Ein Blick in die Wanderausstellung „Arp Schnitger, der Orgelbauer – Leben und Werk in Geschichte und Gegenwart“: Die Ausstellung ist derzeit in St. Severi zu sehen. Foto: Cordes
Ein Blick in die Wanderausstellung „Arp Schnitger, der Orgelbauer – Leben und Werk in Geschichte und Gegenwart“: Die Ausstellung ist derzeit in St. Severi zu sehen. Foto: Cordes
Musikalisch in Lüdingworth erlebbar

Ausstellung über Arp Schnitger: Seine Orgelbaukunst fasziniert in Otterndorf

21.04.2025

Im Rahmen einer einzigartigen Ausstellung wird die Welt des Orgelbaumeisters Arp Schnitger mit seinen legendären Instrumenten erlebbar. Jetzt macht die Ausstellung Halt in Otterndorf. Musikalisch wird es in Lüdingworth.

Er gilt als der bedeutendste Orgelbauer der Barockzeit, hat Orgeln in Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Brasilien gebaut: der Orgelbaumeister Arp Schnitger. Mit dem Land zwischen Elbe und Weser und dem nahen Hamburg ist er besonders verbunden, nicht zuletzt, weil hier seine Instrumente stehen. Derzeit macht eine Ausstellung über ihn in St. Severi Otterndorf Station. Und wer wollte, konnte sich vor einigen Tagen im Lüdingworther "Bauerndom" anhören, wie Schnitger "klingt". Denn dort befindet sich bekanntlich die Wilde-Schnitger-Orgel.

Die Orgel wurde von Ingo Duwensee in Wort und Ton vorgestellt - als Ergänzung zu der in Otterndorf noch bis 27. April zu sehenden Ausstellung "Arp Schnitger, Orgelbauer - Leben und Werk in Geschichte und Gegenwart". Die Ausstellung des Arp Schnitger Centrums in Golzwarden bei Brake wandert seit 2021 durch die so reich bestückte Orgellandschaft Norddeutschlands, um den Größten der Orgelbauer sozusagen mit Nachdruck ins Blickfeld zu rücken. Anhand von 23 teils beidseitig bedruckten Schautafeln, einer "begehbaren Orgel" und zweier Hörstationen können sich Interessierte umfassend über Schnitger, seinen Orgelbau, die Wirkungen seiner Instrumente und auch über Jahrhunderte später erfolgte Restaurierungen informieren.

Bringt Arp Schnitger "zum Klingen": Ingo Duwensee im Lüdingworther "Bauerndom" vor der historischen Wilde-Schnitger-Orgel. Foto: Cordes

Als Besonderheit der Ausstellung gilt zu Recht die "Begehbare Orgel": Tafeln mit Einblicken in das Innere der Orgel. Ganz nah ist der Fotograf Arne Wahlers ans "Objekt" gegangen, so nah wie es Besuchern von Orgelvorführungen nur selten gelingt. Ein ganz anderes, sehr aufschlussreiches Prä der Ausstellung sind fraglos die Informationen über das Umfeld des bedeutenden Orgelbauers, über seine Herkunft, die Stätten seines Wirkens und die Einflüsse auf die Orgelmusik seiner Zeit. Wenn eine der Schautafeln auf den einst in Stade wirkenden Komponisten und Organisten Vincent Lübeck verweist, hat das natürlich seinen besonderen Grund. Als Organist in Flensburg ausgebildet, trifft er in Stade auf Arp Schnitger.

Der Beginn einer lebenslangen Freundschaft

Der hat 1673 die Orgel jener Kirche fertiggestellt, an der Vincent Lübeck wirkt - an der Orgel von St. Cosmae. Für beide, Schnitger wie Lübeck, war es der Beginn einer lebenslangen Freundschaft und so vertrauensvollen wie gegenseitig sich befruchtenden Zusammenarbeit. 1683 wird Lübeck für die Erweiterung seiner Orgel durch Arp Schnitger sorgen, 1687 als Sachverständiger die berühmte Schnitger-Orgel an St. Nicolai in Hamburg abnehmen, an der er ab 1702 wirken wird. Und Arp Schnitger? Er schätzt Vincent Lübeck als "ausgezeichneten Orgelkenner".

Dass Orgelbau und Orgelmusik gewissermaßen ineinandergreifen, ist unbestritten. Denn die von Arp Schnitger vorgenommenen Erweiterungen bedeuten für den Komponisten Aufbruch in neue, reichere Klangwelten. Orgelmusik von Vincent Lübeck - sein so fantasievolles Praeludium in C - bildete denn auch den Abschluss der Orgelvorführung von Ingo Duwensee in Lüdingworth. "Orgelmusik im Umfeld Arp Schnitgers (1648 - 1719)" hatte der seit einiger Zeit wieder an den historischen Orgeln von Altenbruch und Lüdingworth tätige Kirchenmusik diesen Teil der Vorstellung genannt. Was Lüdingworth mit der Wanderausstellung zu tun hat? Ganz einfach - die Orgel dort ist nicht "nur" die Orgel von Antonius Wilde, sondern auch die von Arp Schnitger. Während am Ort der Ausstellung selbst, in St. Severi, keine Schnitger-Orgel steht, sondern eine von Dietrich Christoph Gloger aus 1741/42.

Eine spannende Orgel-Geschichte

Dass sich an der Wilde-Schnitger-Orgel von Lüdingworth eine spannende Orgel-Geschichte ablesen lässt, war Ingo Duwensees Erläuterungen unschwer zu entnehmen. Elf Register im Hauptwerk, zwei im Brustwerk und vier Stimmen im Pedal sollte die neue Orgel in St. Jakobi laut dem 1598 mit Antonius Wilde geschlossenen Vertrag haben. Der jedoch erweiterte die damals in der Nähe des Altars aufgestellte Orgel bereits auf 20 Register. Mehr als acht Jahrzehnte später fiel die Entscheidung für eine Vergrößerung der Orgel, der Auftrag ging 1682 an Arp Schnitger. Der versetzte das Instrument dahin, wo es sich heute befindet - auf die Westempore. Vergrößert wurde es zudem um zwei Pedaltürme und ein Rückpositiv mit einer dritten Klaviatur, andere Klaviaturumfänge wurden erweitert. Da Schnitger zeitgleich seinen umfangreichsten Auftrag für die Orgel in der Hamburger St. Nicolai-Kirche annahm, übertrug er einen Teil der Lüdingworther Aufgaben an seinen Mitarbeiter Andreas Weber aus Erfurt.

Mit der Vorführung einzelner Register in Hauptwerk, Brustwerk und Pedal stimmte Ingo Duwensee seine Zuhörerinnen und Zuhörer bereits auf die Klangfarben der Wilde-Schnitger-Orgel ein. Werke von Franz Tunder, Heinrich Scheidemann, Dietrich Buxtehude, Georg Böhm und Vincent Lübeck entfalteten dann im konzertanten Teil des Abends die so reiche Klang- und Formenwelt barocker Orgelmusik. Und die wurde von einem Interpreten gespielt, der durch sein langjähriges Wirken an den beiden historischen Orgeln Cuxhavens "seine" Instrumente so genau kennt wie kaum ein anderer.

Von Ilse Cordes

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