!
Aktuelle Netzstörung
Aufgrund einer Störung im EWE-Netz sind wir derzeit leider per Mail nicht erreichbar. Wir bitten um Ihr Verständnis - Ihre CNV (Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft).
Trauernde stehen vor der Johanniskirche, dem zentralen Gedenkplatz nach dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt, vor zahlreichen Kerzen, Blumen und Plüschtieren. Nachdem ein Auto in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt fuhr, hält die Trauer und Betroffenheit an. Foto: Matthias Bein/dpa
Trauernde stehen vor der Johanniskirche, dem zentralen Gedenkplatz nach dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt, vor zahlreichen Kerzen, Blumen und Plüschtieren. Nachdem ein Auto in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt fuhr, hält die Trauer und Betroffenheit an. Foto: Matthias Bein/dpa
Tote auf dem Weihnachtsmarkt

Cuxhavener Lehrer nach Anschlag: "Mein Herz als gebürtiger Magdeburger ist schwer"

24.12.2024

Ein Lehrer aus Cuxhaven teilt seine bewegenden Gedanken nach dem verheerenden Anschlag in Magdeburg. Wie beeinflusst dies die politische Landschaft vor der Bundestagswahl? Ein Einblick in die Gefühlslage eines gebürtigen Magdeburgers.

Marten Grimke ist Studienrat und seit 2017 kommissarischer Fachobmann für Politik und Wirtschaft am Amandus-Abendroth-Gymnasium (AAG) Cuxhaven. Als gebürtiger Magdeburger, der seit 15 Jahren Vorstandsmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Magdeburgs und seit 2014 Dozent an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist, ordnet er die Geschehnisse in Magdeburg in einem Gastkommentar ein. An der Uni ist er Lehrkraft für besondere Aufgaben im Fach Politikwissenschaft.

Marten Grimke ist Studienrat und seit 2017 kommissarischer Fachobmann für Politik und Wirtschaft am Amandus-Abendroth-Gymnasium (AAG) Cuxhaven. Foto: Alexander Jödecke

An erster Stelle gebührt es, der Opfer zu gedenken, den Angehörigen die aufrichtige Anteilnahme auszusprechen und vor allem ihnen viel Kraft zu wünschen. Der Tod des neunjährigen Andrés aus Niedersachsen hat mich am meisten betroffen. Mein Herz als gebürtiger Magdeburger, der seiner Heimatstadt auf vielfältige Weise immer noch sehr eng verbunden ist, ist in diesen Tagen sehr schwer. Das wird auch noch weiter anhalten. Dennoch - und das ist Magdeburg: Die Stadtgemeinschaft ist wieder mal sehr eng zusammengerückt.

Die Einsatz- und Rettungskräfte haben beispielhaft geholfen und schnell Menschenleben gerettet. Zudem haben Unbeteiligte aller Couleur, ohne zu zögern, großes Leid gelindert. Die Polizei hat den Täter binnen drei Minuten gefasst. Man muss auch gerade in diesen Zeiten das Unmögliche mitdenken. Die Polizei hat somit verhindert, dass der mutmaßliche Täter nicht noch eine weitere Fahrt über den Magdeburger Weihnachtsmarkt vornehmen konnte. Aus meiner Einschätzung heraus konnten somit deutlich mehr Menschenleben gerettet werden, als es in der öffentlichen Debatte dargestellt wird.

Ein Absperrband der Polizei hängt vor dem Eingang zum Weihnachtsmarkt. Auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist ein Autofahrer in eine Menschengruppe gefahren. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Klar ist, dass die Tragödie vom 20. Dezember 2024 Einfluss auf das Wählerverhalten der kommenden Bundestagswahl im Februar 2025 nehmen wird. Unabhängig davon wurde schon zuvor und wird jetzt die Debatte über die Migrationspolitik von Rechtspopulisten noch intensiver unsachlich befeuert. Die thematische Ausrichtung der kandidierenden Parteien sowie Kandidatinnen und Kandidaten wird die innere und äußere Sicherheit noch stärker in den Fokus rücken. Hierbei kommt es darauf an, ein sicheres Leben im Einklang mit dem sozialen Frieden zu stärken, ohne die Freiheit unserer liberalen und offenen Gesellschaft zu vergessen.

Ich wünsche mir ausdrücklich, dass die Landeshauptstadt Magdeburg weiter zusammenhält. Dass gesellschaftliche Gruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Dass sich die positive Entwicklung nach den sogenannten Baseballschlägerjahren in den 1990er trotz des großen Schmerzes weiter positiv entwickelt. Dass die Intel-Ansiedlung jetzt erst recht angegangen wird. Dass die Geschichte Magdeburgs, nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg, nach der Bombardierung am 16. Januar 1945 und jetzt nach dem Anschlag am 20. Dezember 2024, immer wieder zeigt, dass die Menschen dieser wunderschönen Elbestadt bei all den Tiefpunkten immer wieder erhobenen Hauptes aufstehen und weiter für ein friedliches Miteinander und eine offene Gesellschaft kämpfen. Hass und Hetze helfen niemandem - gelebte Solidarität und Menschlichkeit schon sehr viel mehr.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Lesen Sie auch...
Standpunkt

Kommentar zum Gemeinderat Wingst: Möchtegern-Bürgermeister und misslungene Leitung

von Egbert Schröder

Die Sitzung des Wingster Gemeinderates lief aus dem Ruder, dauerte schlappe vier Stunden und bringt CNV-Redakteur Egbert Schröder ins Nachdenken über Lust und Frust in der Kommunalpolitik.

Baumschutz versus Bauprojekte

Cuxhavens Umgang mit alten Bäumen hinterlässt schalen Beigeschmack (Kommentar)

von Kai Koppe

Der Streit um eine mehr als hundert Jahre alte Linde in Cuxhaven wirft grundsätzliche Fragen auf. CN/NEZ-Redakteur Kai Koppe findet: Wer sich "grün" auf die Fahnen schreibt, muss auch dann zum Baumschutz stehen, wenn es unbequem wird.

Fußball

Kommentar: Wo soll dieser Weg für Rot-Weiss Cuxhaven hinführen?

von Jan Unruh

Erst die Abmeldung der Zweiten, dann die Trennung vom Trainer nach nur einem Spiel: Bei Rot-Weiss Cuxhaven läuft vieles schief. Der einstige Fußball-Gigant der Stadt muss sich unbequemen Fragen stellen - und dringend Antworten finden. Ein Kommentar.

Hintergrund

Café Brüning: Wenn manchem die Presse in Otterndorf zu kritisch wird, folgen Lügen

von Frank Lütt

Wegen möglicher Steuerverschwendung von 300.000 Euro in Otterndorf schaltete sich der Bund der Steuerzahler ein. Und nun werden Lügen über ein Mitglied der CNV-Medien-Redaktion verbreitet. Dieser Beitrag widerlegt die Anschuldigungen.