Alt-Bundespräsident Joachim Gauck während seiner Rede nach der Verleihung des siebten Johann-Heinrich-Voß-Preises in den Otterndorfer Seeland-Hallen. Im Streben um den Erhalt der Demokratie und der offenen Gesellschaft zeigte sich der 85-Jährige kämpferisch wie eh und je. Foto: Lütt
Alt-Bundespräsident Joachim Gauck während seiner Rede nach der Verleihung des siebten Johann-Heinrich-Voß-Preises in den Otterndorfer Seeland-Hallen. Im Streben um den Erhalt der Demokratie und der offenen Gesellschaft zeigte sich der 85-Jährige kämpferisch wie eh und je. Foto: Lütt
Alt-Bundespräsident geehrt

Stetes Ringen um die Freiheit: Joachim Gauck erhält Otterndorfs Voß-Preis (mit Video)

von Ulrich Rohde | 16.05.2025

Nach zehnjähriger Pause wird der Otterndorfer Voß-Preis wiederbelebt und an Joachim Gauck verliehen, einen Mann, der nicht nur für die Freiheit kämpfte, sondern auch eine Verbindung zu einem anderen bedeutenden Mecklenburger entdeckt hat. (mit Video)

Die Stadt Otterndorf sei ihm zuvor nicht bekannt gewesen, sagte Alt-Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Replik anlässlich der 7. Verleihung des Johann-Heinrich-Voß-Preises. Doch er fühle sich hier wie zu Hause. "Sie sind sehr nah an mein Herz gelangt", sagte der 85-Jährige in seiner frei gehaltenen Rede, der die Gäste in den Seelandhallen gebannt folgten.

Das Heimatgefühl, das Joachim Gauck schon bei seinem ersten Besuch in Otterndorf entwickelt hat, hat nicht nur damit zu tun, dass der Rostocker hier gleichgesinnte Norddeutsche antraf, sondern vor allem damit, dass er hier ein Beispiel dafür vorfand, welch ein "gesegnetes Land" Deutschland sei. Denn es verfüge überall, auch in den Regionen abseits der Metropolen, über eine selbstbewusste, "aktive, gebildete und engagierte Bürgerschaft". "Das war nicht immer so", erinnerte Gauck, "schon gar nicht in der DDR". Der Grund dafür sei die Freiheit als Raum der Möglichkeiten, als wertvollste Errungenschaft dieser Gesellschaft.

Nach zehn Jahren Unterbrechung wieder Voß-Preis vergeben

Zehn Jahre lang ist der Voß-Preis nicht verliehen worden. Letzter Preisträger war 2015 Wolfgang Schäuble, damals Finanzminister im Kabinett Merkel. Rechtzeitig zur 625. Wiederkehr der Verleihung der Stadtrechte an Otterndorf wurde der Preis, vergeben durch die Weser-Elbe Sparkasse in Zusammenarbeit mit der Stadt Otterndorf und der Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft und dotiert mit 10.000 Euro, wiederbelebt. Und es hätte keinen würdigeren Preisträger als Joachim Gauck, elfter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland von 2012 bis 2017, geben können.

Das machte Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen in seiner Begrüßung vor rund 200 Anwesenden deutlich. Gauck war direkt von der Trauerfeier für die kürzlich mit 103 Lebensjahren verstorbene Margot Friedländer, Überlebende des Holocaust und bis zu ihrem Tod unermüdliche Zeitzeugin, aus Berlin nach Otterndorf gekommen. Johannßen bat im Gedenken an diese große Deutsche um eine Schweigeminute.

Teil der Bürgerrechtsbewegung in der DDR

Der Bürgermeister würdigte Gaucks Einsatz für die Demokratie als Pastor in Rostock und Teil der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Hans-Volker Feldmann, berufener Kenner des Voß'schen Werkes, wies darauf hin, dass der Übersetzer von Homers Odyssee, der zwischen 1778 und 1782 in Otterndorf als Lehrer an der Lateinschule wirkte, auch er ein Mecklenburger wie Gauck, explizit politisch zu verstehen sei. Im Sinne der Aufklärung habe Voß eine Kampfansage für Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gesendet gegen Feudalismus und Unterdrückung. Feldmann: "Wir feiern heute mit diesem Preis konkretes, kluges politisches Handeln, das durch Bundespräsident a. D. Joachim Gauck repräsentiert wird."

Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen nahm die Begrüßung zur Preisverleihung vor. Foto: Lütt
Rolf Sünderbruch, Vorstandsvorsitzender der Weser-Elbe Sparkasse. Foto: Lütt
Dr. h.c. Joachim Gauck nimmt den Voß-Preis entgegen.
Laudatorin Dr. Helga Trüpel. Foto: Lütt

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Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
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