Die "Kreuze ohne Haken" konnten beim Wochenmarkt auf dem Hemmoorer Rathausplatz erworben werden und sollen künftig auf zahlreichen Grundstücken oder an Häusern zu sehen sein. Foto: Schröder
Die "Kreuze ohne Haken" konnten beim Wochenmarkt auf dem Hemmoorer Rathausplatz erworben werden und sollen künftig auf zahlreichen Grundstücken oder an Häusern zu sehen sein. Foto: Schröder
Aktionen auch an der Oste

"Omas gegen Rechts": Wie Hemmoor gegen rechtsextreme Unterwanderung kämpft

von Egbert Schröder | 26.07.2024

Die Initiative "Omas gegen rechts" ist nun auch in der Hemmoorer Region aktiv und über rechtsextreme Tendenzen und völkisches Denken informieren. Beim Wochenmarkt stellte sich die neue Gruppe vor und brachte auch gelb-pinke "Kreuze ohne Haken" mit.

Die erst vor wenigen Jahren bundesweit gegründete Bewegung "Omas gegen rechts" erhält immer mehr Zulauf - so auch in der hiesigen Region. Gab es bereits Gruppen in Bremerhaven und Stade, so schlossen sich in diesem Jahr auch Cuxhavenerinnen zusammen, um öffentlich gegen rechte Tendenzen Stellung zu beziehen und zu informieren, wie groß die Bedrohung für die Gesellschaft ist.

Vernetzung mit
anderen Gruppen

Dabei gibt es kein Scheuklappendenken hinsichtlich der Aktionen und Vorgehensweisen, sondern vielmehr eine Vernetzung mit anderen Akteuren, die ebenfalls davor warnen, die Warnzeichen für Rechtsextremismus mitten in der Gesellschaft zu unterschätzen.

Zu diesen Mahnern zählt auch die Gruppe "beherzt" aus dem Raum Lüchow Dannenberg, Uelzen, Celle und Lüneburg. Die Gruppe, die unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt wird und erst im Juni den mit 10.000 Euro dotierten "Julius-Rumpf-Preis" für ihr Engagement entgegengenommen hat, widmet sich einer ganz speziellen Thematik.

"Völkische Siedler"
entlarven

Dabei geht es um die schleichende Unterwanderung von Dörfern im Kreis Uelzen und benachbarten Regionen durch rechtsextreme "völkische Siedler". Der niedersächsische Verfassungsschutz stuft die völkischen Siedler als "gefestigte Rechtsextremisten" ein. Ihre Vorgehensweise: Abseits der Städte würden sie sich in der Provinz nach Darstellung des Verfassungsschutzes "eine naturorientierte, ländliche und kleinbäuerliche Lebensweise" aufbauen. Dies geschehe auf der Grundlage einer "völkisch-nationalistischen Ideologie mit rassistischen und antisemitischen Elementen".

Die Fassade
täuscht häufig

Doch die Gesinnung trauen ihnen viele Mitmenschen gar nicht zu, da sie sich unter anderem bei gesellschaftlichen Ereignissen im Ort aktiv einbringen, freundlich und hilfsbereit ihre Mitarbeit anbieten und auch in der Schule und Vereinen Positionen besetzen. Ihre Zahl nehme zu, denn vermehrt würden die Anhänger ihrer Ideologie und Lebensweise in ländliche Bereiche ziehen, wo sie kostengünstig größere Häuser und Höfe mit Nebengebäuden kaufen und diese als Rückzugsräume für das Ausleben ihres völkischen Gedankengutes nutzen.

Die Gruppe "beherzt" versucht diese Unterwanderung dörflicher Strukturen durch völkisches Gedankengut zu stoppen oder einzudämmen. Dafür benötigen die Aktivisten Hilfe: Den Appell zu mehr Wachsamkeit richten sie nicht zuletzt an Immobilienbesitzer, beim Verkauf ihres Hauses oder Hofes genau hinzusehen, mit wem sie es zu tun haben. Dabei gibt die Gruppe "beherzt" auch Hilfestellung.

Kreuz als
sichtbares Zeichen

Von ihr stammt zudem die Idee, gelbe und pinkfarbene Kreuze mit der Aufschrift "Kreuz ohne Haken - für Vielfalt" aufzustellen. Solche Kreuze konnte man auch beim Wochenmarkt in Hemmoor erwerben und mit den Marktbesuchern ins Gespräch kommen. Angesichts des Wetters war die Resonanz noch überschaubar, doch das entmutigt Martina Kleinwächter, die die Gründung der "Omas gegen rechts"-Gruppe in Hemmoor mit vorangetrieben hat, nicht. Sie ist überzeugt davon, dass das Thema "Vielfalt und Offenheit" in der Gesellschaft mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

Wer sich mit der Gruppe an der Oste in Verbindung setzen möchte, kann eine E-Mail unter omasgegenrechts-hemmoor@gmx.de senden oder sich im Internet unter www.omasgegenrechts-nord.de informieren.

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Egbert Schröder

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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