Neubau oder Sanierung: Was wird aus dem Lamstedter Schwimmbad Lambada?
Das Lamstedter Schwimmbad steht am Scheideweg: Sanierung oder Neubau? Fördermittel des Landes und eine mögliche Bundesunterstützung könnten die Zukunft sichern, doch die Zeit drängt und die Herausforderungen sind groß.
Für Johanna Kröncke war es ein Besuch mit Fingerzeig. Die Vorsitzende des TuS Eiche Stinstedt hatte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) zu Gast und machte ihr den Plan des Vereins, am Sportplatz ein Mehrzweckfeld für verschiedene Sportarten zu errichten, schmackhaft.
Eine Summe irgendwo zwischen 80.000 und 90.000 Euro braucht der 300 Mitglieder starke Verein für die Mehrzweckanlage neben dem Fußballfeld. Da kommt jede Förderung recht, ob nun von der Sportförderung des Landes oder auch von der niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, der die Innenministerin als Vorsitzende des Stiftungsrats vorsteht.
Land bietet Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro an
Um eine weitaus größere Summe geht es beim Lambada. Das Lamstedter Hallenschwimmbad stammt aus dem Jahr 1968 und ist - wir berichteten mehrfach - sehr in die Jahre gekommen. Vor allem die Technik ist inzwischen am Limit. Die "große" Lösung, ein Ersatzneubau, würde zwischen 6 und 7 Millionen Euro kosten, Geld das die Kommune allein nicht aufbringen kann. Das Land, das machte Ministerin Behrens bei ihrem Besuch in Lamstedt gegenüber Samtgemeindebürgermeister Frank Springer und dem DLRG-Vorsitzenden Hannes Blohm deutlich, könne die Maßnahme, ob Neubau oder Sanierung im Bestand, mit 1,5 Millionen Euro fördern. Es gebe einen Sanierungsstau, so Daniela Behrens, einen großen Bedarf, weil viele Bäder aus der Zeit der 1960-er Jahre stammen. 25 Millionen Euro gibt das Land jedes Jahr als Förderung für Schwimmbäder.
"Das Bad trifft das Ziel der Landesförderung", so Behrens. "Wir haben Lamstedt auf dem Zettel." Denn es handelt sich vorwiegend um ein Lehrschwimmbad. Die DLRG-Ortsgruppe, die insgesamt 780 Mitglieder zählt, erteilt im Bad Schwimmunterricht, und zahlreiche Kinder und Jugendliche aus einem großen Umkreis erhalten hier ihre Ausbildung für die Schwimmabzeichen. Das Bad ist insoweit in der Region einzigartig, weil sich der Boden auf bis zu drei Meter Tiefe absenken lässt. Nur so können die Anforderungen für Abzeichen wie Bronze, Silber oder Gold sicher erfüllt werden. Und nur so kann sich die DLRG ihren Nachwuchs an Rettungsschwimmern sichern, der in der Sommersaison beispielsweise bei den Wachdiensten auf Spiekeroog gebraucht wird.

Neubau aus eigener Kraft nicht zu stemmen
Das Problem: 1,5 Millionen Euro an Fördermitteln sind für die Börde Lamstedt zwar höchst willkommen, reichen aber bei Weitem nicht aus. Gleichwohl müsste die Gesamtfinanzierung bis Ende des Jahres stehen, um an die Landesmittel zu gelangen. Doch die Restsumme von 4 bis 5 Millionen Euro für ein neues Bad - eine freiwillige Leistung - kann die klamme Samtgemeinde nicht aus eigener Kraft schultern. Die Kommune erhält keine Bedarfszuweisungsmittel vom Land, weil ihre Einnahmen aus der Gewerbesteuer im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr hoch sind. Der Haushalt ist dennoch deutlich unterfinanziert. Über Rücklagen verfügt die Kommune nicht. Der Landkreis hat der Börde eine Haushaltsnotlage bescheinigt.
Bleibt also nur die Sanierung im Bestand, die mittelfristige Lösung für knapp 20 Jahre. Dafür könnten etwa 4,5 Millionen Euro ausreichen. Die Sanierung würde für die Erneuerung der Technik, der Innenräume, des Daches und der Gebäudeaußenhülle allerdings eine Schließung des Lambada auf unabsehbare Zeit bedeuten, mindestens mehrere Monate. Zum Vergleich: Die Sanierung der Hemmoorer "Ostewelle" hat etwa zweieinhalb Jahre gedauert. Schwimmunterricht könnte die DLRG während der Bauphase nicht erteilen - eine ganze Altersgruppe an Kindern aus der Region würde nicht schwimmen lernen können, denn Ausweichmöglichkeiten gibt es so gut wie nicht.
Mittel aus Bundesprogramm könnten Wende herbeiführen
Bleibt vielleicht noch die Wundertüte des Bundesprogramms zur Sportstättensanierung, das mit 250 Millionen Euro gefüttert ist. Hier lockt eine Förderquote von bis zu 75 Prozent. Bis Mitte Juni muss der Antrag fertig sein. Doch ist bislang unklar, nach welchen Kriterien die Mittel ausgeschüttet werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages entscheidet nach eigenem Ermessen. "Intransparent", nennt das Ministerin Behrens. "Wir müssen schauen, was realistisch ist", so Frank Springer.
Aus der Verteilung des Sondervermögens des Bundes auf die Kommunen zur Verbesserung der Infrastruktur wird die Börde zwar einen mittleren einstelligen Millionenbetrag erhalten. Der ist aber schon eingepreist - für den Erweiterungsbau der Grundschule, eine noch kostspieligere Pflichtaufgabe.