Bevölkerung und Medien reagierten erleichtert auf die Nachricht, dass der Polizei der Bahn-Erpresser Roy Clark ins Netz gegangen war. Foto: CN/NEZ-Archiv
Bevölkerung und Medien reagierten erleichtert auf die Nachricht, dass der Polizei der Bahn-Erpresser Roy Clark ins Netz gegangen war. Foto: CN/NEZ-Archiv
Interview

Krimi: Wie aus einem Altenbrucher Familienvater der Bomben-Attentäter Roy Clark wurde

von Christian Mangels | 21.08.2023

Der Mann hat sich auf Abgründe spezialisiert: Krimi-Autor Jürgen Ehlers hat einen Roman über den Eisenbahn-Erpresser Roy Clark aus Cuxhaven-Altenbruch geschrieben. Wir trafen ihn am Rande einer Lesung in Bad Bederkesa zum Interview.

Eine Art modernen Hauptmann von Köpenick sahen die einen in ihm, dem es immer wieder gelang, die Polizei an der Nase herumzuführen. Für die anderen war er ein skrupelloser Verbrecher, der es kaltblütig in Kauf nahm, dass Menschen Gefahr liefen, ernsthaft verletzt zu werden: Alexander Hembluck aus Altenbruch, besser bekannt als "Bahn-Bomber" Roy Clark, hielt in den 1960er-Jahren den Norden in Atem. Ein Jahr lang, zwischen Dezember 1966 und Dezember 1967, erpresste der 39-jährige Kraftfahrer die Deutsche Bahn um Beträge bis zu 700.000 D-Mark. Jedes Mal unterstrich er seine Forderungen mit TNT-Sprengsätzen.

Balken unter Gleisen zwischen Bederkesa und Bremerhaven

So hob er beispielsweise im Mai 1967 auf der Bahnstrecke zwischen Bederkesa und Bremerhaven die Gleise mit einem Wagenheber an und legte Balken darunter. Glücklicherweise hatte sich der Attentäter im Fahrplan versehen. Ein Güterzug drückte das Hindernis wieder herunter, sodass kein Schaden entstand. Der voll besetzte nachfolgende Triebwagen wäre wahrscheinlich "an der Schienen-Schanze wie eine Rakete in die Luft geschossen", so ein Bahnsprecher damals.

Geowissenschaftler schreibt Jagd nach Roy Clark auf

Die Jagd nach Roy Clark hat der Autor und Geowissenschaftler Jürgen Ehlers aus Witzeeze (Kreis Herzogtum Lauenburg), spezialisiert auf historische Krimis, in seinem Roman "Fantom" aus der "Kommissar Berger"-Reihe verarbeitet. Am Rande einer Lesung in Bad Bederkesa hat unsere Redaktion mit Ehlers über seinen Roman und den Eisenbahn-Erpresser Roy Clark gesprochen.

Autor Jürgen Ehlers hat die Jagd nach Roy Clark in seinem Roman "Fantom" aus der "Kommissar Berger"-Reihe verarbeitet. Foto: Ehlers

Was hat Sie an dem Kriminalfall "Roy Clark" fasziniert?

Der Mann war ein Serientäter, dessen einzelne Aktionen nicht immer logisch waren und die sich daher schwer voraussehen ließen. Er war in drei Bundesländern aktiv, was die Arbeit der Polizei erschwert hat. Was mich vor allem gereizt hat, ist, dass dies ein Kriminalfall war, den ich als Kind sozusagen "live" durch die Zeitungsberichte miterlebt habe.

Wie und wo haben Sie für den Roman recherchiert? Wie nahe sind Sie an den Fakten dran?

Die wichtigste Quelle sind die Unterlagen, die ich im Polizeimuseum Hamburg einsehen durfte. Daher stammen auch die Informationen über die angeblichen Erlebnisse Hemblucks in Indochina. Die zweite wichtige Quelle sind die Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit. Ich war an einigen der Tatorte, unter anderem auch in Lüneburg und Bederkesa.

Wie ist Hembluck überhaupt zu dem Namen "Roy Clark" gekommen?

Der Name stammt aus einem Kriminalroman der amerikanischen Autoren J. und W. Hawkins. Der Roman ist zunächst 1958 in mehreren Folgen in der damals weit verbreiteten "Saturday Evening Post" veröffentlicht worden. Die Geschichte hieß "The Midtown Bomber". In der deutschen Übersetzung wurde daraus "Teufel am Telephon" - mit ph.

Wie wurde aus dem unauffälligen Familienvater Alexander Hembluck der Bomben-Attentäter Roy Clark?

Das ging in mehreren Schritten. Nachdem der Roman in der Bild-Zeitung veröffentlicht worden war, identifizierte sich offenbar Hembluck mit dem "Helden" des Krimis. Die ersten Erpressungsversuche liefen ins Leere. Als dann ab Dezember 1966 ernsthafte Anschläge erfolgten und konkrete Forderungen gestellt wurden, hat sich der Täter in kurioser Weise am Vorgehen des erfundenen "Roy Clark" orientiert. Das ist den ermittelnden Polizisten aber offenbar nicht aufgefallen.

Ein moderner Hauptmann von Köpenick oder ein skrupelloser Verbrecher - was sehen Sie in Alexander Hembluck?

 Ähnlich wie dem Hauptmann von Köpenick ging es auch Hembluck darum, überhaupt bemerkt zu werden. Er will die Behandlung, die er als Unrecht empfunden hatte, nicht einfach hinnehmen. Dabei geht er sehr weit und nimmt die Verletzung anderer Menschen in Kauf. Am deutlichsten sichtbar ist der Schaden, den er innerhalb der eigenen Familie angerichtet hat. Der Sohn hat diese Dinge 2017 in einem Zeitungsinterview sehr deutlich beschrieben.

Wissen Sie, was aus Roy Clark nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis geworden ist?

Er wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, nach 12 Jahren kam er vorzeitig frei. Weitere Einzelheiten weiß ich nicht.

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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