Der Müll bleibt in Wanna liegen - unter anderem vor dem Pfarrhaus. Foto: Schröder
Der Müll bleibt in Wanna liegen - unter anderem vor dem Pfarrhaus. Foto: Schröder
Verdi-Streik

Müll bleibt im Kreis Cuxhaven weiter liegen: Inzwischen 20.000 Haushalte betroffen

von Joscha Kuczorra | 25.02.2025

Inzwischen warten etwa 20.000 Haushalte im Landkreis Cuxhaven auf die Müllabfuhr, die sich im Streik befindet. Die Gewerkschaft Verdi weitet den Arbeitskampf mit der Firma Nehlsen deutlich aus. Die Fronten scheinen verhärtet.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) weitet den Arbeitskampf bei der Firma Karl Nehlsen aus. Das heißt: Betroffene Haushalte müssen weiter darauf warten, dass ihr Müll abgeholt wird.

Schon am Freitag, Sonnabend und Montag blieb der Müll liegen. Das setzte sich auch am Dienstag fort, sodass inzwischen etwa 20.000 Haushalte betroffen sind. Laut einer Mitteilung der Gewerkschaft Verdi wurde der Arbeitskampf auf weitere Standorte in Bremen und umzu ausgeweitet. Bereits in der vergangenen Woche hatten rund 50 Müllwerker gestreikt.

Keine Müllabfuhr bedeutet: Gelbe Säcke bleiben an der Straße liegen und werden aktuell nicht abgeholt. Foto: Patrick Pleul /dpa

Ob der Streik weitergeht - und wenn ja, wie lange noch - konnte Verdi-Sprecher und Verhandlungsführer Pit Eckert am Dienstagnachmittag nicht sagen. Er hält es aber für möglich, dass der Ausstand auch am Mittwoch noch andauern wird. "Das hängt maßgeblich davon ab, wie kooperativ der Arbeitgeber ist. Im Moment ist er nicht kooperativ und will kein Angebot unterbreiten. [...] Dann ist natürlich mit weiteren Streiks zu rechnen."

Eckert weiter: "Teilweise - in ganz geringem Umfang - wurden von Nehlsen auch Streikbrecher eingesetzt, um die Streikbereitschaft der Kollegen zu brechen. Dies deutet abermals darauf hin, dass Nehlsen nicht gewillt ist, die legitime Grundrechtsausübung [...] zu akzeptieren und in ernsthafte Tarifverhandlungen mit Verdi einzutreten."

Die Nehlsen-Betriebsleitung in Loxstedt habe vergangenen Freitag versucht, die "legale Streikmaßnahme polizeilich zu unterbinden", heißt es. "Offenbar glaubt man bei Nehlsen, wir befänden uns noch in der Kaiserzeit. Bei diesem Arbeitgeber scheint es noch nicht angekommen zu sein, dass Arbeitsverhältnisse privatautonomen Regeln folgen und Arbeitskämpfe das einzige wirksame Mittel der Beschäftigten sind, sich gegen Niedriglöhne und Armutsrenten zur Wehr zu setzen", ist Verhandlungsführer Eckert erzürnt: "Wer sich so verhält, braucht sich über eine Ausweitung des Streiks nicht zu wundern."

Die Stadt Cuxhaven ist von dem Streik nicht betroffen. Hier ist die BEG für die Müllabfuhr zuständig. Archivfoto: Koppe

Der Konflikt zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen dauert seit November 2024 an. "Denn schon seit über einer Dekade arbeiten die Müllwerker dort tariflos", ärgert sich Eckert. "Die normative Lohnlücke beträgt gut und gerne 300 bis 500 EUR je Monat." Nach einem am Dienstag veröffentlichten betrieblichen Aushang von Nehlsen "würden neu eingestellte Beschäftigte neuerdings 17,20 Euro Stundenlohn erhalten", berichtet er. "Einen Nachweis über die Eingruppierung der Beschäftigten will die Arbeitgeberseite aber nicht liefern."

Verdi will nach eigenen Angaben die tatsächliche Lohnlücke zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst im Bereich Entsorgung (TVöD-E) "jetzt tarifvertraglich schließen und zudem für auskömmliche Renten und geregelte Arbeitsbedingungen sorgen". Doch auch nach zwei ergebnislos verlaufenen Tarifverhandlungen verweigere Nehlsen weitere Tarifverhandlungen. Das Unternehmen wolle lediglich eine "Gesprächsrunde" und lieber keinen Tarifvertrag, heißt es.

In Teilen des Landkreises bleiben die Gelben Säcke liegen. Foto: Archiv

"Ein großer Abfallentsorger, der sich in den Kommunen und Landkreisen um öffentliche Aufträge bemüht, sollte mit gutem Beispiel vorangehen und altersfeste Tariflöhne bezahlen", fordert Eckert. "Das ist bei Nehlsen derzeit nicht überall der Fall." Die Streikenden Müllwerker beteiligten sich seinen Angaben zufolge am Dienstag (25. Februar 2025) an einer Demo zum Streik im Öffentlichen Dienst in Bremen.

Laut Eckert hätten seit vergangener Woche nicht nur Gelbe Säcke abgeholt werden sollen, sondern auch Haus-, Bio-, Sperr- und Gewerbemüll. Wie betroffene Haushalte mit ihrem laut Abfuhrplan abzuholenden Müll umgehen sollen, war von der Firma Nehlsen am Dienstag nicht zu erfahren. Eine Anfrage blieb unbeantwortet.

Stadt Cuxhaven nicht vom Streik betroffen

Die Stadt Cuxhaven ist von dem Streik nicht betroffen. Hier ist die Firma BEG für die Müllabfuhr zuständig. Ansonsten gibt es aber einige Orte, in denen der Müll in den vergangenen Tag hätte abgeholt werden sollen.

Betroffene Regionen bis Freitag, 21. Februar 2025 (ohne Gewähr):

  • Wanna
  • Nordleda
  • Gemeinde Beverstedt
  • Nordholz
  • Wanhöden
  • Imsum
  • Langen
  • Loxstedt mit Düring
  • Stinstedt
  • Bexhövede
  • Schiffdorf
  • Donnern
  • Bramel
  • Nückel
  • Hosermühlen
  • Friedheim
  • Elmlohe
  • Marschkamp
  • Ringstedt
  • Kährstedt
  • Hainmühlen
  • Wüsterwahlde
  • Haxhorn
  • Lintig
  • Betroffene Regionen am Montag, 24. Februar 2025 (ohne Gewähr):

  • Elmlohe

  • Nordholz

  • Dohren bis Ahe

  • Midlum

  • Kührstedt

  • Wachholz

  • Cappel

  • Ringstedt

  • Wanhöden

  • Teil von Beverstedt

  • Fickmühlen

  • Köhlen

  • Spieka

  • Wellen

  • Flögeln

  • Sellstedt

  • Großenhain

  • Wehdel

  • Kleinenhain

  • Lintig

  • Meckelstedt

  • Alfstedt

  • Lintig

  • Hainmühlen
  • Geversdorf
  • Betroffene Regionen am Dienstag, 25. Februar (ohne Gewähr):

  • Beverstedt Ost

  • Hagen Süd

  • Nordholz

  • Lunestedt

  • Neufeld

  • Börsten

  • Heerstedt

  • Engbüttel

  • Harmonie

  • Spieka-Südermarren

  • Stubben

  • Krähenburg

  • Spieka

  • Wacholz

  • Misselwaden

  • Hagen-Nord

  • Cappel

  • Ahe

  • Padingbüttel-Altendeich

  • Kassebruch

  • Altwistedt

  • Rotthausen

  • Brunshausen

  • Spieka-Neufeld

  • Otterndorf

  • Kirchwichstedt

  • Dorum

  • Moorausmoor

  • Stemmermühlen

  • Misselwarden

  • Odisheim

  • Wellen

  • Mulsum

  • Neubachenbruch

  • Bockel

  • Vierhausen

  • Lurfelde

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    Joscha Kuczorra

    Redakteur
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