Ein Bild der Zerstörung bietet sich Feuerwehrleuten, die am Mittwoch nach wie vor an der Brandstelle im Einsatz sind. Foto: Jürgen Lange
Ein Bild der Zerstörung bietet sich Feuerwehrleuten, die am Mittwoch nach wie vor an der Brandstelle im Einsatz sind. Foto: Jürgen Lange
Was wird aus den Beschäftigten?

Verheerendes Feuer in Hemmoor: Fleischerei-Betreiber kämpft um Neustart

von Kai Koppe | 05.06.2025

Die bisherige Betriebsstätte im Stadtteil Warstade war bei einem Feuer stark zerstört worden. Hemmoorer reagierten bestürzt, so auch Bürgermeisterin Sabine Wist: In den kommenden Tagen sei "vielleicht ein bisschen Nachbarschaftshilfe angesagt".

Am Tag danach standen viele Menschen in der Samtgemeinde noch immer unter dem Eindruck eines verheerenden Großbrandes. Das Feuer hatte am Dienstag einen Fleischereibetrieb im Stadtteil Warstade in Schutt und Asche gelegt. Was aus den mehr als 40 Beschäftigten wird, gehörte zu den drängenden öffentlich diskutierten Fragen, auf welche die Geschäftsleitung indirekt Antwort gab: Sie signalisierte, weitermachen zu wollen.

In den Sozialen Netzwerken hatte sich der Bio-Fleischereibetrieb noch am Abend des Brandtages an Kundinnen und Kunden gewandt: Das Unternehmen werde bis auf Weiteres nicht auf den Wochenmärkten in der Region vertreten sein können, heißt es in besagter Nachricht, aus welcher sich allerdings auch eine positive Botschaft herauslesen ließ: Ungeachtet der durch den Brand vernichteten Werte strebt die Firmenleitung offenbar einen Neustart an.

Hoffnungszeichen auf Facebook

"Weiter suchen wir derzeit neue Räumlichkeiten um die Produktion wieder auf die Beine stellen zu können", heißt es in der auf Facebook veröffentlichten Erklärung. Die Autoren bedanken sich dort ausdrücklich für die ihnen entgegengebrachte Anteilnahme, aber auch für den selbstlosen Einsatz der Helfer - insbesondere für das Engagement von circa 300 Feuerwehrleuten, die nicht nur aus dem Gebiet der Samtgemeinde Hemmoor, sondern auch aus der Nachbarschaft, etwa aus Hadeln und dem Kreis Stade angerückt waren. 

Mit Manpower, einer Schlauchleitung bis zum Kreidesee und mit großem persönlichem Einsatz hatte sich das Feuer schließlich unter Kontrolle bringen lassen, die Betriebsstätte allerdings wurde so stark zerstört, dass dort derzeit nicht mehr gearbeitet werden kann. Obwohl sie im buchstäblichen Sinne "auf der Straße" stehen, dürfte das Auskommen unter den Angestellten der Bio-Fleischerei vorerst gesichert sein. Das erklärte auf Nachfrage hin die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Zeit für "ein bisschen Nachbarschaftshilfe"

"Solch ein Brand ist ein typischer Fall, der vom Betriebsrisiko abgedeckt wird", sagte Jan Kleine, Gewerkschaftssekretär in der Region Bremen-Weser Elbe. Zum Betriebsrisiko gehört, Löhne über einen zumutbaren Zeitraum hinweg weiterzuzahlen - auch, wenn Beschäftigte aufgrund der beschriebenen Umstände ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können. Mitgliedern, die in der gegenwärtigen Situation Rat oder Informationen suchen, bot sich die NGG als Ansprechpartner an.

Hemmoors Bürgermeisterin Sabine Wist hatte nicht allein die Situation von Arbeitnehmern, sondern auch die Belange des Unternehmens vor Augen, als sie in einem Telefonat mit der CN/NEZ-Redaktion davon sprach, dass in den kommenden Tagen und Wochen "vielleicht auch ein bisschen Nachbarschaftshilfe angesagt" sei. Wie man die Bio-Fleischerei bei deren Bemühungen um einen Neuanfang unterstützen kann, werde man überlegen, sagte Wist, die aktuell dazu aufrief, den Betreibern zunächst einmal ein bisschen Ruhe zu gönnen, um den Schock des Erlebten zu verarbeiten. Wie viele andere Hemmoorerinnen und Hemmoorer sei auch sie fassungslos gewesen, betonte die Sozialdemokratin - und berichtete, dass der Brand auch an ihrem eigenen Arbeitsplatz in Neuenkirchen Tagesgespräch gewesen sei. "Ein solches Szenario habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen", räumte die Bürgermeisterin, auf das Ausmaß des Brandes und dessen Zerstörungskraft bezogen, ein.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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