Kirchenkreiskantor Kai Rudl sitzt an der frisch restaurierten Gloger-Orgel in der  in der Otterndorfer St.-Severi-Kirche.
Kirchenkreiskantor Kai Rudl sitzt an der frisch restaurierten Gloger-Orgel in der in der Otterndorfer St.-Severi-Kirche.
Musik, Menschen, Leidenschaft

Kreiskantor des Kirchenkreises Cuxhaven-Hadeln zieht die letzten Register

von Lennart Keck | 07.12.2024

Jahrzehntelang prägte Kai Rudl die Kirchenmusik im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln - nun bereitet er sich auf seinen Ruhestand im September 2025 vor. Er erzählt von seinen Anfängen, Höhepunkten und dem, was noch kommt - vor und nach der Pensionierung.

Die Finger gleiten über die Tasten, die frisch restaurierte Gloger-Orgel erklingt kraftvoll und Kai Rudl lächelt zufrieden. Jahrzehntelang hat er den Kirchenkreis Land Hadeln und ab 2013 den fusionierten Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln als Kreiskantor mit seinem musikalischen Engagement geprägt. Nun bereitet sich der 65-jährige Kirchenmusiker langsam auf seinen Ruhestand vor - aber nicht, ohne noch einmal alle Register zu ziehen.

Geboren in der Nähe von Flensburg, entdeckte Kai Rudl im Kindesalter die Liebe zur Musik. Früh merkte er, dass Musik eine Sprache ist, die ihm im Blut liegt. "In der Musik stecken Aussagen, die man nicht aufschreiben kann. Es ist wie in einem Gespräch. Es gibt Untertöne und Zusammenhänge, die sich aus dem Kontext ergeben, die aber nicht direkt schwarz auf weiß sichtbar sind." Heute spielt er allerlei Instrumente.

Neben der Musik war es das Spirituelle im Religiösen, das Kai Rudl immer als "sehr anziehend" empfand. Die Verbindung zur Musik, die Arbeit mit Menschen und das Erforschen der Dinge in ihrer spirituellen Tiefe hätten ihn schließlich zu seinem heutigen Beruf geführt.

Ab 1980 studierte er Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Hamburg. Nach Abschluss seines Studiums 1986 bewarb er sich um eine Kirchenmusikerstelle in Cadenberge - seine zweite Bewerbung überhaupt.

1990 wurde er Kreiskantor des Kirchenkreises Land Hadeln. Dort baute er im Laufe der Jahre ein umfangreiches musikalisches Angebot auf: Posaunenchöre, Kinder- und Jugendchöre oder auch den Gospelchor. Mit der Fusion der beiden Kirchenkreise zum Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln wechselte er in die Superintendentur nach Otterndorf, wo er seit 2013 als Kreiskantor tätig ist.

Die Arbeit mit Kindern war ihm immer sehr wichtig

"In Otterndorf bin ich in ein geprägtes Umfeld gekommen. Dort gab es bereits einen Gospelchor und einen Kinderchor." So widmete er sich der musikalischen Arbeit an Schulen. "Die Arbeit mit Kindern war etwas, das ich nicht missen wollte", betont Rudl. "Kinder sind unglaublich assoziativ und spontan. Als Erwachsener lernt man irgendwann, wie man sich zu benehmen hat. Kinder hingegen sind einfach direkt. Mit ihnen zu arbeiten und in ihrer Welt zu leben, ist sehr kreativitätsanregend."

Heute, wenige Monate vor seiner Pensionierung, erinnert er sich gern an die Momente seiner Laufbahn. Dazu gehört die Aufführung von Händels "Messiah" in Neustrelitz. "Dort war die Kirche nicht beheizt und wegen eines Schneesturms lag der Schnee etwa eineinhalb Meter hoch. In der Kirche herrschten Temperaturen um null Grad." Mit Hilfe von Heizgeräten konnte die Kirche für die Aufführung gerade noch auf acht Grad erwärmt werden. "Das war eine unvergessliche Geschichte."

Bis zu seiner Pensionierung im September 2025 stehen noch einige Projekte an. Ein Höhepunkt wird ein Orgelkonzert zum 625-jährigen Stadtjubiläum von Otterndorf sein, bei dem er musikalisch bis ins 15. Jahrhundert zurückgehen möchte. Ein weiteres ist der "Gesang und Rud(e)lklang" im Juli - eine karaokeähnliche Veranstaltung mit Mitsing-Charakter.  Dabei können sich die Gäste im Vorfeld alle möglichen Musikstücke wünschen - von Pop bis Schlager könne alles dabei sein, sagt Rudl.

Das nächste große Highlight ist aber wohl das bevorstehende Weihnachtsoratorium am Sonntag um 17 Uhr, die letzte Oratorienaufführung unter Rudls Leitung mit einem Chor von insgesamt 70 Personen. "Das ist auch der maximale Platz, den wir mit unserem neuen Podest ausnutzen können."

Trotz des Abschieds von der Position als Kirchenkreiskantor bleibt Rudl der Region und der Musik treu. "Ich brauche die Musik und die Arbeit mit Menschen einfach." Seinem Nachfolger wünscht er, dass er sich gut einlebt und seine Arbeit vor Ort machen kann. Ein besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Besetzung werde auf die gerade restaurierte Orgel gelegt werden, verrät er. 

Seine zweite Leidenschaft: das Drachenfliegen

In seiner Freizeit hat Rudl neben der Musik eine besondere Leidenschaft: das Drachenfliegen. "Am liebsten fliege ich in den Bergen Sloweniens oder Frankreichs. Das ist ein Gefühl von Freiheit."

Das Reisen und die Ruhe der Natur seien für ihn ein entschleunigender Ausgleich zum hektischen Berufsalltag. Auch die Region, in die ihn sein Beruf 1986 führte, empfindet er als beruhigend. Der Cadenberger hat fest vor, zu bleiben. "Ich fühle mich hier sehr wohl. Bei den Menschen und in der Landschaft. Ich habe zwar in der Stadt studiert, aber die Entschleunigung auf dem Land liebe ich sehr."

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