wirkte an diesem Sonnabend so belebt, wie man ihn nicht alle Tage erlebte.
Geschätzt 400 bis 500 Besucherinnen und Besucher kamen zur Premiere des Kinder- und Jugendfestivals. Von 14 bis 17 Uhr gehörte der Rathausplatz zunächst den Kindern, anschließend übernahmen bis 22 Uhr die Jugendlichen. Zwischenzeitlich waren sogar so viele Menschen auf dem Gelände gewesen, dass die große Hüpfburg gesperrt werden musste, erzählte Oliver Wachtel vom Jugendzentrum des Paritätischen.
Ein Rathausplatz voller Vereine, Musik und Ideen
Hinter der Premiere stand der Kinder- und Jugendbeirat, mit Unterstützung durch die Stadt Hemmoor. Rund um das Rathaus beteiligten sich Vereine, Einrichtungen und Initiativen aus Hemmoor und der Region. Philip Schultz vom JUZ war im Bereich Beteiligung unterwegs. Es ging um Rückmeldungen zur Arbeit des Kinder- und Jugendbeirates und um die Frage, wie junge Menschen künftig besser erreicht werden könnten.
Mit "Place M" gibt es dafür ein Beteiligungsformat, das ausdrücklich auch diejenigen erreichen sollte, die nicht auf Instagram unterwegs sind. Auch ein weiteres Medium wurde ausprobiert: Direkt beim ersten Kinder- und Jugendfestival entstand ein Podcast.
Das alles gehörte zu einem größeren Vorhaben. Hemmoor wurde erneut das Siegel "Kinderfreundliche Kommune" für weitere drei Jahre verliehen. Die Stadt nimmt seit 2019 an dem Programm teil und war 2022 erstmals ausgezeichnet worden. Getragen wird das Vorhaben vom Verein Kinderfreundliche Kommunen. Grundlage für die Verlängerung war der zweite Aktionsplan der Stadt.
17 Maßnahmen - und ein Kinderrechteplatz
17 Maßnahmen umfasst der zweite Aktionsplan. Dazu gehörten der Vorrang des Kindeswohls und eine bessere Verkehrssicherheit im Umfeld der Schulen. Auch der Rad- und Schulwegeplan gehört dazu. Unter Beteiligung von Kindern der Grundschule Althemmoor soll er nun bis 2028 umgesetzt werden.
Die für Hemmoor zuständigen Sachverständigen Sophie Berndt und Juliane Krause hatten den geplanten Kinderrechte-Platz bei der Verlängerung des Siegels ausdrücklich hervorgehoben. Ihnen sei keine andere Kommune bekannt, in der so etwas geplant sei. Kinderrechte sollen damit einen sichtbaren und niedrigschwelligen Ort im öffentlichen Raum bekommen.
Bürgermeisterin Sabine Wist sieht in der Siegelverlängerung eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges.
"Das Beste ist, dass Kinder auf uns zukommen und alle sehen: Die machen wirklich etwas", sagte Jasmin aus dem Kinder- und Jugendbeirat. "Sorgt dafür, dass eure Kinder rausgehen", lautete ihr Appell an die Eltern. Jeden Montag seien die Mitglieder im Jugendzentrum. "Wenn ihr Fragen habt, beantworten wir sie euch."
Aus einer Idee wurde ein Festival mit Hunderten Gästen
Dass aus der Idee tatsächlich ein Festival dieser Größenordnung wurde, lag nicht allein am Kinder- und Jugendbeirat. Die Weser-Elbe-Sparkasse unterstützte die Veranstaltung finanziell. Geschäftsstellenleiterin Kerstin Tiedemann war am Sonnabend selbst dabei.
Ein besonderer Dank ging außerdem an Ulrike Beckmann. Allein die Absprachen im Vorfeld hätten sich gefühlt auf "100 Stunden WhatsApp-Nachrichten" summiert, so Leo Stelling, der Vorsitzende des Beirats. Und auch ohne den Paritätischen, dessen Mitarbeiter und die Räumlichkeiten wäre die Arbeit ebenfalls nicht möglich gewesen.
Um 17 Uhr wechselten schließlich nicht nur das Programm, sondern auch das Publikum. Das Kinderfestival war vorbei, das Jugendfestival begann. Backstreet Motel stand wenig später bei seinem ersten Auftritt auf der Bühne. Vor der Band standen Jugendliche in selbst entworfenen Fan-Shirts und verlangten nach einer Zugabe.
Für einen Tag zeigte Hemmoor, wie eine Stadt aussieht, wenn Kinder und Jugendliche nicht nur mitgemeint sind, sondern tatsächlich Platz bekommen.
Und der Kinder- und Jugendbeirat kann nach seiner ersten Festival-Premiere auf etwas sehr Konkretes blicken: einen vollen Rathausplatz und eine Veranstaltung, die es in Hemmoor vorher nicht gegeben hatte.
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