Mitarbeiter von Nehlsen demonstrieren für die Einführung des öffentlichen Tarifvertrages. Foto: Verdi


Mitarbeiter von Nehlsen demonstrieren für die Einführung des öffentlichen Tarifvertrages. Foto: Verdi
Mitarbeiter von Nehlsen demonstrieren für die Einführung des öffentlichen Tarifvertrages. Foto: Verdi Mitarbeiter von Nehlsen demonstrieren für die Einführung des öffentlichen Tarifvertrages. Foto: Verdi
Streik bei der Müllabfuhr

Im Kreis Cuxhaven bleibt der Müll liegen - Tarifkonflikt bei Nehlsen spitzt sich zu

20.05.2025

Im Cuxland wird weiter gestreikt: Nehlsen lehnt den öffentlichen Tarifvertrag ab, Verdi fühlt sich ausgebootet. Eine Einigung scheint unmöglich - Leidtragende sind die Bürger, bei denen die Müllabfuhr ausfällt.

Von Jan Iven

So richtig viel scheint es zwischen dem Müllentsorger Nehlsen und der Gewerkschaft Verdi nicht mehr zu verhandeln zu geben. Verdi fordert die Einführung des öffentlichen Tarifvertrags für die Beschäftigten. Nehlsen lehnt das strikt ab. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht.

Verdi fühlt sich in Verhandlungen übergangen

Mittlerweile gibt es nicht einmal Gespräche zwischen beiden Seiten. Stattdessen wird seit einer Woche gestreikt. Leittragenden sind vor allem die Einwohner im Cuxland, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Abfall.

Dass Nehlsen die jüngsten Gespräche abgebrochen hat, empfindet man bei Verdi mittlerweile als gezielte Provokation. "Für uns sieht es so aus, als wolle die Nehlsen AG ihren Beherrschungskonzern mit allen Mitteln gewerkschaftsfrei halten", sagte Verdi-Sprecher Pit Eckert.

Die Gewerkschaft fühlt sich an den Rand gedrängt. Nach Angaben von Verdi wurde das Unternehmen parallel versuchen, ein geändertes Prämienmodell mit dem Betriebsrat zu vereinbaren - ohne die Beteiligung der Gewerkschaft.

Verdi-Sprecher Pit Eckert kritisiert diese Verhandlungstaktik als "Doppelspiel". Er interpretiert die Haltung von Nehlsen folgendermaßen: "Wir würden ja mehr bezahlen, aber nur an der Gewerkschaft vorbei." Damit wäre die Gewerkschaft nicht mehr bei den Verhandlungen dabei.

Nehlsen habe dafür bereits ein Prämiensystem für die Mitarbeiter vorgestellt. Wie das im Detail aussehen solle, sei jedoch völlig unklar, heißt es von der Gewerkschaft.

Als Reaktion darauf hatten die Beschäftigten zuletzt vor der Zentrale von Nehlsen in Bremen demonstriert. Motto: "Wir wollen einen Tarif!" Damit sollte deutlich gemacht werden, dass sich Belegschaft und Gewerkschaft nicht spalten lassen.

"Die Erwartungshaltung der Müllwerker ist, dass die Tarifpartnerschaft ernst genommen und die Tarifverhandlungen unverzüglich fortgesetzt werden", so Verdi-Sprecher Eckert.

Doch was bedeutet das nun für den Streik? Am Montag, 19. Mai, wurde der Ausstand zunächst fortgesetzt. In Teilen des Cuxlandes bleib der Müll daher liegen. Wenn es zu keinen weiteren Gesprächen mehr kommt - wonach es derzeit nicht aussieht - ist eine Fortsetzung des Arbeitskampfes nicht unwahrscheinlich.

Beim Landkreis Cuxhaven wird davon ausgegangen, dass der Müll jeweils frühestens zum nächsten regulären Termin abgeholt wird. Entgegen der bisherigen Hinweise sollten etwa die Gelben Säcke nicht mehr an der Straße gelagert werden, damit sie nicht von Tieren zerrissen werden können, teilte der Kreis mit. Stattdessen solle der nächste Termin abgewartet werden.

Nehlsen lehnt den öffentlichen Tarif komplett ab

Bei Nehlsen wird die Situation hingegen anders bewertet. "Verdi fordert eine Anbindung an den öffentlichen Tarifvertrag. Da Nehlsen kein Teil des öffentlichen Dienstes ist, kommt ein Abschluss nach diesem Tarifwerk für uns nicht in Betracht", hatte eine Sprecherin des Unternehmens mitgeteilt.

"Sofern Verdi weiterhin ausschließlich auf dem Tarif des öffentlichen Dienstes besteht, sehen wir keine Grundlage für ergebnisoffene Verhandlungen. Wir haben ein Angebot unterbreitet", so die Nehlsen Sprecherin.

Nehlsen hatte bereits darauf hingewiesen, dass eine Einführung des Tarifvertrags nur durch eine Erhöhung der Gebühren für die Kunden zu finanzieren wäre.

Letztlich machen sich beide Seiten gegenseitig für die verfahrene Situation verantwortlich. Eine neue Verhandlungsrunde ist nicht absehbar. Damit stehen die Zeichen wohl weiter auf Streik.

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