Der Wolf breitet sich weiter in Norddeutschland aus – und dringt mittlerweile auch in deichnahe Bereiche vor. Symbolfoto: Stratenschulte/dpa
Der Wolf breitet sich weiter in Norddeutschland aus – und dringt mittlerweile auch in deichnahe Bereiche vor. Symbolfoto: Stratenschulte/dpa
Wieder Nutztier-Risse

Nach dem blutigen Wolfsangriff am Deich: Beklemmung in Otterndorf ist groß

von Redaktion | 17.11.2025

Sieben tote Schafe, Fassungslosigkeit und Tränen: Wenige Tage nach dem tödlichen Wolfsangriff am Otterndorfer Deich ist die Beklemmung in der Medemstadt noch groß - und die Angst vor der nächsten Attacke steigt.

Der Wolf greift am helllichten Tag an, tötet und verletzt mehrere Schafe - dieser Vorfall am Freitagnachmittag (14. November 2025) hat bei den Menschen in der Medemstadt Spuren hinterlassen. Nicht nur bei Schäfer Falk Fuchs, der von einem "Schockmoment" spricht und sich - nach mehreren früheren Rissen - an der Grenze der Belastbarkeit sieht. Die Wolfsattacke rund einen Kilometer hinter dem Otterndorfer Ruderhaus beschäftigt Anwohner, Landwirte und Politiker nachhaltig.

"Wir Otterndorfer sind maximal alarmiert", sagt Martin Ramm, Sportwart der Ruderabteilung des TSV Otterndorf und Mitglied im Otterndorfer Stadtrat. Ramm sieht nach der Attacke auf die wolligen Vierbeiner die Deichsicherheit in Gefahr, denn die Schafbeweidung sei unverzichtbar für stabile Deiche. "Ein Eingreifen ist jetzt notwendig", meint der CDU-Politiker.

Auch Florian Heitsch, Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände Otterndorf, ist in Sorge: "Die Einschläge kommen näher." Für ihn stellt sich die Frage, woher der Wolf stammt und um welches Rudel es sich handelt.

Die meisten Schafe sind seit dem 1. November vom Deich

"Die meisten Schafe sind zum Glück bereits seit dem 1. November vom Deich", sagt Heitsch. "Doch wir fragen uns natürlich, wie es weitergeht." Er betont: "Der Landesschutzdeich ist ein essenzieller Bestandteil dafür, dass wir hier leben können. Und die Beweidung ist für den Deichschutz unerlässlich."

Bei der Deichschau Anfang November hatte Schultheiß Armin Heitmann noch erklärt: "Vom Wolf sind wir bisher zum Glück verschont geblieben." Aus seiner Sicht bringe die neue Abschussregelung nichts. "Das Bundesnaturschutzgesetz muss geändert werden, damit man den Wolf gezielt entnehmen und den Bestand regulieren kann", sagte Heitmann. Dieser Betrachtungsweise stimmt Florian Heitsch zu.

Am Otterndorfer Deich hat der Wolf sieben Schafe gerissen. Für Schäfer Falk Fuchs ist die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Foto: Fuchs

Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) spricht von einer "neuen Qualität" von Begegnungen zwischen Wolf, Mensch sowie Nutztieren. Dass der Wolf jetzt auch auf dem Landesschutzdeich wüte, sorge für Entsetzen in der Medemstadt. Er habe am Wochenende den SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Ebken gebeten, das niedersächsische Umweltministerium einzuschalten. "Es muss kurzfristig etwas passieren."

Auch Frank Thielebeule, Stadtdirektor von Otterndorf und Bürgermeister der Samtgemeinde Land Hadeln, hat am Rande des Volkstrauertags am Sonntag viele Gespräche zum Wolf geführt, unter anderem mit Landrat Thorsten Krüger: "Alle wünschen sich eine klare, verbindliche Regelung." Aus seiner Sicht sei die Situation nicht mehr haltbar, sagt Thielebeule, nicht nur in Otterndorf, sondern in der ganzen Samtgemeinde. "Der Wolf muss entnommen werden."

Im Kreis Cuxhaven häufen sich die Wolfssichtungen und die Zahl der gerissenen Weidetiere steigt. Erst vor zwei Wochen wurden in Wanna Schafe gerissen - wenige Stunden vor Ablauf einer Schnellabschussfrist. Im Oktober waren 18 Schafe auf einer Weide in Steinau dem Wolf zum Opfer gefallen. Auch im September hatte es Wolfsattacken in Steinau gegeben.

Von Jens-Christian Mangels und Tim Larschow

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