Auch die Abfuhr des Gelben Sacks aus dem Bereich des ehemaligen Altkreises Land Hadeln wird durch die Firma Nehlsen organisiert. Zuletzt waren die Säcke im März durch einen Streik nicht abgeholt worden. Foto: Harald Tittel / dpa
Auch die Abfuhr des Gelben Sacks aus dem Bereich des ehemaligen Altkreises Land Hadeln wird durch die Firma Nehlsen organisiert. Zuletzt waren die Säcke im März durch einen Streik nicht abgeholt worden. Foto: Harald Tittel / dpa
Annäherung nicht in Sicht

Vergiftete Atmosphäre im Kreis Cuxhaven: Nehlsen und Gewerkschaft im Dauerstreit

von Egbert Schröder | 30.06.2025

Im Tarifstreit bei der Entsorgungsfirma Nehlsen ist kein Ende in Sicht. Zuletzt hatte sich die Tonlage noch verschärft, nachdem die Gewerkschaft ver.di davon sprach, dass Nehlsen ab dem 1. Juli Mitarbeiter angeblich entlasse. 

Als "Fehlinformation seitens der Gewerkschaft" stuft das Unternehmen diese Nachricht ein. Erschwert werden die Tarifverhandlungen nach Informationen unserer Redaktion neben der Klärung von Sachfragen auch durch zwischenmenschliche Differenzen seitens der Gesprächspartner.

Der Konflikt schwelt bereits seit Monaten. Erst im Mai hatte das Unternehmen aus Loxstedt die Gewerkschaft aufgefordert, den Verhandlungsführer Pit Eckert in dieser Tarifauseinandersetzung aus dem Verkehr zu ziehen, da die "bislang geführten Tarifgespräche unter der Leitung von Herrn Pit Eckert aus Sicht der Nehlsen-Unternehmensführung nicht mehr tragfähig sind".

"Konstruktiver Dialog nicht möglich"

Über Monate hinweg habe man versucht, "auf sachlicher Ebene Lösungen zu finden". Ein "konstruktiver Dialog" sei jedoch nicht möglich gewesen. Das Vertrauen in die Gewerkschaft sei - so Nehlsen-Vorstandsvorsitzender Oliver Groß - durch "eine Vielzahl von Vorkommnissen nachhaltig erschüttert worden". 

Nehlsen wirft ver.di unter anderem vor, der Firmenleitung "in Aushängen und Flugblättern" Dinge unterstellt zu haben, die "schlichtweg falsch sind". Bereits im Mai sei demnach die Rede davon gewesen, dass man Mitarbeitern mit Kündigungen drohe oder das Grundrecht auf Streiks untergrabe.

Weitere Breitseite gegen Nehlsen

Einen Monat später - am 18. Juni - dann die nächste Breitseite gegen das Entsorgungsunternehmen: "Der Tarifstreit der Müllwerker bei Karl Nehlsen GmbH um angemessenere Löhne hat eine weitere Eskalationsstufe erreicht: Wie erst heute bekannt wurde, hat die Geschäftsführung der Karl Nehlsen GmbH & Co. KG dem Betriebsrat angekündigt, bereits ab dem 1. Juli Personal abzubauen", behauptete die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung.

Es seien "weniger wirtschaftliche Zwänge, die Nehlsen zum Arbeitsplatzabbau greifen lassen". Markus Westermann (Geschäftsführer von ver.di-Bremen-Nordniedersachsen) hat eine andere Interpretation: "Vielmehr könnte hier im Kern auch die Botschaft gesetzt sein: Wer sich bei Nehlsen mit ver.di einlässt, der fliegt. Das Ganze wirkt auf mich eher wie eine Maßregelung der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten als nach betriebswirtschaftlicher Rationalität."

"Das entbehrt jeder Grundlage"

Bei Nehlsen wurden diese Behauptungen verständlicherweise nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme angesehen. Im Gegenteil: "Eine neue Eskalationsstufe im öffentlichen Diskurs" sei inzwischen erreicht worden. Die Behauptung, dass zwischen 20 und 30 Stellen gestrichen werden sollten, würden "jeder Grundlage entbehren".

Am 20. Juni wollte man sich zu einer weiteren Gesprächsrunde zusammensetzen; eine Woche später werde es einen "Folgetermin" geben. Doch auch der ist ganz offensichtlich ohne einen entscheidenden Durchbruch in der Sache oder eine zwischenmenschliche Annäherung und damit Entspannung der Gesprächskultur verlaufen.

"Weit entfernt von einer Einigung"

Am Montag legte ver.di-Geschäftsführer Markus Westermann im Gespräch mit der NEZ/CN-Redaktion noch nach. Er erklärte, dass Nehlsen vielleicht nicht direkt Kündigungen aussprechen werde, aber durch Verlegung von Touren der Müllwerker in andere Regionen des Konzerns die Arbeitsbedingungen weiter erschwere und Ängste schüre. Ob er damit rechne, dass es zu einer Annäherung des Unternehmens und der Gewerkschaft kommt? Kopfschütteln beim Gewerkschafter: "Von einer Einigung sind wir noch weit entfernt."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Hilfe für Bedürftige

Zum sechsten Mal: Lions Club Cuxhaven unterstützt Hanseatic Help beim Deichbrand

von Redaktion

Beim Deichbrand Festival 2026 sammelten die Lions Club Mitglieder Cuxhaven erneut mit Hanseatic Help Campingausrüstung für Bedürftige. "Nach Sommer kommt kalt" zeigt, wie Festivalspenden Menschen in Not helfen können.

Belastungslimit von Rettungskräften

Nach Bränden in Hemmoor, Hadeln, Lamstedt: So auslaugend ist der Einsatz im Sommer

Nicht nur psychisch wird unseren Freunden und Helfern einiges abverlangt. Auch physisch geraten Rettungskräfte an Hitzetagen an ihre Grenzen. Die isolierende Schutzschicht hält Wärme nicht nur fern, sondern auch gefangen.

Unrat in Waldgebiet

Illegale Abfallentsorgung im Drangstedter Forst: Zeugen gesucht

Am Montag entsorgten unbekannte Umweltfrevel ihre Bauabfälle in der Natur des Drangstedter Forst, nahe dem evangelischen Bildungszentrum. Nach dem Fund bittet die Polizei mögliche Zeugen aus der Umgebung um Hinweise.

Tod in JVA wirft Fragen auf

Mutmaßlicher Sechsfach-Mörder von Stade: Auflagen vor Tod in Zelle gelockert

Der Tod eines mutmaßlichen Mörders aus Stade in der JVA Bremervörde wirft Fragen auf. Im Mittelpunkt stehen gelockerte Haftbedingungen, nachdem der 45-Jährige leblos in seiner Zelle gefunden wurde. Das Justizministerium steht vor heiklen Fragen.