Handwerksmeister Dennis Backer hat als Tischler seine Erfüllung im Orgelbau gefunden. Hier reguliert er gerade die Tasten der Otterndorfer Gloger-Orgel ein. Foto: Mangels
Handwerksmeister Dennis Backer hat als Tischler seine Erfüllung im Orgelbau gefunden. Hier reguliert er gerade die Tasten der Otterndorfer Gloger-Orgel ein. Foto: Mangels
Wiedereinbau

Kniffelige Puzzlearbeit: Otterndorfer Gloger-Orgel kehrt zurück an ihren Platz

von Christian Mangels | 07.07.2024

Zweieinhalb Jahre lang war die Gloger-Orgel der Otterndorfer St.-Severi-Kirche in der Werkstatt. Jetzt kehrt das fast 300 Jahre alte Kunstwerk zurück. Wie ein Puzzle werden die Einzelteile wieder zu einem klingenden Meisterwerk zusammengefügt.

Der Geruch von Holz und Fischleim liegt in der Luft. Es wird geschraubt und geleimt, gebohrt und gehämmert. Es herrscht emsiges konzentriertes Treiben auf der Orgelempore. Alle sind aufeinander eingespielt. Jeder weiß genau, was zu tun ist, um die größte Barockorgel zwischen Elbe und Weser wieder in Form zu bringen.

Mit schnellen Händen arbeiten Tischlermeister Markus Collmann und seine Kollegen, regulieren Tasten ein, drehen Schrauben und behandeln Lederdichtungen. Für einen Laien kaum vorstellbar, dass die Teile wieder alle ihren angestammten Platz finden. "Keine Sorge, wir machen das nicht zum ersten Mal", sagt Collmann.

Im Januar 2022 war die marode Gloger-Orgel abgebaut und nach Leer in die Orgelwerkstatt Ahrend gebracht worden. Dort wurden sämtliche Teile gereinigt, restauriert und - wenn nötig - ersetzt und originalgetreu nachgebaut.

Kunststoffe und Massenware gibt es nicht

Fast ausschließlich natürliche Materialien wie Massivholz, Metalle und Leder kamen bei der Orgel-Schönheitskur zum Einsatz. Kunststoffe und Massenware gibt es bei Ahrend nicht, nahezu alles erfolgt in Handarbeit, erklärt Markus Collmann. Die Tischler, Orgelbauer und Pfeifenmacher legen großen Wert auf handwerkliche Techniken, die schon die alten Meister vor gut 300 Jahren nutzten. Und diese Arbeiten sind zeitintensiv. Mehrfach musste der Zeitplan nach hinten korrigiert werden.

Aber nun ist das Finale zum Greifen nahe. Am Montag wird das klangliche Fundament der Orgel angeliefert: die mehr als 2600 Pfeifen, die zum Teil aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen. Deren Einbau wird noch einmal einige Tage in Anspruch nehmen. Mitte Juli will Orgelbaumeister Hendrik Ahrend mit der Pfeifenintonation beginnen, also der Feinjustierung des Orgelklangs im Kirchenraum.

Arno Beitelmann (vorn) hantiert mit Schafsleder und Kleber, um den Windkasten der Gloger-Orgel wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Foto: Mangels

Bis die Gloger-Orgel wieder in herrlichem Glanz strahlen und erklingen wird, werden allerdings noch einige Wochen und Monate vergehen: Die Wieder-Einweihung der Gloger-Orgel von 1742 soll am Sonntag, 20. Oktober, über die Bühne gehen.

Für Irmgard Kröncke, Vorsitzende des Vereins zum Erhalt der Gloger-Orgel Otterndorf, ist die Rückkehr des Instruments nichts weniger als ein "Jahrhundertereignis". Eine derart aufwendige Restaurierung der Otterndorfer Orgel habe es noch nie gegeben, erklärt sie. Die Wiederherstellung des Instruments kostet rund 1,8 Millionen Euro. Es ist aktuell das größte restauratorische Orgelprojekt der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Martin Böcker, der Orgelsachverständige der Landeskirche, der die Einbauarbeiten am Freitag begutachtete, verteidigt die hohen Ausgaben. Gute Qualität koste nun einmal Geld. Er gehe davon aus, dass an der Orgel nun lange Zeit nicht mehr gearbeitet werden müsse. "Die teuerste Orgel ist im Laufe der Jahre die günstigste", so Böcker. Die Restaurierungsarbeiten der Werkstatt Ahrend bewertete er mit dem Prädikat "Spitzenniveau".

Nicht nur die Orgel selbst, sondern auch die St.-Severi-Kirche wurde in den vergangenen Monaten umfangreich erneuert und saniert. Handwerker haben zuletzt den Orgelboden repariert, den Orgelaufgang instandgesetzt und Abdeckungen für die Heizung installiert. Abschließende Arbeiten an der Brüstung folgen im Herbst.

Einigermaßen schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man hoch oben auf der Orgelempore die "Königin der Instrumente" wieder zusammenbaut. Foto: Mangels

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Christian Mangels

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