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Stadtschreiber Hank Zerbolesch gab bei seiner Abschiedsveranstaltung in der Stadtscheune Otterndorf Einblicke in sein Romanprojekt. Foto: Heidi Giesecke
Stadtschreiber Hank Zerbolesch gab bei seiner Abschiedsveranstaltung in der Stadtscheune Otterndorf Einblicke in sein Romanprojekt. Foto: Heidi Giesecke
Literaturstipendium

Stadtschreiber nimmt Abschied von Otterndorf - und gewährt Einblicke in neuen Roman

31.10.2026

Nach fünf Monaten im Gartenhaus am Süderwall in Otterndorf hat Stadtschreiber Hank Zerbolesch in der gut gefüllten Stadtscheune Abschied genommen. Seine Lesung zeigte, wie aus Recherche, Notizen und Figuren ein Roman entsteht.

In der gut gefüllten Stadtscheune begrüßte Ursula Holthausen im Namen der Stadt Otterndorf den Stadtschreiber Hank Zerbolesch zu seiner Abschiedsveranstaltung. "Ich freue mich, Sie heute Abend zu erleben, denn dies ist mein letzter Auftritt als Vorsitzende des Kulturausschusses", verriet sie. Bei einem zufälligen Treffen am Sonntag habe sie bereits einiges über seinen Aufenthalt erfahren: Wetterkapriolen am Meer, Regen und Sturm, leichten Budenkoller im Außenposten der Kleinstadt, aber auch Radtouren durch die Siedlungen.

"Schön, dass ihr da seid. Ich freue mich, hier gewesen zu sein, und freue mich aber auch wieder auf Zuhause", sagte der gebürtige Düsseldorfer. Er bedankte sich bei allen, die seinen fünfmonatigen Aufenthalt ermöglicht hatten. Ein Wermutstropfen sei stets das Vermissen der Menschen zu Hause.

Wenn aus Gedanken Geschichten werden

Wie entsteht Literatur? Anhand von Recherchematerial, Notizen und Textauszügen gewährte Zerbolesch Einblicke in seine Schreibwerkstatt. "Wenn ich eine Idee habe, schreibe ich die ganze Geschichte komplett runter. Sie ist der erste Akt, etwas aus dem Nichts zu erschaffen. Ich versuche, jeden Tag Fragmente aus meinem Kopf zu ziehen."

Seine Geschichte führt zurück ins Jahr 1998, als er mit 17 Jahren erstmals ein Fitnessstudio betrat. Damals sei das eine Subkultur gewesen, nicht vergleichbar mit den heutigen klinischen Räumen. 2024 erhielt er den Heydt-Förderpreis und nutzte die 5000 Euro für einen Aufenthalt in Los Angeles, einem literarischen Hotspot. Nach dem Besuch der Villa Aurora sei er überwältigt und zugleich fertig mit der Hochkultur gewesen.

Zurück in Deutschland, erhielt er ein Literaturstipendium in Goslar. Dort suchte er ein Fitnessstudio und fand eines, in dem der Schweiß von der Decke tropfte. Im Internet stieß er auf den Profi-Bodybuilder Markus Rühl, der seine Posing-Routinen mit Songs der "Böhsen Onkelz" unterlegte. Aus Rühl entwickelte sich Maik Brenner, die Hauptfigur des ersten Kapitels. Die Leseprobe entführte das Publikum in die Welt des Bodybuildings, wo Brenner sich Kniebeuge um Kniebeuge abverlangt.

Da schwitzt man mit. Personen in der ersten Fassung: Denise Zwinger-Tynek und Markus Rühl - alias Juli Greff und Maik Brenner. Foto: Heidi Giesecke

Seine Figuren entstehen beim Schreiben

"Dies ist die Blaupause meiner Arbeitsweise", erklärte Zerbolesch. "Ich weiß nie, was einläuft. Manchmal werden der Erzähler und die Hauptfigur in einen Topf geschmissen. Die Sachen passieren beim Arbeiten." Seine Lesung verband lebendige Dialoge mit eindringlichen Beschreibungen.

Auch die einflussreiche Bodybuilderin Denise Zwinger-Tynek inspirierte ihn. Im zweiten Kapitel wird sie zur Romanfigur Juli Greff, die vom Seilspringen zum Bodybuilding fand.

"Die erste Fassung ist die aufreibendste und schwierigste, weil man etwas erschafft", betonte der Autor. Ohne das Stipendium wäre sie nicht entstanden. Besonders in Erinnerung bleibe ihm der Park vor seiner Tür, in dem er im Sommer morgens seine Runden drehte. In seiner Heimat Wuppertal sei das wegen der Steigungen schwieriger.

Ein Abschied, der zugleich Anfang ist

Mit dem Ende des Literaturstipendiums "Gartenhaus am Süderwall" am 31. Oktober 2026 schließt sich für Zerbolesch ein Kapitel in Otterndorf. Fünf Monate bleiben in Erinnerung, ebenso die Arbeit an einem Roman, dessen Geschichte noch wachsen darf.

"Die erste Fassung" war mehr als eine Abschiedslesung: Mit Humor, Perspektivwechseln und lebendigen Dialogen ließ Zerbolesch Bilder im Kopf entstehen. Der Abend machte den Schreibprozess mit seinen Zweifeln, seiner Beharrlichkeit und den Glücksmomenten sichtbar, wenn aus einer vagen Idee Literatur wird. Ein Abschied, der zugleich einen Anfang markiert.

Von Heidi Giesecke

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