In der Dankersstraße kam es am 29. Juni zu einem Großeinsatz, nachdem ein Mann sechs Menschen getötet hatte. Foto: Vasel
In der Dankersstraße kam es am 29. Juni zu einem Großeinsatz, nachdem ein Mann sechs Menschen getötet hatte. Foto: Vasel
Im Gefängnis

Nach Todesschüssen in Stade: Mutmaßlicher Sechsfach-Mörder tot aufgefunden

21.07.2026

Der mutmaßliche Sechsfach-Mörder von Stade ist tot. Er hat sich in der Untersuchungshaft wohl das Leben genommen. Was bisher zu den Umständen bekannt ist.

Der mutmaßliche Todesschütze von Stade hat sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen. Der 45-Jährige sei in der Haft verstorben, bestätigte Staatsanwältin Julia Lüth am Dienstag (21. Juli 2026) dem Stader Tageblatt. Er soll sich erhängt haben, hieß es. Die Justizvollzugsanstalt Bremervörde habe heute mitgeteilt, dass der mutmaßliche Täter "innerhalb der Anstalt verstorben ist". Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse handelt es sich um einen Suizid. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen aktuell nicht vor.

Beamte entdecken 45-Jährigen tot in seiner Zelle

Der Gefangene wurde am Dienstag um 6.05 Uhr von einem hierfür zuständigen Stationsbediensteten im Rahmen der morgendlichen Lebend- und Vollzähligkeitskontrolle in seinem Einzelhaftraum aufgefunden. Der Gefangene wies zu diesem Zeitpunkt bereits keine Körpertemperatur mehr auf.

Durch den herbeigerufenen Notarzt sei um 6.29 Uhr der "Tod des Gefangenen durch Strangulation festgestellt" worden. Die Ermittlungen zu den konkreten Umständen des Todes seien eingeleitet worde. Diese laufen derzeit. Zwischenzeitlich seien sowohl die Angehörigen des Toten als auch die Angehörigen der Opfer in Stade informiert worden. "Die Justizvollzugsanstalt Bremervörde ist derzeit damit befasst, einen umfassenden Sofortbericht zu formulieren", sagte Marina Stein vom Niedersächsischen Justizministerium.

Am 29. Juni 2026 soll der Mann in einer Mutter-Kind-Einrichtung in der Dankersstraße in Stade mit einer Pistole sechs Menschen getötet haben. Der mutmaßliche Todesschütze war bereits kurz nach der Tat von der Polizei in Stade-Haddorf - nach einer Verfolgungsfahrt - auf der B73 gestoppt und festgenommen worden.

Bei der Tat wurden sechs Menschen getötet. Foto: Vasel

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Stade am 30. Juni einen Haftbefehl gegen den 45-Jährigen erlassen. Der türkischstämmige Mann aus Garbsen bei Hannover saß seitdem in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: sechsfacher Mord. Mordmerkmale wie niedere Beweggründe und Heimtücke seien erfüllt, so die Staatsanwaltschaft in Stade seinerzeit.

Frauen weiter auf freiem Fuß

Die beiden Frauen, die kurzzeitig in Gewahrsam waren, sind weiterhin auf freiem Fuß. Der Grund: kein dringender Tatverdacht. Es handelt sich um die 34 Jahre alte Partnerin des Mannes und die 65 Jahre alte Fahrerin des Fluchtwagens - die Patentante des Kindes und die Schwiegermutter des niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku (SPD). Sie arbeitet beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Gleichwohl werde gegen die Frauen wegen des Vorwurfs der Beihilfe bei dem Sechsfachmord ermittelt.

Der türkische Staatsbürger war nach Stade in eine private Mutter-Kind-Einrichtung gekommen, um offene Sorgerechtsfragen zu klären. Bei dem Hilfeplan-Termin soll der Kurde sechs Menschen mit einer Pistole getötet haben. Seine Opfer arbeiteten für die Einrichtung und für das Jugendamt Hannover. Seine drei Monate alte Tochter war bereits seit Mitte Mai in Stade untergebracht - zunächst ohne die 34-jährige Mutter. Die Eltern gingen gegen den Entzug des Sorgerechts gerichtlich vor.

Die Spurensicherung am abgesperrten Tatort in der Dankersstraße. Foto: Vasel

Gegen den Mann, der sich jetzt in der Justizvollzugsanstalt das Leben genommen hat, lag in der Türkei ein "nationaler" Haftbefehl vor, Hintergründe zu dem Haftbefehl nannte die Staatsanwaltschaft am Montag unter Verweis auf die Ministerien nicht. Außerdem hatte die Sprecherin der Stader Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass der Tatverdächtige keinen Aufenthaltstitel besaß. Das heißt: Der 45 Jahre alte, in Deutschland geborene türkische Staatsbürger hielt sich demnach illegal im Land auf. Laut Aufenthaltsgesetz ist das eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden kann.

Kleine Anfrage: Welche Erkenntnisse lagen zum mutmaßlichen Täter vor?

Zwischenzeitlich hatten die CDU-Landtagsabgeordneten André Bock, Birgit Butter und Melanie Reinecke (CDU) eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Ihre Frage: Welche Erkenntnisse lagen niedersächsischen Behörden vor der Gewalttat in Stade zum mutmaßlichen Täter vor?

Im Mittelpunkt stehen unter anderem mögliche Vorstrafen und Fahndungen in der Türkei, Hinweise deutscher Behörden auf das Gefährdungspotenzial des Tatverdächtigen sowie der Informationsaustausch zwischen Polizei, Justiz, Jugend- und Ausländerbehörden.

"Ziel ist es, lückenlos zu klären, welche Informationen vor der Tat vorlagen, wie sie bewertet wurden und ob Versäumnisse dazu beigetragen haben könnten, die Tat nicht zu verhindern", so Reinecke. Die CDU-Landtagsfraktion verlange umfassende Aufklärung über mögliche Erkenntnisse niedersächsischer Behörden zum mutmaßlichen Täter der tödlichen Gewalttat in Stade.

Hinweis: Hier gibt es Hilfe bei Suizidgedanken

Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht erreichbar unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123.

Von Björn Vasel

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Lesen Sie auch...
Dreikampf um den Chefsessel

Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde Land Hadeln: Das Kandidatenfeld steht

von Christian Mangels

Bei der Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde Land Hadeln bleibt es beim Trio. Bis zum Bewerbungsschluss am Montagabend meldete neben den bereits bekannten Bewerbern niemand mehr Interesse an einem Sprung auf den Chefsessel im Hadler Haus an.

Warmes Bier gegen Festival-Schätze

Ein Festvial-Selbstversuch: Kuriose Tauschgeschäfte auf dem Deichbrand-Campingplatz 

Ein warmes Bier, eine mit rotem Schnaps gefüllte Wasserpistole und ein Bierpong-Set: Auf dem Deichbrand-Campingplatz wird aus einer einfachen Tauschaktion eine Reise voller kurioser Begegnungen, Musik und spontaner Festival-Momente.

Gruppe aus dem Cuxland

Jugendliche aus dem Cuxland setzen in Wien Zeichen für Frieden und Erinnerung

Ein bereits jetzt viel beachtetes Vorhaben startet nächste Woche im Cuxland und in Wien: Jugendliche und Reservisten werden gemeinsam auf dem Zentralfriedhof in Wien arbeiten, um Kriegsgräber zu pflegen.

Protest vor der Grundschule

"Heimatliebe ist kein Verbrechen": Aktion in Ihlienworth nach Straßenkritzelei 

von Egbert Schröder

Die Formulierungen "Deutschland - Heimatliebe ist kein Verbrechen" und "Ich bin Patriot" auf einer Straße in Ihlienworth sind und bleiben umstritten. Wer steckt dahinter? Etwa rechtslastige Urheber?