Wirtschaft am Wendepunkt? Deutliche Botschaften beim UVC-Empfang in Cuxhaven
Die alljährliche Veranstaltung des Unternehmensverbands Cuxhaven Elbe-Weser-Dreieck e. V. (UVC) fand im Hotel "Das Donners" in Cuxhaven statt und ist das traditionelle Treffen der Wirtschaft zu Jahresbeginn. Der Vorsitzende fand deutliche Worte.
Pünktlich um 18.26 Uhr eröffnete UVC-Geschäftsführer Danilo Genske den Abend und begrüßte die über 140 Gäste. Für Genske ein deutliches Zeichen: "Es war ein herausragendes Jahr für den UVC", sagte er. Neue Firmen seien hinzugekommen, auch finanziell stehe der Verband gut da. Besonders wichtig sei das Wachstum über die Stadtgrenzen hinaus: "Wir wollen in der Region weiter wachsen."
"Es passiert immer etwas um uns herum"
Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer und Landrat Thorsten Krüger hielten die Grußworte. "Wenn es dem UVC gut geht, geht es der Stadt gut", sagte Santjer. Er hob die Bedeutung von Arbeitsplätzen hervor, sprach über den Gewinn von Fachkräften in den vergangenen zehn Jahren und verwies auf neuen Wohnraum, etwa im geplanten Quartier unter dem Funkturm.
Große Veränderungen kündigte er für Altenwalde durch die mögliche Reaktivierung der Kaserne an. 2000 Soldaten könnten zurückkehren. Die Stadt stehe zur Bundeswehr - davon werde ganz Cuxhaven profitieren. Krüger rief unter anderem dazu auf, weniger zu jammern und sich über die positiven Entwicklungen der Region zu freuen. Er warb zudem für mehr Eigenverantwortung statt "Vollversorgungsmentalität".
Bereits zum achten Mal sprach anschließend UVC-Vorstandsvorsitzender Andreas Wulf und gab einen Jahresausblick. "Ich dachte, irgendwann wird es besser, aber irgendwie passiert immer etwas um uns herum", sagte er mit Blick auf die Weltpolitik. Der US-Präsident stünde im Mittelpunkt: "Jetzt will Trump Grönland … da liegen unsere Fischgründe", gab er zu bedenken. Die Fischindustrie in Cuxhaven und Bremerhaven lebe unter anderem von den dortigen Fängen. "Wenn sich die Amerikaner Grönland schnappen, dann können unsere Fischdampfer in Zukunft zu Hause bleiben", sagte der Vorsitzende.
Auch das Zitat "Schwerter zu Pflugscharen" griff Wulf auf. Abrüstung sei vorbei: "Nun müssen wir uns wieder bewaffnen." Er bewertet die Entwicklungen in Nordholz und Altenwalde positiv. Auch im Hafen habe es etwa Besuche des amerikanischen Militärs gegeben, das den Standort als geeignet für den Umschlag bezeichnet habe.
"Negative Auswirkungen für den Mittelstand"
Den aktuellen SPD-Vorschlag zur Erbschaftsteuer hingegen nahm er mit Entsetzen auf. Er warnte vor negativen Auswirkungen für den Mittelstand. Die Pläne sehen vor, dass private Erbschaften bis zu einer Million Euro steuerfrei sind. Für Betriebsvermögen soll ein Freibetrag von fünf Millionen Euro gelten. Für alles darüber hinaus schlägt die SPD lange Stundungszeiträume vor. "Das kann in die falsche Richtung gehen und dem Mittelstand schaden", mahnte der UVC-Vorsitzende.
Beim Thema Bürokratieabbau zeigte er sich sichtlich resigniert: In Deutschland gebe es 118 Steuergesetze und 87 Rechtsverordnungen. In Schweden überlege man, ein Steuergesetz für alle einzuführen. "Kein Wunder, dass wir so viele Steuerberater brauchen", so Wulf. Bereits in den vergangenen Jahren ging es um den Bürokratie-Wahnsinn für Unternehmen.
Auch den Sinn der großen Anzahl von Abgeordneten auf kommunaler Ebene stellte Wulf infrage. In Cuxhaven gebe es 41, im Landkreis 58. Zum Vergleich nannte er die dänische Stadt Kolding mit 94.000 Einwohnern und 25 Abgeordneten: "Die Frage ist, ob mehr immer zu besseren Ergebnissen führt." Gelobt wurde der Einstellungsstopp beim Landkreis. Von der Stadt wünsche man sich das Gleiche.
Auch das niedersächsische Kultusministerium war ein Thema des Abends. Geplant sei, das Mathematik-Curriculum für Grundschulen zu ändern, schriftliches Dividieren und Rechnen mit Kommazahlen wegzulassen. Wulf sprach von einem Absenken mathematischer Standards: "Das ist der falsche Weg. Wir brauchen Leistungsträger, die entsprechend ausgebildet sind." In Niedersachsen wird die klassische schriftliche Division im Grundschulunterricht durch eine halbschriftliche Variante ersetzt. Das neue Kerncurriculum sieht vor, das schriftliche Dividieren in die fünfte Klasse zu verschieben. Befürworter versprechen sich davon, dass Kinder einfachere Strategien erlernen.
Zum Wirtschaftsstandort sagte Wulf: Cuxhaven sei mittelständisch geprägt, brauche aber auch große Ankerunternehmen. "Deshalb ist es gut, dass wir Gamesa und Titan hier haben", diese Entwicklung mache krisenfest. Insgesamt blickt der Verband zuversichtlich auf das Jahr und die Zusammenarbeit mit der Politik. Nach der Ansprache strömten die Gäste ans Buffet und nutzten die Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken.
