In Hemmoor bringt Leo Stelling die Wünsche Jugendlicher in die Politik
In Hemmoor vertritt der 18-jährige Leo Stelling die Interessen junger Menschen. Als Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirates spricht er mit Politik und Verwaltung, organisiert Projekte - & hat dabei sogar seine Begeisterung für Behörden entdeckt.
Wenn Leo Stelling über Hemmoor spricht, dauert es nicht lange, bis Begriffe wie Engagement, Jugendzentrum, Verwaltung und Politik fallen. Für den 18-Jährigen sind sie längst Teil seines Alltags. Während andere in seinem Alter vor allem überlegen, was nach der Schule kommen soll, sitzt Stelling in Sitzungen, spricht vor politischen Gremien und versucht, die Interessen junger Menschen einzubringen.
Er ist Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirates der Samtgemeinde Hemmoor. Eine Aufgabe, die für ihn vor wenigen Jahren noch ziemlich weit weg gewesen wäre. "Hätte man mir vor zwei Jahren gesagt, dass ich mal vor Gremien, Stadtrat und Samtgemeinderat sprechen werde, hätte ich ihn vermutlich für verrückt erklärt", sagt er.
Aus einer Ideenwerkstatt wird ein Beirat
Der Weg dorthin begann auf der Cuxland-Ausstellung. Dort wurde Stelling im Rahmen eines Beteiligungsprojektes angesprochen. Gemeinsam mit Freunden nahm er anschließend an einer Ideenwerkstatt teil. Junge Menschen sollten sagen, was sie sich für ihre Samtgemeinde wünschen.
Aus der Gruppe entstand schließlich der Wunsch nach etwas Dauerhaftem: einem eigenen Gremium für Kinder und Jugendliche. 2025 konstituierte sich der Kinder- und Jugendbeirat der Samtgemeinde Hemmoor. Stelling wurde zum Vorsitzenden gewählt.
An seine erste öffentliche Sitzung erinnert er sich noch gut. Nach dem dritten Tagesordnungspunkt stand seine Wahl fest - und plötzlich musste er die Sitzung übernehmen. "Ich hatte anfangs keine Ahnung, wie ich überhaupt starten soll." Nach ein, zwei Sätzen habe es dann funktioniert.
Dass er den Vorsitz übernehmen wollte, hatte mehrere Gründe. Stelling sagt von sich, früh gelernt zu haben, Verantwortung zu übernehmen und Projekte zielgerichtet umzusetzen. Vor allem macht ihm die Arbeit mit Menschen Spaß. Gespräche führen, Ideen entwickeln, Projekte voranbringen. Und er hat etwas entdeckt, das für einen Schüler eher ungewöhnlich klingen mag: seine Begeisterung für Verwaltungsarbeit.
Mehr als ein Gremium auf dem Papier
Der Kinder- und Jugendbeirat soll dabei nicht nur ein Gremium auf dem Papier sein. Jeden ersten Montag im Monat sind seine Mitglieder im Jugendzentrum "B4" anzutreffen.
Was Jugendliche beschäftigt, lässt sich nach Stellings Erfahrung nicht auf ein Thema reduzieren. Mal geht es um Schule und Politik, mal um Freundschaften und Freizeit. Einige wünschen sich freies WLAN, andere Leih-E-Scooter oder mehr Grünflächen. Und manchmal geht es auch einfach darum, wann das nächste FIFA-Spiel erscheint.
Erwachsene hätten beim Thema Jugend dagegen schnell Handynutzung und soziale Medien im Kopf, beobachtet Stelling. Jugendliche selbst hätten jedoch ganz eigene Vorstellungen davon, was für sie wichtig ist.
Dass ihre Ideen Gehör finden können, hat der Beirat bereits erlebt. Als Beispiel nennt Stelling das Kinder- und Jugendfestival. Die Idee entstand bei einem gemeinsamen Workshop mit Vertretern aus Verwaltung und Politik. Später erhielt der Beirat grünes Licht für die Planung. Für Stelling zeigt das, dass Jugendbeteiligung mehr sein kann als ein gut gemeintes Versprechen.
Früh übt sich
Engagement begleitet ihn allerdings schon länger. Als Kind nahm er an Kinderfreizeiten teil, später übernahm er selbst als Teamer Verantwortung für Gruppen und plante Aktionen. Hemmoor und vor allem die Menschen dort hätten ihn geprägt. Er ist hier aufgewachsen und hat Vereine und Organisationen zunächst als Teilnehmer und später als Engagierter kennengelernt.
Das zeigt sich auch, wenn Stelling nach einem Ort gefragt wird, den er jemandem zeigen würde, der Hemmoor nicht kennt. Seine erste Wahl wäre nicht der Kreidesee.
Früher hätte er wohl den Jugendraum Warstade ausgewählt. Dort verbrachte er viel Zeit und gestaltete gemeinsam mit anderen Jugendlichen und Diakon Detlef Dormeyer die Räume mit. Sie strichen, bauten Möbel und verbrachten dort viele Stunden. Heute würde er zuerst das Jugendzentrum B4 zeigen.
Für ihn zeigt das Gebäude, was in Hemmoor für junge Menschen möglich ist: vom Cafébereich über Räume für Gruppen bis zu Möglichkeiten, eigene Ideen einzubringen.
Trotzdem sieht er Lücken. Von Jugendlichen höre er immer wieder den Wunsch nach einem kostenlosen Ort, an dem sie sich auch am Wochenende ungestört treffen können. Insgesamt hält Stelling Hemmoor mit Jugendzentrum, Skaterpark und Heidestrandbad aber für gut aufgestellt.
Nicht jede Idee lässt sich umsetzen
Wer sich öffentlich engagiert, bekommt nicht nur Zustimmung. Auch das hat Stelling als Vorsitzender gelernt.
Die Zusammenarbeit mit Verwaltung, Politik und Jugendzentrum beschreibt er als eng und unkompliziert. Er sei jedoch auch schon enttäuscht gewesen von Reaktionen aus der Öffentlichkeit. Wichtig sei ihm konstruktive Kritik. "Hinter den Projekten stehen Jugendliche, die neben Schule, Prüfungen, privaten Verpflichtungen und teilweise Nebenjobs ihre Freizeit investieren."
Mit Kritik umzugehen, müsse auch er noch lernen. Gleichzeitig weiß Stelling, dass der junge Beirat nicht alles richtig machen wird. Und noch etwas gehört zur politischen Beteiligung: Nicht jeder Wunsch kann verwirklicht werden.
Stelling selbst hat durchaus große Wünsche. Könnte er für einen Tag unabhängig von Geld und politischen Mehrheiten entscheiden, würde er zuerst bei Kindern ansetzen. Essen und Schulmaterialien sollten so finanziert werden, dass die wirtschaftliche Situation einer Familie nicht darüber entscheidet, was einem Kind zur Verfügung steht.
Auch dem Ehrenamt würde er mehr Anerkennung verschaffen. Denn für Stelling ist vieles von dem, was Hemmoor ausmacht, nur möglich, weil Menschen bereit sind, dafür ihre Freizeit einzusetzen.
Ein Blick in die Zukunft
Zunächst steht für ihn allerdings das Abitur an. 2027 will er seinen Abschluss machen. Danach zieht es ihn ausgerechnet in den Bereich, den er durch seine Arbeit im Beirat näher kennengelernt hat. Stelling hat sich für ein duales Studium der Verwaltungswissenschaften beworben.
Seine ehrenamtliche Arbeit möchte er trotzdem fortsetzen. Und wenn er in zehn Jahren zurückblickt? Dann würde Stelling gerne sehen, dass es den Kinder- und Jugendbeirat noch immer gibt. Dass andere Jugendliche übernommen haben, was seine Generation aufgebaut hat, und aus den ersten Erfahrungen gelernt haben.
Für ihn wäre das wohl der größte Erfolg: wenn Jugendbeteiligung in Hemmoor irgendwann so selbstverständlich ist, dass es niemanden mehr überrascht, wenn ein 18-Jähriger im politischen Gremium das Wort ergreift.
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