Das Krankenhaus Land Hadeln in Otterndorf. Foto: Kramp
Das Krankenhaus Land Hadeln in Otterndorf. Foto: Kramp
Nach "Notoperation"

"Rolle rückwärts" beim Krankenhaus in Otterndorf: Landkreis Cuxhaven übernimmt Klinik

von Egbert Schröder | 19.03.2025

Der Cuxhavener Kreistag hat am Mittwoch endgültig zur kompletten Übernahme der Otterndorfer Klinik eine Entscheidung getroffen. Es handelt sich dabei quasi um eine "Rolle rückwärts".

Es ist quasi eine "Rolle rückwärts": Ursprünglich hatte der Landkreis das Krankenhaus in Otterndorf betrieben, dann erfolgten Übernahmen durch verschiedene private Unternehmen und schließlich die drohende Insolvenz. Letzten Endes sprangen der Kreis und die Samtgemeinde Land Hadeln bei der Rekommunalisierung gemeinsam vor vier Jahren in die Bresche. Am Mittwochnachmittag hat der Kreistag entschieden, sämtliche Gesellschaftsanteile nun wieder durch den Kreis zu übernehmen.

Die Beschäftigten haben mehrere Wechselbäder der Gefühle hinter sich. Der Versuch des Kreises, durch eine Privatisierung auch für mehr Stabilität der vergleichsweise kleinen Klinik zu sorgen, ist langfristig gründlich danebengegangen.

Wie geht es weiter mit dem "Krankenhaus Land Hadeln"? Dazu hat sich der Kreistag am Mittwoch auf seiner Sitzung positioniert. Symbolfoto: Robert Michael / dpa

Gemeinsame Initiative

Das Spannungsfeld, in dem sich die Krankenhäuser bewegen, erschwert ihr wirtschaftliches Überleben. 2021 entschlossen sich daher der Landkreis und die Samtgemeinde Land Hadeln zur gemeinschaftlichen Rettung der Klinik und vereinbarten, dass der Kreis 74,9 Prozent der Anteile übernimmt und die Samtgemeinde die restlichen 25,1 Prozent. Ein millionenschweres Zuschussgeschäft - das wussten beide beteiligten Partner. Aber angesichts des Auftrages der Sicherstellung der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung war dies die einzige Möglichkeit eines Erhalts dieser Einrichtung. Dass nun nicht mehr rein auf Rendite bedachte Unternehmen Regie führten, sondern die kommunale Hand, sorgte für ein Aufatmen bei den Beschäftigten.

Samtgemeinde finanziell unter Druck

Die Samtgemeinde wird ihre Anteile aber Stück für Stück an den Landkreis abgeben. Aus zwei Gründen: Zwar sinken mittlerweile unter der neuen Geschäftsführung und dem Abbau der gemeinhin als "Honorarkräfte" bezeichneten teuren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nur über einen gewissen Zeitraum in einer Klinik beschäftigt sind, die Millionen-Defizite. Doch immer noch bleibt ein Zuschussbedarf im mittleren einstelligen Bereich, das zwar vorwiegend der Landkreis trägt, aber eben auch zu 25,1 Prozent die Samtgemeinde Land Hadeln. Doch die steht finanziell mächtig unter Druck - und daran wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Zudem ist der Landkreis eigentlich der originäre Träger eines Krankenhauses; für eine Samtgemeinde handelt es sich um eine sogenannte "freiwillige Leistung".

Gesellschafter des Krankenhauses in Otterndorf sind der Landkreis Cuxhaven und die Samtgemeinde Land Hadeln. Sie waren eingesprungen, um die Klinik aus schwerem Fahrwasser zu bugsieren. Archivfoto: Schröder

Votum im Kreistag erfolgt

Gleichzeitig hatten bereits im Finanzausschuss des Kreistages fraktionsübergreifend Politikerinnen und Politiker erklärt, welche zentrale Bedeutung das Krankenhaus für das Cuxland habe. Die Entscheidung der Samtgemeinde, sich von den Anteilen zu trennen, sei also nicht als Votum gegen die Klinik, sondern im Gegenteil für das Krankenhaus und seine Zukunft zu verstehen.

Auch hatte Landrat Thorsten Krüger in den vergangenen Monaten immer wieder erklärt, dass Otterndorf ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung im Cuxland ist. Eine Ansicht, die der Kreistag am Mittwoch auf seiner Sitzung teilte und den Plänen zur Übernahme der Gesellschaftsanteile zustimmte.

Dafür bedankte sich am Mittwoch im Kreistag der Abgeordnete und ehrenamtliche Otterndorfer Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) stellvertretend im Namen seiner Kreistagskollegen aus der Region sowie der Stadt und Samtgemeinde: "Wir stehen zu unserem Krankenhaus, aber sind finanziell als Kommune einfach nicht in der Lage, unseren Anteil zu stemmen."

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