Beeindrucken das Konzertpublikum in der St. Severi-Kirche: das von Hansjörg Albrecht dirigierte Ensemble Schirokko und der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor aus Hamburg. Foto: Cordes
Beeindrucken das Konzertpublikum in der St. Severi-Kirche: das von Hansjörg Albrecht dirigierte Ensemble Schirokko und der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor aus Hamburg. Foto: Cordes
In St. Severi

Hansjörg Albrecht und Chor begeistern in Otterndorf: Mozart-Abend wird zum Ereignis

12.11.2025

Ein unvergesslicher Abend in Otterndorf: Hansjörg Albrecht entfesselt mit dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor und dem Ensemble Schirokko die volle Kraft von Mozarts Meisterwerken und begeistert das Publikum restlos.

Dass das Mozart-Requiem in einer Aufführung unter der Leitung von Hansjörg Albrecht mit Solisten, dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor aus Hamburg und dem ebenfalls in Hamburg beheimateten Ensemble Schirokko sein Publikum haben würde, war klar. Doch dass Otterndorfs St.-Severi-Kirche so gut wie keinen Platz mehr bieten würde, dürfte die kühnsten Erwartungen übertroffen haben. Und um es gleich vorwegzunehmen: Das Konzertpublikum erlebte an diesem Abend einen Mozart, wie es ihn so bislang wohl nur selten oder noch nie gehört hatte.

Hansjörg Albrecht, als Dirigent, Konzertorganist und Entdecker vergessener Komponisten inzwischen längst von beachtlichem internationalen Renomée, lässt sein Mozart-Programm an diesem Abend gewissermaßen in dessen Requiem gipfeln. Das gleichfalls erklingende Kyrie d-moll KV 341 und die Sinfonie Nr. 40 g-moll KV 543 sind eben nicht bloße "Lückenfüller", weil das Requiem für einen kompletten Konzertabend nicht reicht. Mit alldem, was sie musikalisch aussagen, sind sie vielmehr - und das ganz bewusst - die Vorbereitung auf das Requiem. Für alle drei Werke ist die Moll-Tonart kennzeichnend, die Sinfonie Nr. 40 zählt zu den letzten drei Sinfonien Mozarts und das Requiem ist sein letztes Werk. Jenes Werk, das Fragment blieb.

Die Prägnanz des Hansjörg Albrecht

In St. Severi leitet Hansjörg Albrecht das Mozart-Konzert, das am Tag zuvor in der Hamburger Laeiszhalle zu hören war, mit der Ouvertüre C-Dur für Orgel ein - eine Verbeugung vor der restaurierten Gloger-Orgel und ihrem mächtigen Klang. Und mit seinem so prägnanten, ausdrucksstarken Orgelspiel verweist der Interpret zugleich darauf, dass es genau daran auch in den folgenden Programmpunkten nicht mangeln wird. Denn Albrecht ist ein Dirigent, zu dessen ureigensten Charakteristika diese Prägnanz gehört. Im Zusammenspiel mit der ihm gleichfalls eigenen höchst genauen Ausgestaltung der Details gelingen ihm geradezu mitreißende Werk-Interpretationen. So auch an diesem Mozart-Abend in Otterndorf. Chor und Orchester führt er damit zu Höchstleistungen. Und auch das war in Otterndorf zu erleben - sowohl im Kyrie d-moll wie im Requiem und in der Sinfonie.

Beifall für das Solistenquartett und den Dirigenten: (v.l.) Julia Sophie Wagner (Sopran), Nicole Pieper (Alt), Hansjörg Albrecht, Georg Poplutz (Tenor) und Daniel Ochoa (Bass). Foto: Cordes

Der bis ins Letzte ausgefeilte Chorklang des Hamburger Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chores beeindruckte dabei ebenso wie die facettenreiche Ausgestaltung, die Genauigkeit der Kontur und die Expressivität. Und zusammen mit dem all das gleichfalls realisierenden Ensemble Schirokko gelang eine wahrhaft überzeugende Interpretation. Für das Orchester, so wie es in der Kirche platziert war, übrigens keine leichte Aufgabe.

Das Requiem blieb unvollendet

Mozarts Requiem war bekanntlich schon früh von Legenden umwoben. Peter Shaffers "Amadeus"-Theaterstück, von Milos Forman später dann für großes Kino verfilmt, hat all das im 20. Jahrhundert noch beflügelt. Fakt ist: Das Requiem blieb unvollendet. Gesichert von Mozart ist der Eingangschor. Kyrie, Sequenz und Offertorium sind im Vokalsatz und Orgelbass vom Komponisten - alles andere stammt, verkürzt gesagt, von Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr. Für dessen fertiggestellte Fassung hat sich Hansjörg Albrecht für seine Requiem-Aufführung entschieden und damit auch für die ihr innewohnenden Brüche und Unebenheiten.

Das Konzertpublikum kennt vor allem diese Fassung, schätzt sie und lässt sich immer wieder von ihr beeindrucken - von den großen Chorpartien, von den Partien der Gesangssolisten. Mit Julia Sophie Wagners klarem, schlanken Sopran, Nicole Piepers geschmeidigem Alt, Georg Poplutzs hellem Tenor und Daniel Ochoas rundem, wohltönenden Bass hatte Albrecht ein hervorragendes Solistenquartett. Ihm, dem Chor, dem Orchester und dem Dirigenten galt am Ende des Abends der anhaltende, begeisterte Beifall. Der Verein zum Erhalt der Gloger-Orgel Otterndorf mit seinem Vorsitzenden Jan Hardekopf darf als Veranstalter diesen Abend ohne Frage als ein Ereignis verbuchen.

Von Ilse Cordes

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